Handwerksberufe sind längst keine Männerdomäne mehr. Auch für Frauen bieten sich hier viele interessante Berufsfelder.
Viele Frauen entscheiden sich heutzutage für eine Karriere im Handwerk. In manchen Branchen sind sie jedoch noch eine Seltenheit. Und auch an der Spitze von Handwerksbetrieben findet man weit weniger Frauen als Männer. | Foto: Adobe Stock/goodluz

Frauen im Handwerk

„Kann ich mal den Chef sprechen?“ Warum so wenige Frauen einen Handwerksbetrieb leiten

Anzeige

In vielen Handwerksberufen sind Frauen inzwischen fest etabliert. Rund ein Fünftel aller Auszubildenden im Handwerk sind weiblich. Doch in manchen Branchen sind Frauen, besonders an der Spitze der Betriebe, noch immer eine Seltenheit. Dahinter verbirgt sich mehr als die Scheu vor körperlicher Arbeit oder der vermeintlich ruppige Ton auf der Baustelle.

Frauen im Handwerk sind längst nichts Ungewöhnliches mehr. Rund ein Fünftel der Auszubildenden, die im vergangenen Jahr eine handwerkliche Lehre begonnen haben, sind weiblich (19,7 Prozent).  Das meldet der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) auf seiner Website.

Im Zuständigkeitsgebiet der Handwerkskammer Karlsruhe liegt der Anteil der weiblichen Auszubildenden mit 20,1 Prozent im Jahr 2020 sogar noch etwas höher. Blickt man jedoch nur wenige Jahre zurück, zeigt sich, dass der Trend rückläufig ist: Noch 2010 waren im Kammerbezirk 25 Prozent der Handwerks-Azubis weiblich. Landesweit lag der Anteil sogar bei knapp 27 Prozent.

Und wie sieht es mit Frauen an der Spitze von Handwerksbetrieben aus? In der Handwerksrolle der Handwerkskammer Karlsruhe sind derzeit rund 19.300 Betriebe eingetragen. 4.312 davon werden von Frauen geleitet, das entspricht einem Anteil von rund 22 Prozent. Die meisten sind Kosmetik-, Friseur- oder Schneiderbetriebe, Fotografen oder in der Gebäudereinigung tätig. Nicht eingerechnet in dieser Zahl sind Geschäftsführerinnen von GmbHs.

Anteil der Betriebe mit weiblichen Führungskräften | Foto: Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH)

In manchen Branchen sind Frauen als Leiterinnen eines Handwerksbetriebs jedoch noch immer unüblich. Zwar wurde laut ZDH 2019 jeder fünfte Handwerksbetrieb von einer Frau geführt. Die meisten sind allerdings im „kreativen“ Handwerk angesiedelt. Bei den technischen Berufen seien Frauen auf dem Chefsessel noch eine Seltenheit. Während 36 Prozent der Konditoreien von Frauen geführt würden, hätten nur vier Prozent der Betriebe im Maler- und Lackiererhandwerk eine Inhaberin.

Doch was sind die Gründe dafür? Und worin unterscheiden sich die Frauen an der Spitze von Handwerksbetrieben von Männern in vergleichbarer Position? Die BNN haben sich mit einigen Frauen (und Männern) auf die Suche nach Antworten gemacht.

Kein Sohn in Sicht? Frauen als Nachfolgerinnen

Wenn ein Handwerksmeister sich zur Ruhe setzt, dann geht der Betrieb an den Sohn. Wenn es keinen Sohn gibt, heiratet die Tochter eben einen passenden Handwerker – oder der Betrieb wird geschlossen. Dieses Klischee geisterte bis vor einigen Jahren wohl durch so manche Köpfe.

Karin Hirschböck leitet den Malerbetrieb Warth in Baden-Baden in dritter Generation. | Foto: pr

Auch Karin Hirschböck kennt dieses Vorurteil. Die 52-Jährige führt in dritter Generation einen Malerbetrieb in Baden-Baden. Den Wunsch, den elterlichen Betrieb zu übernehmen, hatte Hirschböck schon früh. Ihre Eltern waren jedoch alles andere als begeistert von den Plänen der Tochter. Sie versuchten, Hirschböck davon abzubringen. Einerseits stellten sich die Eltern die Frage, wie lange ihre Tochter der körperlichen Arbeit wohl gewachsen sein könnte. Die andere, vielleicht größere Frage aber war: Kann eine Frau überhaupt einen Handwerksbetrieb leiten?

