Kein Freund von Anzug und Krawatte ist Tobias Knecht. Mit seiner Firma Abusix jagt er im Internet die Verbreiter von Spam. | Foto: jodo

Digitale Köpfe: Tobias Knecht

Spam-Jäger auf Umwegen

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Der Gesellschaftliche Wandel kommt Tobias Knecht entgegen. „Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wann ich zuletzt einen Anzug getragen habe“, sagt der Geschäftsführer und Mitbegründer der Karlsruher Abusix GmbH und lacht. Käme es auf das Sakko und den Schlips an, würde der 38-Jährige wohl kaum gute Geschäfte machen. Doch Anzug und Krawatte sind ohnehin eher Auslaufmodelle. Knecht hat sein Unternehmen in der wachsenden Digitalbranche verankert – und sich darin auf ein sogar noch schneller wachsendes Feld spezialisiert: Spam. Abusix beschäftigt sich mit dem vermeintlichen Müll, der schier endlos per Mail oder auf anderen Wegen von Computer zu Computer geschickt wird. Die Karlsruher Firma will vor allem sogenannte Botnetze stoppen, die sich auf zig Rechnern festsetzen und von dort aus Angriffe starten. So wurden beispielsweise Ende 2016 viele Router der Deutschen Telekom attackiert.

Mit Abusix gegen die „bösen Jungs“ im Internet

Knecht arbeitet deshalb mit den Service Providern wie United Internet zusammen. Er soll letztlich dafür sorgen, dass ihre Netze sicher bleiben, die Rechner der Kunden also nicht ungehemmt schädliche Programme quer durch die Welt schicken. „Das ist ein extrem spannendes Feld, weil alles am Internet hängt – Banken, Versicherungen oder auch Stromanbieter“, sagt Knecht und ergänzt: „Man muss den bösen Jungs die Werkzeuge wegnehmen.“ Genau das versucht Abusix mit seinen Lösungen.

Wie man auf eine solche Geschäftsidee kommt? „Das frage ich mich selbst“, sagt Knecht mit einem Augenzwinkern. Angefangen habe alles beim Karlsruher United Internet-Ableger 1&1. Dort kümmerte sich Knecht schon während seiner Studienzeit am Karlsruher Institut für Technologie um Spezialfälle bei der Kundenbetreuung. Weil zu viele Kunden-Rechner Spam verschickten, wurde der Anbieter letztlich von einigen Webseiten blockiert. Um solche „Blacklisting-Probleme“ zu vermeiden, hat Knecht eine ganze Abteilung bei 1&1 aufgebaut. Das war eine Art Vorläufer für Abusix. Im Oktober 2009 wurde die Firma dann offiziell gegründet.

Digitalbranche statt Sportstudium

Eine Karriere als Firmenchef hatte sich bei Knecht allerdings nicht abgezeichnet – und das nicht nur wegen seiner Abneigung für Anzüge und Krawatten. „Ich wollte eigentlich Sport studieren“, erzählt der Geschäftsführer. Zwei Kreuzbandrisse haben ihm jedoch einen Strich durch die Rechnung gemacht. „Ich war ein begeisterter Basketballer. Computer waren für mich eher ein Hobby und eine Spielerei.“ Die Verletzung führte dann doch zum Informatik-Studium – ein Schritt, den er nicht bereut.

Ein wenig Geschäftssinn gab es vom Vater, der Freier Architekt war, mit auf den Weg. Knechts Mutter stellte allerdings seinen klaren Menschenverstand in Frage, als sie davon erfuhr, dass ihr Sohn es mit einer eigenen Firma versuchen will. „,Du siehst doch, wie viel dein Vater arbeiten muss’, bekam ich dann zu hören“, sagt Knecht und lacht. Heute weiß er: „Gründer sein ist ein Fulltime-Job..“ Auf 55 bis 65 Arbeitsstunden bringe er es meist mindestens pro Woche. „Und abschalten tust du eigentlich nie – nicht ’mal im Urlaub.“

„Als Gründer hast du viele Hüte auf“

Hinter dieser Tatsache muss auch der einst innig betriebene Sport anstehen. „Ich mache momentan viel zu wenig“, gesteht Knecht. Basketballspiele seines Lieblingsteams Houston Rockets in der nordamerikanischen Profiliga NBA verfolgt er auch nur noch in Ausnahmefällen bis mitten in die Nacht. „Als Gründer hast du eben viele Hüte auf“, sagt Knecht. Er sei nun für zwölf Mitarbeiter und den Erfolg der Firma verantwortlich. Und am Ende auch dafür, dass von den Computern der Service Provider immer weniger Spam verschickt wird.