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Weitere 130 Mitarbeiter sollen nach Frankfurt

Michelin baut Standort in Karlsruhe weiter ab

Die Befürchtungen der Karlsruher Michelin-Belegschaft werden wahr: Weitere 130 Stellen sollen abgebaut und nach Frankfurt verlegt werden.

Michelin-Zentrale
Noch lächelt das Michelin-Männchen: Der Aderlass am Traditionsstandort Karlsruhe geht aber weiter. Zwar bleibt das Werk; weitere 130 Mitarbeiter der früheren Deutschland-Zentrale sollen aber nach Frankfurt umziehen. Foto: Archiv Jörg Donecker/jodo

Von Karlsruhe als einstiger Michelin-Zentrale für Deutschland, Österreich und die Schweiz wird bis zum Ende des Jahres nicht mehr viel übrigbleiben.

„Es werden alle Zentralbereiche mit Ausnahme des Customer Contact Centers und dessen unterstützende Bereiche sowie dem Werk zugeordnete Mitarbeiter in Frankfurt angesiedelt“, teilte eine Michelin-Pressesprecherin auf BNN-Anfrage in der Mainmetropole mit. Nun seien weitere 130 Mitarbeiter betroffen. Unangetastet bleibe das Werk.

Der juristische Sitz der Firma in Karlsruhe wird neuerdings doch in Frage gestellt

Damit treten die schlimmsten Befürchtungen der Belegschaft ein, nachdem Michelin-Manager Anish K. Taneja Ende 2018 den Abzug von 250 Mitarbeitern in die neue Nordeuropa-Zentrale beim Frankfurter Flughafen angekündigt hatte. Auf die BNN-Frage, ob in einem zweiten Schritt weitere Mitarbeiter abgezogen werden, hieß es vor knapp zwei Jahren vom Management: „Zum heutigen Zeitpunkt ist dies nicht vorgesehen.“

Nun kommt es also doch so. Und eine weitere Befürchtung könnte wahr werden. Im Mai 2019 hatte Taneja im Interview mit den BNN noch mit einem eindeutigen „Ja“ zugesichert, dass zumindest der juristische Sitz der Michelin Reifenwerke AG & Co. KGaA in Karlsruhe bleibe. Dazu steht der französische Konzern jetzt nicht mehr. Es „wird zurzeit noch geprüft“, ob der juristischen Firmensitz Karlsruhe Bestand habe, so die Michelin-Pressesprecherin auf Nachfrage.

Das Wort „Karlsruhe“ kommt in der Michelin-Pressemitteilung nicht vor

In der eigentlichen, kurz gehaltenen Pressemitteilung vom Mittwoch war von Karlsruhe nicht die Rede. Darin heißt es: „Für mehr Effizienz. Michelin siedelt zusätzliche Bereiche in Frankfurt an.“ Schmackhaft gemacht werden solle der Umzug mit einem „Hub & Spoke Modell“, das man in Frankfurt eingeführt habe. Man werde im Schnitt ermöglichen, dass Mitarbeiter 50 Prozent ihrer Arbeitszeit mobil erbringen können. „Das Modell soll unseren Mitarbeitern eine gute Life-Work-Balance ermöglichen und so auch die Umstellung auf einen neuen Arbeitsplatz erleichtern“, heißt es.

Auf Nachfrage konkretisierte Michelin, dass Karlsruhe von der Entscheidung des Managements betroffen ist. Es blieben noch 700 Mitarbeiter in der Baden-Metropole, vor allem im Werk. Die Umsiedlung betreffe beispielsweise den Einkauf, die Finanzen, die IT sowie Michelin-Service. Die Unternehmensleitung verhandle momentan einen Interessenausgleich und Sozialplan mit dem Betriebsrat, „um die betroffenen Mitarbeiter bestmöglich zu unterstützen“.

Der Michelin-Standort hat seit 2018 mehrmals Schlagzeilen gemacht. So auch, als der Reifenhersteller in einem (Steuer-)Streit von Grenzgängern unter seinen Mitarbeitern eine Millionen-Summe forderte.

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