Das Handwerk muss sich umstellen. Es ist nicht mehr so, dass die Männer automatisch die Betriebe übernehmen.

Susanne Orthey, erste Vorsitzende der „Unternehmerfrauen im Handwerk“ (UFH) Karlsruhe

Wenn sie heute darüber spricht, lacht Karin Hirschböck etwas über die Sorgen ihrer Eltern. An ihre körperlichen Grenzen sei sie bei der Arbeit definitiv gestoßen. „Das tut jede Frau im Handwerk“, ist sie überzeugt. Dass sie einen Malerbetrieb leiten kann, daran habe sie jedoch nie gezweifelt. Denn Hirschböck erkannte ihren Beruf schon früh als „Frauendomäne“: Als ein auf Privatkunden spezialisiertes Unternehmen hatte und hat sie viel mit der Verschönerung von Wohnräumen zu tun. Und wer entscheide am Ende, welche Farbe an die Wohnzimmerwand kommt? In den meisten Fällen die Hausherrin – quasi ein Geschäft „von Frau zu Frau“.

Auch interessant: Brigitte Dorwarth-Walter war die erste Frau in der Führungsebene der Handwerkskammer Karlsruhe

Auf der Baustelle ist die heute 52-Jährige schon lange nicht mehr tätig. Dafür hat sie ihre sieben Mitarbeiter, alles Männer. Dabei würde sie gerne eine Frau einstellen. Kollegen, die Frauen beschäftigen, seien rundum begeistert von ihren weiblichen Angestellten.

Hirschböck verbringt die meiste Zeit ihres Arbeitstags mit administrativen Aufgaben. Der Chef eines Handwerksbetriebs müsse eben den Großteil seiner Zeit im Büro verbringen, egal ob Mann oder Frau.

Susanne Orthey ist erste Vorsitzende des Karlsruher Arbeitskreises „Unternehmerfrauen im Handwerk“ (UFH) und führt ein Kosmetikstudio. | Foto: Manzey

„Das Handwerk muss sich umstellen. Es ist nicht mehr so, dass die Männer automatisch die Betriebe übernehmen“, betont Susanne Orthey. Sie ist die erste Vorsitzende des Karlsruher Arbeitskreises „Unternehmerfrauen im Handwerk“ und führt selbst ein Kosmetikstudio. Orthey ist überzeugt, dass sich junge Frauen heute nicht mehr von handwerklichen Berufen abschrecken lassen, auch wenn sie körperlich anstrengend sein mögen.

Der Arbeitskreis „Unternehmerfrauen im Handwerk“ (UFH) wurde vor 42 Jahren auf Initiative der Handwerkskammer in Karlsruhe gegründet. Inzwischen gibt es allein in Baden-Württemberg über 50 Arbeitskreise. Die Mitglieder tauschen sich regelmäßig untereinander über verschiedene Themen, beispielsweise der Unternehmensführung oder Gesundheitsfragen, aus. Zusätzlich bietet das Netzwerk diverse Weiterbildungs- und Beratungsmöglichkeiten, etwa in Energiefragen oder für Motivationstraining, sowie Besichtigungen diverser Betriebe an. Der Karlsruher UFH hat derzeit 35 Mitglieder. Der Vorstand um Susanne Orthey möchte das Frauennetzwerk weiter ausbauen und insbesondere auch jüngere Unternehmerfrauen ansprechen.

Das Handwerk als Männerdomäne

Fragt man Andreas Haupt, dann gibt es im Handwerk keine „frauen-freien“ Bereiche. „Alle Handwerksberufe sind für Frauen geeignet“, sagt der promovierte Soziologe. Haupt ist seit 2014 Akademischer Rat am Institut für Soziologie, Medien und Kulturwissenschaften des Karlsruher Institut für Technologie (KIT). In seinen Studien befasst er sich unter anderem mit berufsspezifischen Arbeitsmarktprozessen und den Ursachen für Lohndifferenzen zwischen Männern und Frauen.

