Der Medienkünstler Andreas Siefert von der Agentur PONG.LI beschreibt seine Arbeit "im Grunde als Luxus". Er und sein Team haben unter anderem für die interaktive Installation "Capture The Pyramide" auf der Karlsruher Schlossfassade zum Stadtgeburtstag verantwortlich gezeichnet. | Foto: Andrea Fabry

Digitale Köpfe in der Region

„Im Grunde ist es Luxus“

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Es ist die größtmögliche Bühne, die die Fächerstadt zu bieten hat: Die Fassade des Karlsruher Schlosses. Im Sommer des 300. Stadtgeburtstags war das Spiel „Capture The Pyramide“ eines der Kernelemente der viel beachteten Projektionsshow. Realisiert wurde die interaktive Installation von der Karlsruher Agentur PXNG.LI. Geschäftsführer und Gründer Andreas Siefert erinnert sich noch gut, auch an das gespaltene Echo der Öffentlichkeit auf die Installation. Der 40-Jährige sieht das Positive darin: „Als Künstler suchst du maximale Polarisierung, insofern war das durchaus gelungen.“ Das Projekt war ein voller Erfolg: Drei renommierte Preise, unter anderem den German Design Award, gab es für „Capture The Pyramide“.

Vorreiter Medienkunst

Das Spiel illustriert, wie Siefert in seinem Schaffen als Medienkünstler vorangeht: „Nimm auf Deinem Weg Elemente auf, die es schon gibt, und verwenden sie für Deine eigenen Zwecke.“ So war „Capture The Pyramide“ mit dem eigenen Smartphone zu steuern. „Es war der geschickteste Weg sicherzustellen, dass wirklich jeder an dem Spiel teilnehmen kann.“ Andererseits ist es auch der zeitgemäße Weg, die Steuerung für jedermann zu realisieren. „Die Medienkunst hat es schon immer verstanden, die neuesten technischen Entwicklungen zehn bis 15 Jahre vor der Allgemeinheit aufzugreifen und zu verwenden“, sagt er. Sieferts Installation „Dropshadow“ ist so ein Beispiel dafür. Die Arbeit zum Vordiplom an der Karlsruher Hochschule für Gestaltung (HfG) hält den Schatten einer Person fest auf einer Projektionsfläche, nur um ihn Sekunden später verschwinden zu lassen, wie von einer Windböe abgetragen.

Bis heute profitiert der Medienmacher auch von seiner Schulbildung am Technischen Gymnasium in Balingen, wo er aufgewachsen ist. „Maschinenbau, Elektrotechnik, Metallbearbeitung – all das kann ich auch heute noch bei der Arbeit mit PONG verwenden“, sagt er. Nebenbei stand auch Maschinenschreiben auf dem Lehrplan. „Auch auf der Tastatur bin ich noch recht fix“, bemerkt er schmunzelnd.


Zeit zum Schwärmen

1997 ging es dann aus dem Schwäbischen nach Karlsruhe, an die HfG. „Ich hatte Bock drauf, das wollte ich machen.“ Andreas Siefert gerät da ein wenig ins Schwärmen. „Die Zeit war großartig, der Spirit unter den Kommilitonen war unglaublich“, erinnert er sich. An der Hochschule lernte Siefert seinen Mentor, den Medienkünstler Michael Saup, kennen, dessen Arbeiten ihn bis heute beeinflussen. Und dort wurde auch der Begriff „PONG“ eingeführt, als einer von zwei Projekträumen für die Studierenden, der andere sinnigerweise mit dem Namen „PING“. „Nach und nach formte sich aus den Studierenden, die sich regelmäßig in diesem Raum trafen, eine Gruppe für gemeinsame Projekte. Das war die Geburtsstunde des Kollektivs ,PONG‘.“ So war nach Studienabschluss 2004 der Name der eigenen Agentur, die er bis heute zusammen mit Dominik Rinnhofer führt, schnell gefunden.

Nach dem Diplom aus Karlsruhe wegziehen? „Das kam damals nicht infrage, zu eingespannt war ich mit Arbeit und einer Beziehung. Und warum auch? Wenn ich möchte, setze ich mich in den Flieger und bin in zwei Etappen am anderen Ende der Welt. Karlsruhe als Homebase ist doch nicht schlecht“, meint er und bekräftigt: „Mit PONG gehen wir aus Karlsruhe in die Metropolen und setzen dort unsere künstlerischen Konzepte um. So rum läuft es, und nicht umgekehrt.“ Er weiß um die Stärken der Fächerstadt und wirbt für diese. Nicht nur als Medienkünstler, sondern auch als Vorsitzender und einstigem Mitbegründer des Vereins MEKA – Medienregion Karlsruhe. „Unser Ziel war es, die Netzwerkkultur zu stärken, und daran arbeiten wir weiter.“

„Ich bin superglücklich“

Dass der Karlsruher mit seiner Arbeit bei PONG überhaupt noch Zeit für seine zweite große Leidenschaft, die Musik, findet, ist für ihn selbst immer wieder eine Überraschung. Mit seiner Band „Nachtschatten“ tourt Siefert bisweilen durch ganz Europa. Der melodische Death Metal in deutscher Sprache macht das Quartett zur Rarität auf den Bühnen und mit anspruchsvollen und eingängigen Melodien auch zum Erfolg. Seit seiner Schulzeit spielt er Gitarre und bereut heute noch eine Sache: „Ich hätte dem Musikunterricht unseres Lehrers, einem bekennenden Jazz-Fan, durchaus aufmerksamer folgen können. Das würde mir heute mehr nutzen als ich es damals hätte verstehen können,“ resümiert er, der sich selbst ohne zu zögern als Perfektionisten bezeichnet.

Auch wenn der Hang zur Musik groß ist, mit PONG verdient Siefert weiterhin seine Brötchen. Es ist gut so, wie es heute ist, betont er am Ende des Gesprächs: „Ich bin superglücklich, das machen zu können, was mir Spaß macht und mich erfüllt – es ist im Grunde genommen ein großer Luxus.“