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Unternehmen arbeitet für Weltfirmen

Karlsruher FC-Gruppe setzt Maßstäbe in Sachen Digitalisierung - auch in der neuen Firmenzentrale

Sie arbeitet für Porsche, die Allianz, dm, Kliniken und Forschungsstätten. Jetzt hat sich die Karlsruher FC-Gruppe mit ihren Mitarbeitern selbst einen Neubau gegönnt. Die sogenannte „Smartphone-Glasfassade“ ist weltweit einmalig – und die Zentrale ein einziger großer Showroom.

Eine Fassade wie beim Smartphone-Display: Weltweit einmalig in dieser Dimension ist die Glasfront des Neubaus der FC-Gruppe. Der Energiebedarf wird so minimiert. Das Karlsruher Unternehmen setzt auch bei seinen Kunden auf neue Technologien. Foto: Andrea Fabry

Da pocht das Herz des Ingenieurs: Michael Hoffmann tippt mit dem Finger auf das Display in der neuen Karlsruher Zentrale der FC-Gruppe. Schon verdunkeln sich die Glasscheiben. „Die lassen so nur 13 Prozent der Sonnenenergie von draußen herein“, sagt der FC-Chef. „Die 1.700 Quadratmeter große Glasfront verringert unseren sommerlichen Energiebedarf, weil wir kaum noch kühlen müssen.“

Entwickelt hat die FC-Gruppe die High-Tech-Fassade zusammen mit der Firma Merck. „Es ist die gleiche Folie im Glas integriert, die bei Samsung und Apple in den Smartphones verbaut wird“, erläutert Hoffmann. Und sein Mitarbeiter Christoph Mack fügt stolz hinzu: „Unser Projekt ist das erste weltweit, in dem diese Technik in einem Gebäude flächendeckend eingesetzt wird.“

Im Neubau der FC-Gruppe gibt es keinen Lichtschalter

Auch Lichtschalter sucht man in dem Neubau, in den die FC-Gruppe 14 Millionen Euro investiert hat, vergeblich. Per App steuern die Mitarbeiter so ziemlich alles im Haus. Sie bekommen zudem Infos zum Mittagessen im „FC Café“ oder können sich per App in der Pause durch benachbarte Grünanlagen navigieren lassen. Sechs Softwarespezialisten hat FC eingestellt, die solche Programme auch für Kunden entwickeln.

Die neue Zentrale ist zugleich ein riesiger Showroom. Die FC-Gruppe plant, steuert, berät, überwacht und digitalisiert rund um (Bau-)Großprojekte. Solche Vorhaben sind und waren der Neubau der dm-Zentrale, der Allianz-Campus in Stuttgart, mehrere Porsche-Werke, der Stadionneubau des SC Freiburg, das Bundesverfassungsgericht, die Sanierung der Staatsbibliothek Berlin, das Städtische Klinikum Karlsruhe, um nur einige Beispiele zu nennen. Seit einem Jahr ist FC für die Terminsteuerung der Karlsruher Bauprojekte U-Strab und Autotunnel in der Kriegsstraße zuständig.

Ziemlich stylish: Die Aufnahme zeigt die Cafeteria im Neubau der FC-Gruppe. Das Karlsruher Unternehmen sieht in hochwertiger Architektur eine Chance im Wettstreit um neue Mitarbeiter. Foto: Andrea Fabry

100 der insgesamt 356 Mitarbeiter sind in der neuen Zentrale beschäftigt. Die ist schmuck gestaltet: mit einer Cafeteria, die Lounge-Atmosphäre versprüht, mit Besprechungsräumen, die „Schwarzwaldlounge“ oder „Pfinzblick“ heißen, mit Großraumbüros, die dennoch heimelig wirken. Sogar einen eigenen Bouleplatz gibt es. Um weiterhin Top-Mitarbeiter zu gewinnen, brauche man eine solche Wohlfühlatmosphäre am Arbeitsplatz, sagt Hoffmann.

Prestigeträchtiges Projekt für einen agilen Autobauer

Dass die leitenden Mitarbeiter in den 14 Standorten zwischen Hamburg und Freiburg an der FC-Gruppe beteiligt sind, ist ebenfalls Teil des Konzepts. Jüngst ist ein Standort in Franken dazugekommen, nun will Hoffmann auch noch eine Dependance in München, um nah an allen Großprojekten dieser Republik zu sein.

Hoffmann spaziert bei seinem Rundgang in eines der Büros. „Servus Männer!“, grüßt er – bei FC sind alle per Du. Einer der Ingenieure hat ein prestigeträchtiges Projekt auf seinen drei Computerbildschirmen – die FC-Gruppe arbeitet hier für einen agilen Autobauer, einen Namen dürfe er leider nicht nennen, bedauert Hoffmann.

Die Geschäfte laufen gut: Der Umsatz lag 2019 bei 32 Millionen Euro. In diesem Jahr dürften 37 Millionen Euro in den Büchern stehen. Auch Mitarbeiter werden weiterhin eingestellt. Industriekunden hielten sich zwar mit Aufträgen zurück, aber die öffentliche Hand investiere stark. Sie macht bei FC knapp 65 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Ein Vorteil der Unternehmensgruppe sei, dass sie mit der Kundenstruktur breit aufgestellt ist – Risiken also gestreut sind.

Für mittelgroße und kleine Projekte habe sich der Wettbewerb „dramatisch verstärkt“ – ein Effekt der Wirtschaftskrise. Überschaubar sei die Konkurrenz hingegen, wenn es um die technische Gebäudeausrüstung für Mega-Projekte in Deutschland geht.

Vision vom „Krankenhaus 4.0“

Die FC-Gruppe sieht mehrere Zukunftschancen für sich und hat dafür strategische Weichen gestellt: Die bereits genannte Digitalisierung rund um Gebäude gehört dazu, aber auch das „Krankenhaus 4.0“. FC plant schon jetzt fahrerlose Transportsysteme für Kliniken, mit denen Abfall, Wäsche, Lagergüter vollautomatisch befördert werden.

Zur Vision gehört ein Krankenhaus mit Ärzten, die auf dem Tablet-Computer die digitale Patientenakte samt Röntgenaufnahmen vor sich haben. Verordnen die Mediziner Medikamente, dann kommen diese vollautomatisch – und vom System mit anderen Arzneien abgeglichen – von der Klinikapotheke auf die Station. Dort erst nimmt sie eine Krankenschwester in die Hand. „Das Ziel ist, Fehlmedikation zu vermeiden“, sagt FC-Experte Jan Schmidt-Rohr. Logistikplanung sei generell ein Zukunftsthema, zumal sich damit Kosten sparen ließen, sagt Hoffmann.

FC will zudem ein Tochterunternehmen gründen, das Bauleitung von Architekten- und Ingenieursseite aus einer Hand bietet. Gäbe es keine Schnittstellenprobleme, ließen sich Kostenexplosionen bei Großbauprojekten verhindern.

Hoffmann ist 48 Jahre alt und verweist auch auf das Alter seines Kompagnons Ulrich Kraus (50). Sie hätten noch viel vor mit ihrem Unternehmen, das 1999 als Zwei-Mann-Firma unter dem Namen facilitycontrol GmbH startete.

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