Auch interessant: In Bühl sitzen nur wenig Frauen auf dem Chef-Sessel – „Schwangerschaft ist immer noch ein Einschnitt“

Haupts Einschätzung nach ist das deutsche Handwerk immer noch eine Männerdomäne. Und es werde immer schlimmer, betont er mit Blick auf den sinkenden Frauenanteil bei den Auszubildenden. Drei Viertel aller Frauen im Handwerk verteilten sich auf zehn Handwerksberufe. Das schaffe eine männlich dominierte Kultur, der sich nur wenige Frauen aussetzen wollen würden.

Dabei gehe es gar nicht so sehr um den vermeintlich ruppigen Ton auf der Baustelle, glaubt Haupt. Frauen müssten vielmehr sexistische Sprüche erdulden, würden in Entscheidungsprozesse nicht gleichberechtigt eingebunden. Auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf werde da gerne in Frage gestellt – denn bekommt eine Frau ein Kind, sei sie für viele Handwerker automatisch aus dem Beruf heraus.

Je männerdominierter ein Beruf ist, desto eher wird Frauen die Kompetenz abgesprochen, hohe Qualität abzuliefern.

Andreas Haupt, Soziologe am KIT

„Je männerdominierter ein Beruf ist, desto eher wird Frauen die Kompetenz abgesprochen, hohe Qualität abzuliefern“, ist Haupt überzeugt. Das mache sich auch in einer Tendenz zu schlechterer Bezahlung bemerkbar. Zum Vergleich: Ein Mann in einem typischen Frauenberuf habe meist keine finanziellen Nachteile, so der Soziologe.

„Kann ich mal den Chef sprechen?“

Maren Wallinger ist Elektrotechnikmeisterin für Energie und Gebäudetechnik | Foto: pr

Als Frau in einem Handwerksberuf müsse man automatisch mehr lernen und härter arbeiten, findet Maren Wallinger. Die 26-Jährige ist Elektrotechnikmeisterin für Energie und Gebäudetechnik, ihr Vater hat einen Elektroinstallationsbetrieb in Niefern-Öschelbronn. Auch wenn man als Frau mehr Steine in den Weg gelegt bekomme, findet Wallinger eine Handwerksausbildung nicht schwerer als andere. „Jeder Beruf hat seine eigene Herausforderung.“

Auch interessant: Frauen, die an Autos schrauben

Bei ihren bisherigen Chefs sei sie bislang gut angekommen. Auch die meisten Kunden seien begeistert. Aber natürlich gebe es immer wieder auch Vorurteile. „Wenn man an sich selbst glaubt und weiß, dass man seinen Job gut und gerne macht, dann kann es einem egal sein, was andere sagen oder denken.“

Heike Schachter führt ein metallverarbeitendes Unternehmen in Karlsruhe. | Foto: pr

Auch Heike Schlachter aus Karlsruhe hat Situationen erlebt, in denen man sie nicht für ganz voll genommen hat. Nicht mit ihren Mitarbeiterin, betont sie, da gebe es keine Probleme. Sie leitet ein metallverarbeitendes Unternehmen in Karlsruhe. Vertreter, die in ihrer Firma anrufen, fragen jedoch schon mal nach ihrem Mann, statt ihr die Angebote vorzustellen. Sätze wie „Kann ich mal den Chef sprechen?“ sind dabei gefallen. Schlachter nimmt die ganze Sache mit Humor. Seit ihre beiden Partner im vergangenen Jahr die Firma verlassen haben, gibt es keinen Mann mehr neben ihr in der Chef-Etage. 

Meisterzwang oder handwerksfremde Ausbildung: Welche Rolle spielen fachliche Kompetenzen?

Beinahe jede fünfte erfolgreiche Meisterprüfung wurde laut ZDH im vergangenen Jahr von einer Frau absolviert (17,1 Prozent). 2003 beschloss die Bundesregierung, den Meisterzwang für einige Gewerke abzuschaffen. Man hoffte auf mehr Firmengründungen – KIT-Soziologe Andreas Haupt persönlich hoffte vor allem auf mehr Gründungen von Frauen. Seiner Erfahrung nach nutzen viele Frauen eine Handwerksausbildung als Vorqualifikation für ein Studium, beispielsweise der Architektur. Die Meisterprüfung legen sie daher seltener ab.

Haupts Hoffnungen wurden nicht erfüllt. Dabei hätten Unternehmen von Frauen nahezu die gleichen Überlebenschancen wie von Männern. Rund 58 Prozent der neu gegründeten Firmen überleben die ersten fünf Jahre. 2019 beschloss die Bundesregierung dann eine Rückkehr zum Meisterzwang in zwölf Handwerksberufen.

