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Barmer Gesundheitsreport

In der Pflege und bei Paketdiensten sind Arbeitnehmer besonders oft krank

Während die IT-Branche die gesündeste ist, zeigen Pflegeberufe und die Paketdienst-Branche viele Krankheitstage. Barmer-Landesgeschäftsführer Winfried Plötze spricht über die Gründe.

Überlastet: Die Pflege ist im Barmer Gesundheitsreport 2020 die Branche mit den durchschnittlich meisten Fehltagen. Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa/Archiv

Die Fehlzeiten von Arbeitnehmern durch Krankheit waren in Baden-Württemberg im vergangenen Jahr in den Branchen Pflege und Paket- und Briefzusteller am höchsten. Das zeigt der Gesundheitsreport des Krankenversicherers Barmer 2020.

Obwohl das Land Baden-Württemberg bundesweit und branchenübergreifend die niedrigsten Krankheitsfälle und Tage zählt, sieht Winfried Plötze, Chef der Barmer Baden-Württemberg, Handlungsbedarf in den beiden Problemberufen. Er macht auch auf eine Verschärfung der Lage durch Corona aufmerksam.

Rückenschmerzen und psychische Erkrankungen sind am häufigsten

Im Durchschnitt war 2019 ein Arbeitnehmer im Land 15,3 Tage krankgeschrieben. Im Jahr 2009 waren es noch 12,9 Tage. Die häufigsten Ursachen für Krankheit in allen Berufsgruppen waren 2019 Muskel-Skelett-Erkrankungen, zum Beispiel Rückenschmerzen, und Erkrankungen der Psyche.

Etwa 21 Prozent der Krankheitstage wurden laut Bericht im vergangenen Jahr durch orthopädische Beschwerden und 19,5 Prozent durch psychische Erkrankungen verursacht. Baden-Württemberg und auch die Stadt Karlsruhe liegen unter dem Bundesdurchschnitt. „Wir sind an sich ein gesundes Land“, sagt Plötze, Geschäftsführer der Barmer Baden-Württemberg.

Das liege an der wirtschaftlichen Situation, die sowohl für gutes Einkommen als auch für gute Strukturen sorge. Gerade die IT-Branche ist laut Bericht mit nur 8,9 Fehltagen pro Person und pro Jahr eine der gesündesten Berufsgruppen.

Pflege belastet Arbeitnehmer in vielfacher Hinsicht

Doch es gehe nicht allen so, sagt Plötze. „Pflege macht durchaus krank“, stellt er fest. Viele körperliche Arbeiten wie Heben und Tragen sowie die psychischen Belastungen führten zu vermehrter Krankheit. 24,2 Krankheitstage fehlt laut Bericht die Pflegerin oder der Pfleger durchschnittlich im Jahr.

Davon gehen etwa die Hälfte auf Muskel-Skelett-Erkrankungen und psychische Leiden zurück. „Beides hat miteinander zu tun.“, sagt der Landesgeschäftsführer, „Depressionen und Burnout können sich bei Verspannung auf die Muskulatur auswirken.“

Ähnliches gelte für die Brief- und Paketzusteller: „Der psychische Druck und die körperliche Arbeit sind dort massiv. Das bleibt nicht ohne Folgen.“ 30,7 Prozent der Fehlzeiten gehen dort auf Muskel-Skelett-Erkrankungen zurück.

Mehr Personal ist der größte Hebel.
Winfried Plötze, Geschäftsführer Barmer Baden-Württemberg

Während der Corona-Krise leisteten Menschen in Pflege- und Transportberufen oft Übermenschliches in einer Stresssituation. „Wenn die Anspannung erst zurückgeht, nach einer Impfwelle beispielsweise, werden diese Leute die Auswirkungen verarbeiten“, sagt Plötze und verweist auf höhere Fehlzeiten für die Zeit danach.

Überlastungen durch Corona-Pandemie verschärfen Situation

Für die Pflege sieht Plötze Verbesserungen als dringend notwendig: „Mehr Personal ist der größte Hebel. Die geringe Bezahlung und Überforderung waren ein großer Trigger für die hohen Krankheitszahlen.“ In den vergangenen Jahren haben soziale Berufe an Attraktivität verloren, sagt er. Zum einen durch die genannten Zustände, aber auch durch immer mehr Menschen, die studieren wollen.

„Soziale Berufe wurden in den letzten Jahren nicht aufgewertet“, sagt er. Im Jahr 2009 wies die Pflegebranche bundesweit im Schnitt noch 19,3 Fehltage auf, im Jahr 2019 sind es schon 28.

Seit etwa zehn Jahren beobachtet die Barmer Krankenkasse im Gesundheitsreport die Lage auf dem Arbeitsmarkt. Plötze erklärt, dass das Bewusstsein für die Gesundheit sowohl beim Arbeitnehmer als auch beim Betrieb gestiegen sei. „Das Thema kommt langsam bei den Firmen an“, sagt er.

Ein Arbeitgeber, der keine Rücksicht auf die Gesundheit seiner Mitarbeiter nehme, schneide sich mittelfristig ins eigene Fleisch. Durch das fehlenden Personal komme es zu organisatorischen Problemen. Sich um die persönliche Resilienz der Mitarbeiter zu kümmern, sei eine gute Investition auch in die Produktivität.

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