Diese Chips, die der Wibu Systems-Gründer und -Vorstand Oliver Winzenried in der Hand hält, werden etwa in Computern sowie in Medizin- und Messgeräte eingebaut. | Foto: Andrea Fabry

Digitale Köpfe der Region

„Sicherheit ist auch eine Frage des Vertrauens“

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Von der Kindergeldstelle zum Weltmarktführer beim Softwareschutz: Die Nutzung der Gebäude in der Rüppurrer Straße 52-54 stehen sinnbildlich für den digitalen Wandel. Wo Familien früher Kindergeld beantragt haben, zerbrechen sich heute Experten von WiBu Systems den Kopf über Datensicherheit. Das Unternehmen von Gründer und Vorstand Oliver Winzenried ist seit 1989 in dem Hinterhof zu finden. „Wir schützen das Know-how unserer Kunden“, sagt der Firmenchef, der im obersten Stock des Gebäudes mit seiner Frau wohnt.

In den Büros in Karlsruhe arbeiten fast 90 Mitarbeiter, weltweit sind es 130. Tochter-Unternehmen gibt es in den USA und China. Die Tendenz ist steigend.

E-Mails aus Asien zum Frühstück

Direkt nach dem Aufstehen sichtet Winzenried E-Mails der asiatischen Mitarbeitern, die sechs bis sieben Stunden vor unserer Zeit sind. „Bis wir anfangen ist dort schon Mittag.“ Fünf bis sechs Mal im Jahr ist er persönlich in China oder anderen asiatischen Ländern. „Der asiatische Markt ist sehr wichtig für uns“, sagt er. Mit seinen Mitarbeitern im Ausland wollte Winzenried jedoch nicht tauschen, da er Karlsruhe, die Region und die Infrastruktur sehr schätzt.

1987 hatte der heute 55-Jährige, der am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) Elektrotechnik studiert hat, die Idee zu seinem Unternehmen. Zwei Jahre später gründete er die Firma gemeinsam mit Marcellus Buchheit, der seit dem Jahr 2000 die Geschäfte des Unternehmens in den USA koordiniert. „Mein Partner hat die Software gemacht, ich die Hardware“, so der Unternehmer. Damals wollten beide einen besseren Softwareschutz erzielen und Unternehmen Schutz vor Produktpiraterie bieten. Noch heute ist das eine Kernaufgabe von Wibu Systems. Angefangen hat alles mit einem Dongle, einem Kopierschutzstecker. „Heute steckt unsere Software in allem – in Blutdruckmessgeräten, batteriegetriebenen EKG-Messgeräten, Beatmungsgeräten oder Bankautomaten“, sagt der findige IT-Tüftler.

Sein Unternehmen zählt in der Branche zu den Top 3 der Welt. Nicht ohne Grund ist Winzenried an der Weltmarktspitze: 2015 erhielt er die Auszeichnung „Manager des Jahres“ bei einer Leserwahl des Fachmagazins Markt & Technik. Er praktiziert eine sehr offene Unternehmenskultur: Die Mitarbeiter haben viel Freiheiten, erhalten eine gute Aus- und Weiterbildung sowie eine Gewinnbeteiligung. Einige seiner Angestellten sicherten sich im vergangenen Jahr damit einen Mehrverdienst von über 20 000 Euro. „Das ist Grundvoraussetzung, um im Wettbewerb mit großen Unternehmen wie Bosch oder SAP attraktiv zu sein“, so das Credo von Winzenried. „Am Ende kann das Unternehmen nur erfolgreich sein, wenn alle ihren Anteil daran leisten.“

IT Sicherheitspreis 2014

Der Erfolg resultiert auch aus Kooperationen: Gerade mit dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und dem Forschungszentrum Informatik (FZI) besteht eine enge Zusammenarbeit, gemeinsam gewannen sie 2014 den mit 100 000 Euro dotierten IT Sicherheitspreis.

Bleibt dem Unternehmer noch viel Zeit für Freizeit? „Nein, für Hobbys habe ich eigentlich keine Zeit“, antwortet er. „Aber wenn ich Urlaub habe, nutze ich die Zeit für Reisen mit meiner Frau. Dabei vergisst man das normale Geschäft viel schneller.“ Pauschalurlaube am Strand sind jedoch nichts für ihn, der IT-Sicherheitsexperte bevorzugt Individualtrips nach Asien oder Afrika – und das E-Mail-Postfach ist dabei Tabu.

Winzenried garantiert Sicherheit – made in Germany. „Security ist auch immer eine Frage des Vertrauens“, betont der Firmenchef. Die Datenträger produziert das Unternehmen nicht selbst, sondern arbeitet mit dem Chiphersteller Infineon zusammen.

Suche nach neuem Standort

Die Rolle als unbekannter Weltmarktführer gefällt dem Manager sehr gut, zumal er sich vor Aufträgen kaum retten kann. Stark angezogen hat das Geschäft vor etwa sechs Jahren mit dem Computervirus Stuxnet. „Die Anzahl der Angriffe nimmt ständig zu“, sagt der umtriebige Netzwerker., der auch Mitglied im Hauptvorstand des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM) ist. Im Moment ist Winzenried auf der Suche nach einem neuen Standort, da die Räumlichkeiten in der Rüppurrer Straße nicht mehr ausreichen. „Ich möchte noch einmal neu bauen, um für die nächsten zehn bis 15 Jahre Platz für das Firmenwachstum zu haben“, sagt er. Derzeit liegen ihm von der Stadt Karlsruhe drei Angebote vor. Wenn es ein Grundstück in der Nähe vom Hauptbahnhof gibt, würde der Unternehmer gerne in Karlsruhe bleiben. „Karlsruhe ist ein toller Standort für Forschung und Entwicklung sowie für Kooperationen“, erklärt der strategische Kopf der Firma.