Airbus A380
Der Airbus A380: zu groß, zu unwirtschaftlich, zu ungeliebt. | Foto: Ali Haider

Aus für A380

Kommentar: Prestigeprojekt mit Makeln

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Eine „neue Seite in der Geschichte der Luftfahrt“ pries 2005 bei dem Jungfernflug eines A380 der damalige französische Präsident Jacques Chirac. Für den Ex-Kanzler Gerhard Schröder symbolisierte die wuchtige Gestalt des „Traumvogels“, die Zuschauer in Scharen anzog, einen „großen Erfolg für die Innovationskraft europäischer Unternehmen“. Die erste Begegnung mit dem faszinierenden Riesen der Lüfte blieb für viele Menschen unvergesslich, auch weil sie sich fragten, wie dieses „Ding“ eigentlich fliegen konnte und dabei so leise war.

Die kurze Geschichte der Legende A380 zeigt aber, dass es eben nicht ausreicht, ein technisches Meisterwerk der Superlative in den Himmel zu schicken, damit der Rubel ewig rollt. Der A380 ist gescheitert, weil er nicht länger zu den Anforderungen einer Branche passt, die sich im Wandel befindet und unter einem gewaltigen Preisdruck leidet. Das Prinzip „größer, weiter, schneller, komfortabler“ im Himmel funktioniert nicht, wenn der Betrieb eines Riesenjets zu teuer ist, der am tatsächlichen Bedarf der Airlines vorbei konzipiert wurde und der wegen seiner Größe viele Flughäfen gar nicht ansteuern kann.

Ein Ende mit Schrecken ist die bessere Lösung für Airbus, der sich im Kampf mit dem Rivalen Boeing um die fliegenden Riesen geschlagen gibt. Doch die Geschichte vom teuersten Ladenhüter der Luftfahrt hat auch eine politische Dimension. Das Aus für den A380 ist ein Schlag für ein Vorzeigeprojekt der europäischen Kooperation, und ob die von Schröder einst bewunderte Innovationskraft der Europäer woanders ihre Verwendung findet, ist fraglich. Bis zum nächsten Gemeinschafts-Desaster ist es womöglich nicht mehr weit: Mangels Nachfrage und wegen des Drucks der US-Konkurrenz könnte schon bald das europäische Projekt der Riesenrakete Ariane 6 eine Bruchlandung hinlegen.