Containerschiff
Nach einem Dämpfer im März machten die Unternehmen im April wieder deutlich bessere Geschäfte als vor Jahresfrist. | Foto: Marcus Brandt

Umfeld bleibt schwierig

Kräftiges Plus für Deutschlands Exporteure im April

Wiesbaden/Berlin (dpa) – Deutschlands Exporteure behaupten trotz Strafzöllen und Handelsschranken ihre starke Stellung auf den Weltmärkten.

Nach einem Dämpfer im März machten die Unternehmen im April wieder deutlich bessere Geschäfte als vor Jahresfrist – auch in den USA. Berechnungen des Statistischen Bundesamtes zufolge wurden in dem Monat Waren «Made in Germany» im Gesamtwert von 110,3 Milliarden Euro ins Ausland verkauft. 9,3 Prozent Plus zum Vorjahresmonat bedeutete die höchste Steigerungsrate im laufenden Jahr, wie die Wiesbadener Behörde am Freitag mitteilte.

«Die deutsche Außenwirtschaft meldet sich nach zwei eher schwachen Monaten kraftvoll zurück und stellt sich weiterhin erfolgreich den globalen Unwägbarkeiten, sowohl in der EU als auch auf Drittmärkten», stellte der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Holger Bingmann, fest. «Das ist ein wichtiges Signal angesichts der von Unsicherheit dominierten Stimmung in den Unternehmen.»

Die Importe lagen im April mit 89,9 Milliarden Euro um 8,2 Prozent über dem Vorjahreswert. In der Außenhandelsbilanz ergab sich für den Monat ein Überschuss von 20,4 Milliarden Euro.

Deutschlands Unternehmen dürften sich angesichts ihrer Leistungskraft «in den internationalen Handelsstreitigkeiten nicht unterbuttern lassen», mahnte Bingmann. In den vergangenen Monaten hatten die vor allem von den USA angeheizten internationalen Handelskonflikte erste Spuren in der deutschen Exportbilanz hinterlassen. Die Regierung von US-Präsident Donald Trump hat unter anderem Zölle auf Einfuhren von Stahl und Aluminium in die Vereinigten Staaten verhängt.

Die deutsche Industrie warnte vor empfindlichen Folgen der weltweiten Handelskonflikte auf die Konjunktur. Exporteinbußen infolge existierender und angedrohter US-Schutzmaßnahmen könnten das Wachstum der deutschen Wirtschaft um bis zu einen Viertel Prozentpunkt senken, heißt es im neuen Quartalsbericht des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI).

Auf kurze Sicht lässt die jüngste deutsche Exportstatistik durchaus Schwächesignale erkennen: Von März auf April 2018 nahmen die Ausfuhren um 0,3 Prozent ab. Rückläufig war binnen Monatsfrist auch die Gesamtproduktion im Verarbeitenden Gewerbe, hier gab es nach Berechnungen des Bundesamtes ein Minus von 1,0 Prozent. Bereits am Donnerstag hatten die Wiesbadener Statistiker mitgeteilt, dass die Zahl der Neuaufträge in der Industrie im April im vierten Monat in Folge gefallen ist.

Damit verdichten sich die Anzeichen einer Abschwächung der Konjunktur in Deutschland. Das Bundeswirtschaftsministerium sprach bezogen auf die Industrieproduktion von einem «schwachen Start ins zweite Quartal».

Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, wertete die jüngsten Zahlen als «herbe Schlappe». Nach seiner Einschätzung wird Europas größte Volkswirtschaft im zweiten Jahresviertel «nur zögerlich vom Fleck kommen». Doch Gitzel betonte zugleich: «Eine nachhaltige Wachstumsschwäche zeichnet sich bislang … nicht ab. Das weltwirtschaftliche Klima bleibt günstig und der private Konsum in Verbindung mit einer ohnehin gut laufenden Bauwirtschaft spricht wieder für etwas mehr Schwung im zweiten Halbjahr.»

BDI-Präsident Dieter Kempf warnte: «Die handelspolitischen Schutzmaßnahmen der Vereinigten Staaten bedrohen das weltwirtschaftliche Wachstum.» Der BDI erwarte für das laufende Jahr einen Anstieg der gesamtwirtschaftlichen Leistung gegenüber dem Vorjahr preisbereinigt um 2,25 Prozent. «Bei einer Eskalation der Handelskonflikte sind nur zwei Prozent realistisch.»

Der BDI hatte für das laufende Jahr ein Wachstum des deutschen Exports von fünf Prozent vorausgesagt. Dies sei zwar weiter möglich. «Treten die negativen Effekte aber recht bald ein, ist eine Abschwächung der Exporttätigkeit auf vier bis viereinhalb Prozent für dieses Jahr durchaus wahrscheinlich.» Die deutsche Wirtschaft hatte im ersten Quartal insgesamt bereits schwächer zugelegt als erwartet.