Einlass zur "hallo.digital"-Konferenz im Tollhaus.
Einlass zur "hallo.digital"-Konferenz im Tollhaus.

„hallo.digital“-Konferenz

„Oder hat jemand kein WhatsApp?“

Anzeige

„Das Stresslevel beim Warten auf das Laden einer Webseite auf dem Smartphone ist höher als beim Ansehen eines Horrorfilms.“ Diese Erkenntnis von Markus Tandler sorgt im gut besetzten Tollhaus in Karlsruhe nicht für Überraschung, stattdessen grinsen die Besucher bestätigend oder nicken leicht. Sein Vortrag ist Teil der zweiten „hallo.digital“, einer Konferenz für digitale Transformation.

Rund 300 Digital-Experten und -Interessierte sind am Dienstag auf das Gelände des Alten Schlachthofs in Karlsruhe gekommen. Die hier heimische Beratungsfirma Netzstrategen organisiert diese Veranstaltung, auf der es von früh morgens bis in die Abendstunden einen Tag lang um anwendbares digitales Wissen geht. Insgesamt sind es 950 Vortragsminuten für Vertreter aus dem Mittelstand, Kreative, Gründer sowie Studenten.

317 Folien in 40 Minuten

Markus Tandler kommt mit 317 Folien auf die "hallo.digital"-Konferenz - manche davon haben auch nur Bilder.
Markus Tandler kommt mit 317 Folien auf die „hallo.digital“-Konferenz – manche davon haben auch nur Bilder. | Foto: Starck

Der Eröffnungsvortrag von Suchmaschinen-Experte Tandler hat 317 Folien. Oft stehen auf den Seiten nur einzelne Wörter oder animierte Bilder, weswegen er nur 40 Minuten braucht. Die richtigen Fragen stehen im Zentrum der Rede, ebenso das Vertrauen. Beides zentrale Aspekte der beliebten Suchmaschine Google. „Google glaubt: Umso häufiger ich eine Webseite besuche, umso mehr vertraue ich ihr“, verrät Tandler und setzt nach: „Vertrauen ist das Allerwichtigste.“

Themenexpertin Gabriele Crepaz auf der Bühne der "hallo.digital"-Konferenz.
Themenexpertin Gabriele Crepaz auf der Bühne der „hallo.digital“-Konferenz. | Foto: Starck

Diesen Gedanken vertieft auch die Expertin Gabriele Crepaz, die bei ihrem Vortrag „Mach dein Ding“ den Besuchern rät: „Ihr müsst der Fels in der Brandung sein und bei eurer Geschichte bleiben.“ Die Belohnung, die dafür winke, seien Menschen, die das Produkt mögen.

Online billiger einkaufen?

Social-Media-Experte Tilmann Werthschulte auf der Bühne im Substage Café bei der "hallo.digital"-Konferenz.
Social-Media-Experte Tilmann Werthschulte auf der Bühne im Substage Café bei der „hallo.digital“-Konferenz. | Foto: Starck

Mit einem Schnäppchen-Online-Shopping-Tipp glänzt Tilmann Werthschulte, der über die Social-Media-Ziele spricht und weiß, dass Amazon den Kunden nach dem Betrachten eines Produktes weiterverfolgt: „Das bekommt ihr die nächsten zehn Tage angezeigt, wenn ihr Glück habt und es die Marge zulässt, nach einer Woche sogar etwas billiger.“ Bedeutet konkret: Schaut man ein Produkt auf Amazon an, wird es einem oft in Werbeanzeigen angezeigt, damit der Kauf noch abgeschlossen wird. Bleibt der potentielle Käufer weiter standhaft, kann es sein, dass das Produkt billiger angezeigt wird, um den Kunden doch noch vom Kauf zu überzeugen.

Wie durchsetzt ein Saal von Digitalexperten mit einer Smartphone-App sein kann, das zeigt Björn Tantau, als er in den Raum fragt: „Oder hat einer von euch kein WhatsApp?“ Hände gehen auf die Frage so gut wie keine hoch. Entsprechend rät er, im Digitalen mehr auf Messenger-Nachrichten-Kanäle zu setzen. Wie das geht, zeigt er anhand seines eigenen Produktes.

„hallo.digital“: Warum in Karlsruhe?

Im Jahr 2017 war die Premiere des Veranstaltungsformats „hallo.digital“. Wie das Digitale bereichern kann, veranschaulichte damals ausgerechnet ein Metzgermeister aus einem 350-Seelen-Dorf im Fränkischen besonders gut: „Dank dem World Wide Web geht’s mir besser denn je.“ Der vollständige Bericht ist unter „Wenn’s bei mir klappt, klappt’s in jeder Branche“ auf zu finden.

Warum die Neuauflage 2018? „Motivation für die zweite hallo.digital ist vornehmlich die positive Resonanz der Gäste und Sprecher. Vor allem wurde die ungezwungene und persönliche Atmosphäre erwähnt sowie der hohe Praxisbezug vieler Vorträge“, erklärt Netzstrategen-Chef André Hellmann und unterstreicht, dass er und seine Mitarbeiter auch Spaß bei der Organisation der „hallo.digital“ hätten. Zudem sei Karlsruhe als Digital-Hub, mit dem Cyberforum und dem starken IT-Umfeld prädestiniert für diese Veranstaltung.

23 Experten inklusive fünf aus der Region

Die Besucher der diesjährigen „hallo.digital“ dürfte vor allem eine Frage beschäftigen: Gespräche führen und sich vernetzen im Tollhaus, Substage, Substage-Café oder im sonnigen Hof? Bis zu drei Vorträge laufen je nach Zeitplan parallel auf den Bühnen. Die Sprecher erzählen von ihrem digitalen Weg, geben Tipps oder versuchen, Inspiration für den Alltag zu vermitteln. Ein Redner ist gar nicht da, sondern per Video zugeschaltet, schließlich sei es ja eine Digitalkonferenz, da könne man das Digitale auch für Vorträge nutzen. Fünf Redner stammen aus der Region: Bastian Karweg (Echobot), Kira Tschierschke (fluidmobile), Melanie Schweitzer (mes communication), Sven Häwel (home&smart) sowie Markus Kehrer (econda).

Das Wissen der insgesamt 23 Experten bietet einen Querschnitt zu den aktuellen Digitalthemen von SEO, über Social Media, Videos, aber auch Recht, Künstliche Intelligenz oder Sprachassistenten im Alltag.

Wird es eine „hallo.digital“ 2019 geben?

Nach den Plänen für eine mögliche Fortsetzung der Konferenz im nächsten Jahr gefragt, zeigt sich Hellmann gegenüber den BNN optimistisch: „Wenn alles gut läuft, wird die dritte hallo.digital 2019 sogar zweitägig und vielmehr ein Festival auch mit Musik und Kultur als nur eine Konferenz. Aber dazu laufen die Gespräche gerade noch.“

Hier geht es zum vollständigen Programm der „hallo.digital“