Die Karlsruher PTV Group wird für rund 300 Millionen Euro von der Porsche Holding aufgekauft. | Foto: PTV

Auto-Holding übernimmt PTV

Porsche macht Tempo in Karlsruhe

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Die klassischen Autobauer spüren zunehmend den Druck von Digital-Größen wie Google oder Amazon. Reagiert wird darauf mit Zukäufen. Nun hat auch die Porsche Automobil Holding SE (Porsche SE) auf dem Markt zugeschlagen. Für rund 300 Millionen Euro soll über eine Tochtergesellschaft der Karlsruher Verkehrsspezialist PTV Planung Transport Verkehr AG (PTV Group) übernommen werden. Die Transaktion steht laut Porsche SE unter anderem unter dem Vorbehalt fusionskontrollrechtlicher Freigaben. „Die PTV Group verfügt über ein bewährtes, profitables Geschäftsmodell. Sie bewegt sich an der Schnittstelle wesentlicher Trends, die wir als besonders relevant für die künftige Entwicklung der Mobilitätslandschaft betrachten“, begründet Philipp von Hagen, Vorstand für das Ressort Beteiligungsmanagement der Porsche SE, die geplante Übernahme.

„Haben passenden Investor gefunden“

Vincent Kobesen, Chef der PTV Group, begrüßt den Einstieg von Porsche SE: „Wir haben jetzt den passenden strategischen Investor für unser Unternehmen gefunden, mit dem wir eigenständig bleiben und unsere ambitionierten Ziele für die nächsten Jahre noch besser umsetzen können.“ Die angesprochene Eigenständigkeit sichert auch Hans Dieter Pötsch, Vorstandsvorsitzender der Porsche SE. Man setze weiterhin auf das erfahrene Management von PTV.

Die Karlsruher haben weltweit rund 700 Mitarbeiter an 20 Standorten. Die Software des Unternehmens wird in über 120 Ländern eingesetzt. Der Umsatz der Gruppe lag im Geschäftsjahr 2015/16 bei 93 Millionen Euro. In den nächsten Jahren wird weiterhin ein zweistelliges Umsatzwachstum erwartet. Der Geschäftsjahresabschluss für 2016/17 liegt noch nicht vor. PTV entwickelt intelligente Softwarelösungen für die Transportlogistik, die Verkehrsplanung und das Verkehrsmanagement. Die Lösungen kommen in über 2 500 Städten zum Einsatz. Das Unternehmen gilt als Weltmarktführer. Details zu möglichen Veränderungen bei PTV durch die Übernahme wurden noch nicht genannt. In Bezug auf die bestehenden Standorte und Mitarbeiter sei jedoch weiteres Wachstum geplant.

Unter dem gleichen Dach wie VW

Durch die Übernahme würde PTV unter das gleiche Dach wie Deutschlands größter Autobauer Volkswagen rücken. Die Porsche SE hält 52,2 Prozent der Stammaktien von VW. Neben diesem Kerninvestment ist die Holding mit rund zehn Prozent an dem US-amerikanischen Technologieunternehmen INRIX beteiligt und plant, weitere strategische Beteiligungen entlang der automobilen Wertschöpfungskette zu erwerben. Mit dem Kauf von PTV mache man „einen weiteren wichtigen Schritt beim Aufbau eines Portfolios, das die bestehende Beteiligung an der Volkswagen AG ergänzen soll“, sagt Pötsch, der neben dem Chefposten in der Porsche SE auch den Aufsichtsratsvorsitz bei VW inne hat. Mit dem Zukauf verschafft sich der Manager auch ein wenig Luft. Denn auf der jüngsten Hauptversammlung der Porsche SE hatte er viel Kritik einstecken müssen. Vor allem die Frage, warum trotz voller Kassen noch kein Zukauf getätigt wurde, beschäftigte die Aktionäre.