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Nach Corona-Stillstand

Im Mercedes-Benz-Werk Wörth läuft die Produktion wieder rund

Der Neustart in Wörth ist gelungen: In Daimlers größter Lastwagenfabrik laufen die Bänder wieder. Allerdings leide die Produktivität unter den Corona-Einschränkungen, sagt Standortleiter Matthias Jurytko.

Mit Mundschutz am Montage-Band: Im Mercedes-Benz-Werk Wörth läuft die Produktion unter erschwerten Bedingungen. Foto: Daimler Truck AG

Im Mercedes-Benz-Werk Wörth läuft die Lastwagen-Produktion wieder auf stabilem Niveau. Das sagte der Standortverantwortliche Matthias Jurytko im Gespräch mit dieser Zeitung. „Wir sind noch nicht da, wo wir vor der Corona-Krise waren. Aber wir haben einen stabilen Auftragseingang und produzieren an fünf Tagen die Woche im Zwei-Schicht-Betrieb.“

Im Frühjahr hatte der Daimler-Konzern, so wie andere Autohersteller auch, die Produktion an allen europäischen Standorten eingestellt. „Während des Stillstands waren bei uns noch 200 Mitarbeiter vor Ort tätig“, sagt Werksleiter Jurytko. „Denn wir haben viele Anlagen, die beaufsichtigt werden müssen.“ Normalerweise arbeiten rund 10.300 Mitarbeiter am Standort Wörth. Daimlers größte Lastwagenfabrik ist nach der BASF der zweitgrößte Arbeitgeber in Rheinland-Pfalz.

Kein Mitarbeiter ist mehr in Kurzarbeit

Nach knapp vier Wochen Corona-Pause liefen die Bänder Ende April wieder schrittweise an. Seit Anfang Mai seien kein Mitarbeiter mehr in Kurzarbeit, sagt Jurytko. Sogar zusätzliche Zeitarbeiter seien wieder im Einsatz. „Bei uns ging es schneller wieder aufwärts als an anderen Standorten. Denn die Nachfrage nach Lastwagen ist da. Sie werden auch in der Krise gebraucht“, so der Daimler-Manager.

Allerdings liegt die Zahl produzierter Fahrzeuge wohl noch deutlich unter jenen 470 am Tag, für die das Werk Wörth ausgelegt ist. Produziert wird dort nicht auf Halde, sondern nur, was Kunden bestellt haben – samt Wunschausstattung und individueller Lackfarbe. Schon vor der Corona-Krise gingen die Bestellungen zurück. In einigen Wochen wurde deshalb nur montags bis donnerstags produziert.

„Jetzt haben wir unsere Lieferkette ergänzt, um immer mehrere Lieferanten zu haben.“
Matthias Jurytko, Leiter des Mercedes-Benz-Werks Wörth

Derzeit laufen die Montagebänder zwar an allen fünf Werktagen. Mit dem Betriebsrat sei sogar vereinbart, zusätzlich an acht Samstagen im kommenden Quartal zu produzieren, so Jurytko. Doch das Produktionsvolumen liege trotzdem unter dem Vorkrisenniveau. Der Grund ist: Es wird langsamer produziert. „Unsere Produktivität ist durch die Corona-Schutzmaßnahmen gesunken“, sagt Jurytko. Genaue Zahlen nennt er nicht.

Masken und Schutzfolien am Montageband

In den Werkshallen tragen die Mitarbeiter Atemschutzmasken. Zumindest dann, wenn sie dicht bei einander stehen. An manchen Stationen hängen zusätzlich durchsichtige Schutzfolien zwischen ihnen. „Das war eine Idee aus der Belegschaft“, sagt Jurytko. „Es funktioniert gut, die Folien sind viel flexibler als Plexiglasscheiben.“

Um das Ansteckungsrisiko zu minimieren, wurden auch die Arbeitszeiten geändert. Die Frühschicht beginnt zeitiger, die Spätschicht endet später. Dazwischen ist nun eine Dreiviertelstunde Pause. So soll erreicht werden, dass sich die Mitarbeiter beim Schichtwechsel nicht mehr begegnen.

„Wir haben einiges gelernt“, sagt Jurytko. Das Hauptproblem sei im März der Ausfall von Zulieferern, etwa in Norditalien, gewesen. „Jetzt haben wir unsere Lieferkette ergänzt, um immer mehrere Lieferanten zu haben. Außerdem haben wir unsere Vorratshaltung überarbeitet.“

Von der Idee, künftig noch mehr Teile im eigenen Konzern zu produzieren, um krisensicherer zu werden, hält er nichts. „Unser Kerngeschäft ist die Montage von Lastwagen und die Vormontage findet in räumlicher Nähe zu unserem Werk statt“, so der Standortverantwortliche. „Andere Komponenten, wie zum Beispiel elektronische Bauteile, sind von unserem Kerngeschäft zu weit entfernt. Deren Produktion holen wir nicht herein.“

Kommt der neue E-Lkw? Standort Wörth gilt als Favorit

Bevor Jurytko im April 2019 den Chefposten in Wörth übernommen hat, leitete er das Mercedes-Benz-Werk in Gaggenau. Dort werden unter anderem Getriebe für die Lastwagenfabrik in der Pfalz hergestellt. „Es hat mich gereizt, den Transformationsprozess aktiv zu begleiten“, erklärt der 59-Jährige seine Motivation für den Wechsel. „Unser Ziel ist die Dekarbonisierung.“

Daimler setzt bei Lastwagen künftig sowohl auf den Elektroantrieb mit Batterien als auch auf Brennstoffzellen, die Energie aus Wasserstoff gewinnen. Schon im kommenden Jahr soll der neue eActros serienmäßig vom Band laufen – ein komplett batterieelektrisch angetriebener Lastwagen, der bereits im Probetrieb unterwegs ist. Dass er in Wörth hergestellt wird, gilt als wahrscheinlich. Offiziell verkündet wurde die Standortentscheidung allerdings noch nicht.

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