Wenn ich mich als Frau in einem Handwerksberuf selbstständig mache, dann ist Kompetenz die allererste Prämisse.

Karin Hirschböck, Malermeisterin aus Baden-Baden

Doch unabhängig von der Frage, ob der Besitzer eines Handwerksunternehmens einen Meistertitel hat oder nicht: Sollten Frauen, die einen Handwerksbetrieb leiten, auch eine Ausbildung in „ihrem“ Handwerk haben? Ganz klar ja, findet Karin Hirschböck. „Wenn ich mich als Frau in einem Handwerksberuf selbstständig mache, dann ist Kompetenz die allererste Prämisse“, sagt die Malermeisterin und Gestaltungstechnikerin.

Ihrer Meinung nach sollten auch Frauen das Handwerk von der Pike auf lernen. Dass das nicht immer einfach ist, zeigt ihr eigenes Beispiel: Hirschböck machte ihre Ausbildung im elterlichen Betrieb. Kein anderer Malermeister wollte sie als Frau damals ausbilden.

Die Betriebsgröße ist ein wichtiger Faktor

Je nach Betriebsgröße, räumt Hirschböck jedoch ein, könne auch eine betriebswirtschaftliche Ausbildung ausreichen. Ähnlich sieht das auch Heike Schlachter: „Ich bin überzeugt davon, dass man zum Führen eines Betriebs ab einer bestimmten Größe nicht unbedingt eine Ausbildung im Handwerk braucht. Bei einer Betriebsgröße wie der unseren mit rund 30 Mann kommt es auch ganz stark darauf an, den Betrieb organisatorisch auszurichten.“

Schlachter selbst hat eine Ausbildung zur Bankkauffrau absolviert. Sie kam erst mit Anfang 20 in den elterlichen Betrieb. Zwar sei fachliche Kompetenz für sie sehr wichtig. Geht es jedoch in die Tiefe, verlässt sie sich auf ihre langjährigen Mitarbeiter.

Auch interessant: Handwerkskammer Karlsruhe sucht verzweifelt nach Nachwuchs

Andrea Matt leitet eine Marzipan- und Schokoladenmanufaktur in Bad Liebenzell. | Foto: pr

Auch Andrea Matt hat keine Konditoren-Ausbildung. Sie leitet eine Marzipan- und Schokoladenmanufaktur in Bad Liebenzell. Matt hat Betriebswirtschaft studiert, verbrachte den Großteil ihres Berufslebens in Handel und Vertrieb. Je höher man in der Hierarchie eines Unternehmens aufsteigt, desto weniger Detailwissen brauche man, ist sie überzeugt. Das müsse die Leidenschaft der Mitarbeiter sein. „Mein Hauptjob ist es, mich in die Schuhe des Kunden zu stellen“, betont sie. Ihre eigene Rolle sieht sie dabei in der eines Generalisten.

Als Chefin packt Andrea Matt in jeder Abteilung mal mit an, auch in der Produktion. Bei Detailfragen verlässt sie sich auf ihre Angestellten. | Foto: pr

Frauen in Führungspositionen – ein generelles Problem?

Fragen nach dem Chef hört Andrea Matt eher selten. Sie profitiert davon, dass bereits ihre Vorgängerin an der Spitze ihres Unternehmens eine Frau war. Aber auch ihre Schokoladenmanufaktur wurde ursprünglich von einem Mann gegründet. Für Matt ist es ein generelles Problem, dass es zu wenig Frauen in Führungspositionen gibt. Das ziehe sich lediglich ins Handwerk weiter.

Ulrike Linder ist zweite Vorsitzendes des UFH Karlsruhe. Sie hat ihr Hobby zum Beruf gemacht und sich zur Fußpflegerin ausbilden lassen. | Foto: Manzey

Dabei komme oft auch ein traditionelles Rollenverständnis zum Tragen, findet Matt. Für viele sei es nach wie vor selbstverständlich, dass der Mann der Hauptverdiener in der Familie ist. Zudem trauten sich viele Frauen zu wenig.

