Antje Leminsky gibt bei der Grenke AG bald selbst den Ton an. Neuentwicklungen hat sie stets im Blick | Foto: pr

Digitale Köpfe: Antje Leminsky

„Ich bin schnell und habe sehr viel Energie“

Das Wort Digitalisierung wird in vielen Unternehmen ganz unterschiedlich ausgelegt. Manche schlagen echten Nutzen daraus, andere hübschen nur ihre Büros mit großen Bildschirmen auf, machen aber dennoch weiter wie bisher. Antje Leminsky hat bezogen auf die Digitalisierung eine konkrete Vorstellung: „Sie muss einen Mehrwert für den Kunden schaffen.“ Die Frau mit dem markanten Lockenkopf sitzt im Vorstand der Baden-Badener Grenke AG und ist dort für das Ressort IT zuständig. Die Digitalisierung ist also eine Art täglicher Begleiter der gebürtigen Rostockerin.

Trends werden mit Bedacht verfolgt

Ihre Firma gibt dem Thema einen hohen Stellenwert. Deshalb richtete Grenke unter anderem auch ein eigenes Technologie-Center in Karlsruhe ein. Dort treibt man laut Leminsky auch die Produkt- und Marktentwicklung voran. Dabei gehe es darum, „zügig zu reagieren, ohne jedem Trend hinterher zu laufen“. Es sei wichtig, mit hohem Tempo die eigenen Ideen zu verwirklichen. „Denn wer nur anderen hinterher rennt, der kann nicht überholen“, ergänzt Leminsky. Der Satz sagt viel über ihre eigene Berufseinstellung aus. Die 46-Jährige geht zügig voran, aber auch ihren ganz individuellen Weg.

Obwohl sie für das IT-Ressort in einem börsennotierten Unternehmen zuständig ist, hat sie selbst keinerlei Informatik-Hintergrund. „Ich kann nicht programmieren“, gesteht die Wahl-Baden-Badenerin, die Wirtschaftswissenschaften in Essen studiert hat. „Dennoch zieht sich das Digitale wie ein roter Faden durch meine berufliche Laufbahn.“ Sowohl als Beraterin bei Pricewaterhouse als auch später als Chief Information Officer bei Gruner+Jahr sowie als Geschäftsbereichsleiterin IT bei Otto ist sie in die digitale Entwicklung von Unternehmen involviert. Vor diesem Hintergrund scheint es nur folgerichtig, dass Leminsky auch im Hause Grenke bei der strategischen Ausrichtung des Leasing-Unternehmens mitwirkt.

Offener Umgang mit Rückschlägen

Sehr bald wird sie sogar die Hauptverantwortung dafür tragen: Leminsky löst im kommenden Jahr Firmengründer Wolfgang Grenke an der Spitze der Gruppe ab. Was dann auf sie zukommt und was das für die Firma bedeutet, dazu möchte sich die zweifache Mutter noch nicht äußern. Abgesehen davon gibt sie sich im Gespräch mit den BNN jedoch offen, thematisiert auch Rückschläge. Dazu zählt unter anderem ein Start-up, das Leminsky gründete, letztlich aber nicht zur Erfolgsgeschichte wurde. Es handelte sich um einen Internet-Marktplatz für Entwicklungsleistungen aller Art. „Die Idee war, Entwickler von überall auf der Welt an Auftraggeber zu vermitteln.“ Zwei Jahre Herzblut habe sie in das Projekt investiert – ohne dass der Durchbruch gelingen wollte.

Die Erfahrung habe Leminsky sensibler gemacht. Und sie untermauert zugleich die Position der 46-Jährigen als Teil der Digital-Szene. Gerade aus diesem Umfeld kommt oft die Forderung, mehr Mut zum Scheitern zu haben, eben auch einmal einen unternehmerischen Fehlschlag zu riskieren. Genau so tickt auch Leminsky, die stets die Augen offen für Neuentwicklung hat. Viele Impulse gebe es etwa aus dem Karlsruher Unternehmer-Netzwerk Cyberforum, in dessen Vorstand Leminsky ebenfalls sitzt. „Wir müssen unser Radar genau beobachten, um früh zu erkennen, was sich verändert“, macht sie deutlich.

Leidenschaft fürs Kochen

Wie bei all dem noch genug Zeit für die Familie und Hobbys bleibt? „Gute Organisation“, sagt Leminsky und lacht. Der Wecker klingle verhältnismäßig früh am Morgen, die Tage seien meist ziemlich lang. Aber: „Ich bin schnell und habe sehr viel Energie. Das Ganze lebt vom Enthusiasmus.“ Sie bringe große Leidenschaft für ihre Arbeit mit, will zugleich jedoch zeigen, dass Familie und Erfolge im Beruf sich nicht ausschließen. Das sei ihr auch firmenintern ein wichtiges Anliegen.

Leminsky bleibt sogar noch genug Zeit, um einer weiteren Leidenschaft nachzugehen: „Ich koche sehr gerne auf hohem Niveau.“ Den Beweis liefert sie mit Fotos von Gerichten, die so oder zumindest so ähnlich auch in der Sterne-Gastronomie aussehen. Durch die Nähe ihres Wohn- und Arbeitsortes zu Frankreich habe sie die französische Lebensart schätzen und lieben gelernt. Um ein Menü vorzubereiten, nehme sie auch größeren Aufwand in kauf. Am Ende sei jedoch auch die Wertschätzung durch die „Mitessenden“ notwendig. Da verhalte es sich mit dem Kochen wie mit der Digitalisierung – es sollte auf jeden Fall nutzbringend sein.