Der Volocopter über dem Daimler-Museum in Stuttgart. | Foto: Foto: PR/Daimler

Flugtaxi überm Daimler-Museum

Premiere in Stuttgart: Volocopter fliegt erstmals über einer Großstadt

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Mit dem ersten unbemannten Flug eines Lufttaxis in einer europäischen Großstadt hat das Bruchsaler Unternehmen Volocopter in Stuttgart ein Ausrufezeichen für den automatisierten Verkehr der Zukunft gesetzt.

Planmäßig hob das innovative Fluggerät mit 18 elektrisch betriebenen Rotoren am Samstag vor den Augen von Ministerpräsident Winfried Kretschmann, Innenminister Thomas Strobl, Daimler-Vorstandschef Ola Källenius und mehr als 10 000 Zuschauern ab und drehte eine Runde um das Daimler-Museum. Gern würde er einen Volocopter nutzen, bekannte der Regierungschef, „da ich immer unter Zeitstress stehe.“ Die Zuschauer zeigten sich angetan von dem Flug, Er war Bestandteil eines umfangreichen Programms mit dem Titel „Vision Smart City – Mobilität der Zukunft heute.“

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Das Herz ist in Baden

Gegenüber den BNN erläuterte Volocopter-Gründer Alexander Zosel die Bedeutung des Tages: Man unterstreiche damit den Anspruch des Unternehmens, sehr früh auch den deutschen Flugtaxi-Markt bearbeiten zu wollen. Denkbar sei ein autonomes Testfeld oder auch eine konkrete Strecke zwischen dem Stuttgarter Flughafen und der Innenstadt.

Wann der „VoloCity“ in Betrieb geht, ist bislang noch unklar.
Wann der „VoloCity“ in Betrieb geht, ist bislang noch unklar. | Foto: Volocopter

Der Standort Bruchsal ist Zosel zufolge zukunftsfähig. In der dortigen Werkstatt werde man immer Prototypen entwickeln; die mögliche Produktion von Großserien hänge von den jeweiligen Märkten ab. Man werde sich global aufstellen, sagte Zosel. „Das Herz aber ist in Baden.“ Von der Politik im Land fühlt sich das Unternehmen gut unterstützt. Volocopter hat rund 150 Mitarbeiter.

Der Frankfurter Flughafen prüft Einsatz

2011 hat das Unternehmen Volocopter seinen ersten bemannten und rein elektrischen Flug mit dem Senkrechtstarter unternommen. Vor zwei Jahren fand in Dubai ein autonomer Flug in Kooperation mit dem dortigen Verkehrsministerium statt. Jetzt gehe es darum, die Technik zertifiziert und auf höchstem denkbarem Sicherheitsniveau auf den Markt zu bringen. In zwei bis drei Jahren will Zosel die ersten Strecken eröffnen.

Der Flughafen Frankfurt prüft gemeinsam mit Volocopter, wie das drohnenähnliche Verkehrsmittel in den Flughafenbetrieb integriert werden kann. Für einen kommerziellen Betrieb mit Passagieren – auch mit Pilot – fehlt Volocopter bislang noch die Genehmigung. Das erste Terminal für Volocopter-Luftaxis soll noch in diesem Jahr in Singapur an den Start gehen.

Teil eines Forschungsprojektes

Der Stuttgarter Erstflug ist Teil eines Forschungsprojekts der Landesregierung und der Stuttgarter Hochschule für Technik. Besucher wurden dafür vor und nach dem Flug befragt, ob sie sich vorstellen könnten, mit einem solchen Luftfahrzeug die Taxifahrt zum Flughafen zu ersetzen.

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Das Ergebnis der Erhebung könnte auch Auswirkungen auf die weitere Kapitalausstattung des Bruchsaler Unternehmens haben. Bei dem Test drehte das Fluggerät gut vier Minuten lang vor dem Mercedes-Museum seine Runden. Der Volocopter flog dabei ohne Passagiere. Ein Pilot steuerte das Fluggerät vom Boden aus.

Zuletzt 50 Millionen Euro neues Kapital

An Volocopter ist Daimler sowie der chinesische Großaktionär Geely beteiligt. Zuletzt hatten die Bruchsaler 50 Millionen Euro eingesammelt. Mit dem Geld will man das Modell VoloCity weiterentwickeln und den kommerziellen Markteintritt vorbereiten. Daimler-Vorstandsvorsitzender Ola Källenius zeigte sich gegenüber Volocopter-Vorstandschef Florian Reuter von dem Konzept überzeugt. Pioniergeist sei Teil der DNA seines Hauses, erklärte der Daimler-Chef. Der Volocopter habe das Zeug dazu, ein neues Kapitel der Mobilitätsgeschichte zu markieren. Källenius sieht große Marktchancen.

Ministerpräsident Kretschmann äußerte sich lobend über die Automobilindustrie. Sie habe die Zeichen der Zeit erkannt und verdiene Unterstützung. Man solle „nicht auf die Autoindustrie einprügeln“, warnte er angesichts der Demonstrationen zur IAA in Frankfurt. Innenminister Thomas Strobl bezeichnete den Volocopter als „geiles Ding“. Die Politik müsse für die nötige Infrastruktur sorgen. Dazu zählten schnelles Internet und die entsprechende Datensicherheit.