EIN WENIG FINGERSPITZENGEFÜHL ist bei der Montage der Storage-Systeme von Rausch Netzwerktechnik gefragt. Mitarbeiter Guner Rodoplu lässt sich im neuen Firmensitz in Ettlingenweier über die Schultern schauen. | Foto: Rausch Netzwerktechnik GmbH

Rausch Netzwerktechnik

Getrieben vom Hunger nach Speicher

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Der Hunger nach Speicherplatz und Servern wächst weltweit. Die Digitalisierung ergreift nahezu alle Lebensbereiche. Und mit ihr wachsen die Datenmengen, die irgendwo abgelegt werden müssen. Einer der großen Profiteure dieser Entwicklung ist die Firma Rausch Netzwerktechnik. Das Unternehmen fing ursprünglich damit an, die Server für 1&1 in Karlsruhe zu bauen. Inzwischen zählen zig Konzerne und Mittelständler zu den Kunden. Die Geschäfte laufen sogar so gut, dass das alte Firmengebäude im Ettlinger Industriegebiet zu klein wurde. In Ettlingenweier wurde vor wenigen Wochen die neue Zentrale in Betrieb genommen. Beim Besuch der BNN sind noch nicht alle Arbeiten abgeschlossen. Es wird jedoch schnell klar, dass hier in den kommenden Monaten mit viel Wachstum gerechnet wird.

Weltweit im Einsatz

„Wir sind heute in Universitäten drin, wir sind im Automotive Bereich, wir machen autonomes Fahren, wir beliefern sogar ein Observatorium in Australien“, zählt Sebastian Nölting nur einige Projektpartner und Kunden auf. Er hat vor etwa zehn Jahren die Geschäftsführung von Firmengründer Bernd Rausch übernommen, der anschließend aus dem Unternehmen ausschied. Die Zusammenarbeit mit 1&1 verschaffte Rausch Netzwerktechnik „Sichtbarkeit“, wie Nölting erklärt. „Dann riefen plötzlich T-Systems oder auch Strato an. Wir wurden quasi bei den Cloud-Service-Anbietern in Deutschland durchgereicht.“ Das Problem war in der Anfangszeit, dass Rausch jeweils sehr individuelle Lösungen für die Kunden gefertigt hat. Die Produkte ließen sich nicht eins zu eins an andere Interessenten weiterreichen. „Ich wollte etwas, das ich jedem verkaufen kann“, so Nölting. Einen weiteren Server-Hersteller habe die Welt jedoch nicht gebraucht. „Also fiel der Entschluss: Wir bauen Speichersysteme, also Storage-Lösungen.“

Die Kunden wollten ab 2015 jedoch mehr als nur gigantischen Speicherplatz. „Die bekamen das irgendwann nicht mehr verwaltet. Es mussten also auch Softwarelösungen her“, sagt Nölting. Er kam diesem Wunsch mit seinem Team nach. Und Rausch Netzwerktechnik wandelte sich vom reinen Produzenten zum Dienstleister. Es ist diese Mischung, mit der sich das Unternehmen von deutlich größeren Konkurrenten abhebt.

Deutlicher Umsatzsprung

Das zeigt Wirkung. Rausch wird in diesem Jahr laut Nölting zwischen zwölf und 15 Millionen Euro Umsatz machen. Das vergangene Jahr schloss man noch mit acht Millionen Euro ab. „Und ich gehe davon aus, dass wir auch 2019 nochmal einen ähnlichen Umsatzsprung hinlegen“, sagt der Geschäftsführer und ergänzt: „Wir fertigen das, was der Markt gerade braucht.“

Aktuell gelingt Rausch das mit nur 20 Mitarbeitern. Das führt beim Chef zu „Start-up-Schmerzen“. Zusätzliche Angestellte müssen möglichst schnell gefunden werden. Die Logistik wurde neu aufgestellt, vor allem durch den Umzug in das größere Gebäude in Ettlingenweier. Aber auch mit den Zulieferern – Rausch lässt einzelne Teile in Asien fertigen – müssen Kämpfe ausgefochten werden. Denn während es den Kunden nicht schnell genug bei der Fertigung gehen kann, stößt man laut Nölting bei der Versorgung mit Teilen doch oft an Grenzen. Der Hunger nach Speicherplatz wächst weltweit. Europa, Australien, die USA – Rausch ist längst zum Global Player geworden.

Individuelle Lösungen

Aber auch lokale Kernaufgaben gehören weiter zum Geschäft. „Was wir nach wie vor machen – wo wir auch herkommen – ist das Systemintegrationsgeschäft“, sagt Nölting. Heißt konkret: Rausch betreut Mittelständler in der Region bei der Installation und beim Betrieb ihrer lokalen IT. „Der Geschäftsbereich ist prozentual natürlich nur verschwindend klein, aber wir verdienen Geld damit“, so Nölting. Die großen Umsätze werden jedoch mit anderen Dingen gemacht. Gerade läuft wieder ein großes Projekt mit 1&1, Rausch fertigt Hardwarelösungen für die Rechenzentren des Internetdienstanbieters. Der habe über die Jahre eine sechsstellige Zahl an Geräten von den Ettlingern geliefert bekommen.

Zum Jahresende werde man eine neue Storage-Lösung an den Markt bringen. „Auch da grenzen wir uns wieder dadurch ab, dass es nichts Vergleichbares von einem anderen Hersteller gibt. Die Rausch-Hardware werde mit einem Softwarepaket zusammengefügt. „Damit bauen wir etwas, was es so noch nicht gibt.“ Das funktioniert vor allem deshalb mit einem so kleinen Team, weil vieles automatisiert ist. Nölting führt den BNN-Besucher in einen stark gekühlten Raum. Hier werden die Geräte von Rausch bespielt, wie es in der IT-Sprache heißt. Der Mensch muss sie nur verkabeln. Alles andere läuft dann automatisch ab.

Trotz dieser Verfahren gelingt es Rausch, ganz individuelle Lösungen herzustellen: „Es ist ein großer Unterschied, ob ich ein Archivsystem brauche, oder ob ich tausende von virtuellen Maschinen starten möchte. Die Architektur ist eine völlig andere“, erklärt Nölting. Wer nun jedoch darüber nachdenkt, sich ein individuelles Storage-System von Rausch für den häuslichen Gebrauch herstellen zu lassen, sollte besser zunächst mit seiner Bank über einen Kredit sprechen. „Wir haben allein fünfstellige Entwicklungskosten“, sagte der Geschäftsführer und lacht. „Lohnen würde es sich ab einer Stückzahl von 100.“