Auf Wachstumskurs sind Daniel Schuch (links) und Firmenchef Rouven Eller mit Pink Event Service aus Pfinztal. | Foto: Fabry

Service aus einer Hand

Pink Event ist absichtlich anders

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Nein, wie bei einem klassischen Event-Service sieht es hier nicht aus. Eher wie in einem 70er-Jahre-Wohnzimmer. Neben dem Sofa führt eine Tür ins Tonstudio – auch das passt nicht so ganz ins Bild. Das Großraumbüro daneben sieht mehr nach Marketing-Agentur aus. Und der Esstisch könnte auch so in der Küche einer Großfamilie stehen. „Ja, wir sind schon ein wenig anders“, sagt Daniel Schuch. Der Vertriebschef der Firma Pink Event Service aus Pfinztal weiß genau, welchen Eindruck die Räume des kleinen Unternehmens vermitteln. „Das ist aber auch so gewollt.“

Pink ist anders – eben keine klassische Veranstaltungs-Agentur. „Design ist bei uns auch ein Verkaufsargument“, erklärt Schuch die etwas ungewöhnliche Aufmachung des eigenen Standorts. Das Konzept scheint aufzugehen. Das Pfinztaler Unternehmen befindet sich auf Wachstumskurs. Ein Blick auf die Kundenliste belegt dies. Dort tummeln sich Namen wie die Deutsche Leasing AG, PricewaterhouseCoopers, Porsche, Novartis, Edeka Südwest, Ikea oder Bosch. Für sie alle hat Pink bereits Veranstaltungen ausgerichtet oder bei Events mitgewirkt. „Wir organisieren im Prinzip alles. Das finden die Kunden sehr charmant“, sagt Rouven Eller. Er gründete Pink schon vor mehr als 15 Jahren – damals allerdings noch unter anderem Namen und einige Nummern kleiner.

Von Garagenfirma zum etablierten Anbieter

„Wir haben auch als Garagenfirma angefangen“, erzählt Eller im Gespräch mit den BNN. „Zunächst haben wir nur den Ton für Veranstaltungen gemacht, so sind wir auch bekannt geworden“, sagt der 41-Jährige, der in Karlsruhe Elektrotechnik studiert und beim Lautsprecher-Spezialisten d&b seine Diplomarbeit geschrieben hat. „Ich komme also aus dem Sound-Bereich“, macht Eller deutlich. Als Ton-Spezialist von Künstlern wie Laith Al-Deen macht er sich einen Namen. Etwa zu Zeiten der Wirtschaftskrise, zwischen 2007 und 2008, wird dem gebürtigen Sandhausener jedoch klar, dass Tontechnik allein nicht reicht, um eine Firma damit auf Kurs zu halten. „Wir stellten fest, dass es so nicht funktionieren kann. Die Kunden wollten bei ihren Veranstaltungen alles aus einer Hand“, so Eller.

Das bekommen sie von Pink geboten – und längst nicht mehr auf dem Niveau einer Garagenfirma. „Wir bewegen uns in einer High-Quality-Branche. Also müssen wir auch die entsprechenden Produkte anbieten“, sagt Eller. Im Lager stapeln sich Lautsprecher, kilometerweise sind Kabel aufgerollt, Scheinwerfer in unterschiedlichsten Größen stehen in den Regalen. „Wir platzen gerade aus allen Nähten“, bringt Daniel Schuch den Eindruck, den Besucher gewinnen, auf den Punkt. Dennoch hat alles seine Ordnung. Suchen muss hier niemand. „Alle Artikel sind mit Barcodes versehen und im Computersystem eingepflegt. So wissen wir immer, was gerade unterwegs ist und was wann zurück kommt“, erklärt der 42-jährige Vertriebschef. Dennoch herrscht Platzmangel bei der Veranstaltungstechnik. Deshalb soll bis zum kommenden Jahr ein neues Lager in Berghausen entstehen, „drei bis vier Mal so groß wie unser jetziges Gebäude“, verdeutlicht Schuch.

Bedeutende Rolle beim Evangelischen Kirchentag

Auch die Neubaupläne belegen den Wachstumskurs von Pink. Für dieses Jahr erwartet das Unternehmen einen Umsatz zwischen 1,2 und 1,5 Millionen Euro. Es wäre wieder ein deutlicher Sprung. 2016 lag man noch unter der Million-Marke. Dennoch wollen die Verantwortlichen ihre Expansionspläne nicht zu schnell angehen. „Wir streben gesundes Wachstum an. Ich möchte auch keine 200 Mitarbeiter verwalten“, sagt Eller und ergänzt: „20 dürften es aber schon sein.“ Aktuell gehören der Stammbelegschaft zehn Mitarbeiter an. Je nach Veranstaltung wird dann kräftig mit Freiberuflern aufgestockt. So geschehen erst vor einigen Wochen beim Evangelischen Kirchentag in Berlin. Zur Veranstaltung kamen etwa 300 000 Besucher. Mehrere Event-Agenturen waren in die Ausrichtung involviert. Laut Eller wurde jedoch nur Pink für insgesamt drei Bühnen beauftragt. „Das hat uns schon stolz gemacht“, so Eller.

Firmenfeste, Galas, Konzerte oder eben der Kirchentag – Einschränkungen gibt es bei Pink nicht. „Wir machen das, was die Kunden wollen“, betont der Firmenchef. Man richte sich am jeweiligen Budget. Die nötigen Ideen für ein besonderes Veranstaltungserlebnis bringe man hingegen selbst ein. „Woher sollen Kunden denn wissen, was sie alles für ein Event brauchen. Wir haben diese Expertise, weil wir es täglich machen“, erklärt Eller. Vielfältigkeit sei Trumpf. Entgegen kommt den Pfinztalern dabei, dass sie sich neben der Event-Organisation weitere Geschäftsfelder gönnen: „Wir haben Aufnahmestudios, ein eigenes Plattenlabel, produzieren Imagefilme und betreuen Künstler“, beleuchtet Eller die Nebenschauplätze von Pink. Ob sich mit all diesen Dingen Geld verdienen lässt, sei noch nicht klar. Sie erweitern aber das Angebot für das Kerngeschäft.

Straffe Organisation in Start-up-Atmosphäre

Hinter all dem steht eine straffe Organisation, auch wenn Pink eine Start-up-Atmosphäre versprüht. Am langen Esstisch wird zwar mittags immer zusammen die in der eigenen Küche zubereitete Mahlzeit gegessen. Dort findet jeden Morgen aber auch ein sogenanntes To-Do-Meeting statt. „Dort legen wir die Aufgaben für jeden für den Tag fest, können uns aber auch austauschen oder wenn nötig auch einmal über Dinge streiten“, sagt Eller. Auch was das betrifft, ist Pink anders als die meisten anderen Betriebe. Die Kundenanfragen geben den Machern der kleinen Firma aus dem Ortsteil Söllingen bisher die Bestätigung, dass anders sein durchaus richtig sein kann.