Skip to main content

Grenke AG ändert Franchisemodell

Grenke-Chefin Antje Leminsky: „Wir twittern nicht gegen Perring“

Die Baden-Badener Grenke AG kommt vergleichsweise gut durch die Corona-Krise. Wirtschaftlichen Erfolg zu haben, reicht aber nicht aus. Das hat Vorstandschefin Antje Leminsky nach der Attacke durch den britischen Spekulanten Fraser Perring dazu gelernt. Sie zieht Konsequenzen – auch beim umstrittenen Franchisemodell.

Großer Leasingspezialist für kleine und mittelgroße Unternehmen, aber mit niedrigem Aktienkurs: die Baden-Badener Grenke AG zieht nach den Angriffen durch den Spekulanten Fraser Perring weitere Konsequenzen. Foto: Nikolaus Hertweck

Grenke-Vorstandschefin Antje Leminsky nutzt die Vorlage der Quartalszahlen, um erneut in die Offensive gegen den britischen Spekulanten Fraser Perring zu gehen: „Grenke reüssiert trotz Pandemie und Shortsteller-Angriff“, sagt die Chefin der Baden-Badener Leasingfirma an diesem Donnerstag gegenüber Journalisten. Auch Sebastian Hirsch, der neuerdings den Titel Finanzvorstand trägt, spricht viel von „Stärke“ und „Solidität“.

Und dennoch tragen die „vielen Tages- und Nachtschichten“, die man in den vergangenen Wochen nach Perrings Attacke geleistet habe, noch nicht reife Früchte: Mit ihrem Kurswert dümpelt die Aktie der Grenke AG im Börsen-Keller. Das liegt, das weiß Leminsky nur zu gut, eben nicht nur an der Corona-Nervosität auf dem Frankfurter Börsenparkett.

Mögliche Klage gegen Perring hat keine Priorität

Der Perring-Effekt also. Die Grenke AG hat nun die Kanzlei Hengeler Mueller beauftragt, sie rechtlich wegen des britischen Shortsellers zu beraten. „Die Klage gegen Perring erwägen wir“, bekräftigt Leminsky einmal mehr. „Sie hat für uns aber im Moment keine hohe Priorität.“ Zunächst sei es wichtig, dass ein bis zu 50-köpfiges Grenke-Team die Fragen der drei Wirtschaftsprüfungsgesellschaften beantwortet. Es gehe um Sacharbeit. „Wir twittern nicht, und das tun wir ganz bewusst“, spielt die Grenke-Chefin auf den Gegner Perring an, der sich bei seinem Twitter-Profilbild in einer Ritterrüstung zeigt.

Zu den vertrauensbildenden Maßnahmen zählt Leminsky, dass sie künftig für die interne Revision der Grenke AG zuständig ist. Um Transparenz, Compliance und Governance weiterzuentwickeln, werde man zudem extra dafür ein weiteres Vorstandsmitglied einstellen. Das erwarte der Kapitalmarkt.

„Grenke reüssiert trotz Pandemie und Shortsteller-Angriff.“
Antje Leminsky, Vorstandsvorsitzende Grenke AG

Auch das komplizierte Franchisesystem thematisiert Leminsky. Die Firma CTP hielt und hält an ausländischen Franchise-Gesellschaften Anteile. Die CTP hatte einen regen Eigentümerwechsel. Mittlerweile gehört sie indirekt Unternehmensgründer Wolfgang Grenke. Auch die Schweizer Garuna AG von Grenkes Lebensgefährtin Corina Stingaciu mischt mit. Damit soll nun Schluss sein. CTP und Garuna wollten ihre Anteile verkaufen an die Grenke AG verkaufen.

16 Franchise-Gesellschaften würden also in der Bilanz der Baden-Badener konsolidiert. Diese Firmen, die sich um Märkte wie USA, Kanada, Chile und Australien kümmern, steuerten bislang zwar weniger als fünf Prozent des Neugeschäfts bei. Dennoch sei die Integration in den Konzern wichtig. Auch künftig wolle man bei den Auslands-Start-ups nicht mehr auf externe Finanzinvestoren setzen, so Hirsch.

Unternehmensgründer Wolfgang Grenke lässt wegen der laufenden Prüfungen – auch durch die Finanzaufsicht Bafin – derzeit sein Amt als stellvertretender Aufsichtsratschef der Grenke AG ruhen. Ob er zurückkehren wird? „Es ist Sache des Aufsichtsrats und Wolfgang Grenkes, das zu gegebener Zeit zu entscheiden“, sagt Leminsky.

Abschreibungen auf Auslandstöchter durch Corona

Zur wirtschaftlichen Entwicklung der Grenke AG: Im dritten Quartal kam sie auf einen Gewinn von 17,7 (Vergleichszeitraum 2019: 35,6) Millionen Euro. „Das ist in Anbetracht der Gesamtsituation ein Erfolg“, kommentiert Hirsch. In den ersten neun Monaten sank der Konzerngewinn auf 55,7 (Vergleichszeitraum: 103,8) Millionen Euro.

Das Zinsergebnis lag trotz Corona-Krise im dritten Quartal mit 96,0 Millionen Euro um 2,5 Prozent über dem des Vorjahreszeitraums. Bei Leasinggesellschaften in der Türkei, in Brasilien und Polen sowie bei der Factoring-Gesellschaft in der Schweiz wirkte sich die Pandemie aus, so dass man eine außerordentliche Abschreibung auf den Firmenwert von 7,1 Millionen Euro vorgenommen habe.

nach oben Zurück zum Seitenanfang