Dabei könnten sie gerade durch typisch weibliche Attribute bei der Unternehmensführung punkten, findet Ulrike Linder, zweite Vorsitzende des UFH Karlsruhe. „Ich habe es oft beobachtet: Wenn eine Frau die Führung hat, herrscht in den Betrieben ein ganz anderes Klima.“

Ich glaube, dass viele Betriebe davon profitieren können, dass sie von Frauen geleitet werden.

Andrea Matt, Leiterin einer Marzipan- und Schokoladenmanufaktur in Bad Liebenzell

Auch Karin Hirschböck ist überzeugt: Frauen führen anders. Sie seien sensibler für das Zwischenmenschliche und hätten ein besseres Auge für die Fähigkeiten und Neigungen der einzelnen Mitarbeiter. Andrea Matt hofft derweil auf einen Wandel. „Ich glaube, dass viele Betriebe davon profitieren können, dass sie von Frauen geleitet werden.“

Eine Firmenübernahme ist nicht wie ein Autokauf. Man trägt die komplette Verantwortung. Es heißt nicht umsonst ,Selbst‘ und ,Ständig‘.

Maren Wallinger, Elektrotechnikmeisterin

Maren Wallinger hat schon des Öfteren darüber nachgedacht, einen Betrieb zu übernehmen. Zutrauen würde sie sich diese Aufgabe. Respekt vor der Selbstständigkeit hat sie dennoch. „Eine Firmenübernahme ist nicht wie ein Autokauf. Man trägt die komplette Verantwortung. Es heißt nicht umsonst Selbst und Ständig“, betont sie.

Auch interessant: Urteil zu Betriebsrenten: Mehr Geld für geschiedene Frauen

Insgesamt habe sich das Thema „Frauen in Führungspositionen“ zum Positiven entwickelt, bestätigt Andreas Haupt vom KIT. Diese Entwicklung sei jedoch nicht ohne starken politischen Druck einhergegangen. Er verweist auf Beispiele wie das Nachbarland Niederlande; dort habe man durch Teilzeitmodelle oder die Möglichkeit zur Doppelbesetzung einer Stelle mehr Frauen in Führungspositionen.

Die „mitarbeitende Ehefrau“: ein aussterbendes Modell?

Das Handwerk als „Männerdomäne“ bedeutet jedoch nicht, dass es in Handwerksbetrieben keine weiblichen Mitarbeiter gibt. Rund zwei Drittel der Angestellten in Handwerksbetrieben sind Frauen, so der ZDH. Meist sind die jedoch nicht in der Produktion, sondern im Hintergrund im Büro tätig, besonders in Familienunternehmen.

Foto: Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH)

Karin Eyerer unterstützt ihren Mann in seinem Ingenieursbüro. | Foto: Manzey

Sinnbild für die Frau im Handwerksbetrieb ist wohl die „mitarbeitende Ehefrau“. Andreas Haupt schätzt, dass zwischen 46 und 60 Prozent aller Handwerksbetriebe ein mithelfendes Familienmitglied beschäftigen, in den meisten Fällen die Ehefrau. So ist es auch bei Anja Bomans-Ritter und Karin Eyerer. Sie machen in der Firmen ihrer Männer (einem Gipser- und Stuckateurbetrieb sowie eine Ingenieurbüro) jeweils die Büroarbeit. Ein Modell mit Zukunft?

Die klassische Handwerkerfrau, wie wir es noch sind, stirbt allmählich aus.

Karin Eyerer, dritte Vorsitzende des UFH Karlsruhe

Anja Bomans-Ritter arbeitet im Gipser- und Stuckateurbetrieb ihres Mannes mit. | Foto: pr

„Die klassische Handwerkerfrau, wie wir es noch sind, stirbt allmählich aus“, ist Karin Eyerer überzeugt. Das sehe man nicht zuletzt auch an den sinkenden Mitgliederzahlen des UFH. Junge Frauen seien heute gut ausgebildet, würden ihr eigenes Ding machen wollen. „Nur“ mitarbeitende Ehefrau zu sein, können sich weder Eyerer noch Bomans-Ritter bei ihren eigenen Töchter vorstellen. Vor allem nicht ohne Gehalt und Arbeitsvertrag, wie es noch bei einigen ihrer UFH-Mitglieder früher üblich war. Sie gehen davon aus, dass ihre Töchter es eines Tages mal anders machen werden als sie selbst. Denn schließlich, fügen sie hinzu, hätten sich auch die Erwartungen an Frauen verändert.