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Jahresbilanz des Autokonzerns

Schneller erholt als erwartet: Daimler steigert trotz Corona den Gewinn

Der Daimler-Konzern hat Kosten eingespart und im Pandemie-Jahr mehr Autos verkauft als zunächst gedacht. Die Jahresbilanz des Autoherstellers kann sich deshalb sehen lassen.

Trotz Corona mehr Gewinn: Der Autokonzern Daimler hat die Erwartungen lange gebremst, doch gegen Ende lief das vergangene Geschäftsjahr deutlich besser als gedacht. Foto: Thomas Kienzle/AFP

Der baden-württembergische Automobilhersteller Daimler hat das vergangene Geschäftsjahr deutlich besser abgeschlossen als erwartet. „Das Jahr 2020 war ein Stresstest für beinahe jedes Unternehmen in fast jeder Branche.

Das Daimler-Team hat diesen Test sehr gut gemeistert“, sagte der Vorstandsvorsitzende Ola Källenius bei der Vorstellung der Jahresbilanz am Donnerstag. „Unsere Finanzergebnisse liegen deutlich über den Markterwartungen und spiegeln große Fortschritte bei der Kosteneffizienz wider.“

Tatsächlich gelang es dem Autokonzern trotz deutlich gesunkener Absatzzahlen den Gewinn zu steigern. Daimler beziffert das auf die Aktionäre entfallende Konzernergebnis auf 3,6 Milliarden Euro. Das sind 1,2 Milliarden Euro mehr als im Jahr zuvor, ein Plus von 50 Prozent. Der Umsatz sank hingegen um elf Prozent auf 154,3 Milliarden Euro.

Pkw-Nachfrage in China rettet das Konzernergebnis

In der Pkw-Sparte Mercedes-Benz Cars ging der Absatz insgesamt um 13 Prozent auf 2.087.200 Fahrzeuge zurück. Beim Blick auf die Absatzzahlen der einzelnen Monate zeigt sich, dass vor allem in China die Nachfrage nach dem Pandemie-bedingten Einbruch im Frühjahr schnell wieder angestiegen ist. „Nach der Talsohle im Februar ist China V-förmig zurückgekommen“, freute sich Källenius. „In Europa dauerte es länger, bis wir zurück auf das Niveau der Vorjahresmonate gekommen sind.“

Zu diesem Geschäftsbereich gehört auch das Rastatter Mercedes-Benz-Werk, in dem Daimler Kompaktwagen produziert. Der Standortverantwortliche Thomas Geier sagte zum Jahresabschluss, man könne trotz der Herausforderungen durch die Covid-19-Pandemie auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken.

„Ein besonderer Meilenstein war der Produktionsstart des EQA, des ersten vollelektrischen Mitglieds der Kompaktwagen-Familie von Mercedes-EQ.“ Die Produktion des EQA sei für das Werk ein wichtiger Schritt und „unser Beitrag auf dem Weg zur CO2-neutralen Neuwagenflotte von Mercedes-Benz“, so Geier. Standortbezogene Zahlen nannte er nicht.

Bei den Lastwagen, die unter anderem im pfälzischen Wörth produziert werden, sehen die Absatzzahlen für 2020 deutlich schlechter aus. Weltweit verkaufte Daimler Trucks 358.300 Lkw – ein Minus von 27 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (488.500). Daimler-Trucks-Chef Martin Daum betonte aber, dass es Anlass für Zuversicht gebe: „Vor allem in Nordamerika haben wir Ende 2020 deutlich höhere Auftragseingänge als Ende 2019.“

Zuversicht auch im Lkw-Werk Wörth

Diesen Optimismus teilt Matthias Jurytko, Werksleiter in Wörth. „Wir gehen für das Jahr 2021 davon aus, dass die Weltwirtschaft nach der tiefen Rezession im Vorjahr kräftig wachsen wird. Die konjunkturelle Belebung sollte auch auf wichtigen Lkw-Absatzmärkten eine verbesserte Nachfrageentwicklung zur Folge haben, die sich auch auf die Verkäufe unserer Fahrzeuge auswirken dürfte“, sagte Jurytko.

„Wir erwarten für 2021 einen deutlichen Absatzanstieg, was gut für unsere Produktionsauslastung im Werk Wörth ist.“ Im vergangenen Jahr seien am Standort Wörth insgesamt 65.000 Lkw und Unimog gefertigt worden.

Auch bei den Nutzfahrzeugen setzt Daimler auf Elektrifizierung, im Unterschied zur Pkw-Sparte aber nicht nur auf Batterie-Lösungen, sondern auch auf Brennstoffzellen, die mit Wasserstoff betankt werden. „Wir arbeiten mit Hochdruck an der Brennstoffzelle und werden unsere Partnerschaft mit Volvo bald besiegeln“, sagte Daimler-Trucks-Chef Daum. Die Serienproduktion des batterieelektrischen Lkw eActros soll im zweiten Halbjahr am Standort Wörth starten.

Abspaltung der Daimler Truck AG steht bevor

Vor zwei Wochen hat der Daimler-Konzern bekanntgegeben, sich in zwei unabhängige Unternehmen aufteilen zu wollen. Die jetzige Tochtergesellschaft Daimler Truck AG, in der das Nutzfahrzeuggeschäft gebündelt ist, soll als eigenständige Aktiengesellschaft an die Börse gebracht werden.

Dazu sagte der Standortverantwortliche in Wörth nun: „Wir sind davon überzeugt, dass wir als unabhängiges Unternehmen noch stärker sein werden und unsere Kunden noch besser bedienen können“, so Matthias Jurytko. „Mir ist dabei wichtig zu betonen: Was sich verändern wird, ist die Aktionärsstruktur von Daimler Truck, nicht aber die Ausrichtung unseres Standorts. Wir sind und bleiben ein wichtiger Bestandteil der Daimler Truck AG.“

Rund 1,4 Milliarden Euro will der Konzern als Dividende an die Aktionäre ausschütten. Das wären 1,35 Euro pro Aktie, 45 Cent mehr als im Vorjahr. Für 2021 stellte der Vorstandsvorsitzende Källenius deutliche Sprünge sowohl bei Absatz und Umsatz, als auch beim operativen Ergebnis in Aussicht. „Wir sind zuversichtlich, dass wir unsere positive Dynamik beibehalten können, wenn die Marktbedingungen so bleiben“, sagte er.

Eine Erfolgsprämie für Daimler-Mitarbeiter gibt es für 2020 nicht. Darauf hatten sich Unternehmensleitung und Gesamtbetriebsrat bereits im Juli geeinigt. Allerdings haben alle Beschäftigten zum Jahresende einen Corona-Bonus von bis zu 1.000 Euro erhalten.

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