Yuan und Dollar
Yuan und Dollar in einer Bankfiliale: Amerikas Tech-Unternehmen raten im Handelsstreit mit China dringend von Strafzöllen ab. | Foto: Mark/EPA

Zunehmende Unsicherheit

Japan stößt US-Anleihen ab – verliert Washington Vertrauen?

Anzeige

Tokio/Peking (dpa) – Im eskalierenden Handelsstreit bekommen die USA mehr Gegenwind von den Wirtschaftsriesen Japan und China. Japanische Investoren werfen in großem Umfang amerikanische Anleihen auf die Finanzmärkte.

Gleichzeitig soll es in Peking Pläne geben, die angekündigten Strafzölle von US-Präsident Donald Trump durch eine Abwertung der Währung Yuan zu kontern. Über einen niedrig gehaltenen Yuan könnte China seine eigenen Exporte ankurbeln.

Wie aus am Montag veröffentlichten Zahlen des Finanzministeriums in Tokio hervorgeht, haben Gläubiger aus Japan allein im Februar US-Staatspapiere im Wert von 3,6 Billionen Yen (33,7 Mrd US-Dollar) verkauft. Die USA trifft dies an einem wunden Punkt. Denn erst vor wenigen Wochen hatten bloße Gerüchte über einen Rückzug des Rivalen China als Gläubiger die Zinsen auf US-Anleihen steigen lassen – und dadurch die Finanzierung von Washingtons Schuldenberg verteuert.

Zwar wurde im Februar der bisherige Rekord-Abverkauf der Japaner vom April 2017 nicht ganz erreicht. Damals waren kurz nach dem Amtsantritt Trumps Papiere im Wert von 3,7 Billionen Yen abgestoßen worden. Nun handelt es sich aber um den fünften Abverkauf in Folge, die längste Verkaufsserie seit Jahren.

Mit einem Bestand von US-Staatspapieren von rund 1,1 Billionen US-Dollar sind die Japaner die zweitgrößten ausländischen Gläubiger Washingtons. Dicht davor liegen die Chinesen, die Anleihen im Wert von 1,2 Billionen Dollar besitzen. Die USA sind international hoch verschuldet und haben seit langem ein großes Handelsdefizit. Der Überschuss der Importe gegenüber den Exporten ist der Hauptgrund für die Verschuldung, die vor allem über Staatsanleihen abgedeckt wird.

Zunehmende Unsicherheit treibe die Anleger aus US-Papieren, sagte Masayuki Kichikawa vom Vermögensverwalter Sumitomo Mitsui. Als Alternative wählten die Japaner zuletzt verstärkt deutsche und französische Papiere. Unterm Strich wurden im Februar rund 300 Milliarden Yen zusätzlich in deutsche Anleihen gesteckt, der doppelte Betrag in französische.

Der zugespitzte Handelsstreit zwischen den USA und China setzt den Dollar momentan zusätzlich unter Druck. Für japanische Besitzer von US-Staatsanleihen ist das ein besonders großes Problem, weil der Yen an den internationalen Finanzmärkten als sicherer Hafen gilt und sein Wert in unsicheren Zeiten meist kräftig zulegt. In Yen gemessen ist ein Wertverfall der US-Papiere aufgrund von Unsicherheit damit tendenziell besonders hoch.

Zwar beäugt Peking neben dem handelspolitischen Konfrontationskurs Trumps auch dessen Steuerreform und Haushaltspolitik mit Argwohn, weil der US-Schuldenberg immer weiter steigt. Für Peking ist die Lage aber vertrackt, denn ein Kursverfall bei US-Papieren infolge von Verkäufen würde den Wert des verbleibenden Bestands stark reduzieren.

Daher könnten andere Wege gesucht werden, um den USA zu schaden. Am Montag berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg mit Bezug auf mit der Sache vertraute Personen, China prüfe eine Abwertung seiner Währung Yuan als mögliches Druckmittel. Dies würde die Produkte der Volksrepublik auf dem Weltmarkt billiger machen und dadurch der heimischen Exportindustrie helfen. Es sei aber noch vollkommen unklar, ob zu diesem Mittel gegriffen werde, hieß es.

Viele Beobachter befürchten, dass sich zwischen Washington und Peking nach der Ankündigung wechselseitiger «Strafzölle» eine Spirale mit immer neuen Vergeltungsschritten ergeben könnte. Ähnliche Wettläufe sind mit der Abwertung von Währungen möglich. Im schlimmsten Fall kann das neben einem Handels- auch zu einem Währungskrieg führen.

Amerikas Tech-Unternehmen raten der US-Regierung dringend von Strafzöllen ab. Stattdessen ermutige man die Administration, internationale Koalitionen aufzubauen, um gegen Chinas unfaire Handelspraktiken vorzugehen, hieß es am Montag in einem offenen Brief des Lobby-Verbands ITI (Information Technology Industry Council) an Finanzminister Steven Mnuchin. «Zölle funktionieren nicht», schrieb ITI-Präsident Dean Garfield. Seine Organisation vertritt die Interessen der amerikanischen Technologie-Firmen. Zu den Mitgliedern zählen Branchengrößen wie Apple, Amazon oder Facebook. Zuvor hatten sich schon andere US-Unternehmen wie die größten Autobauer General Motors und Ford oder der Flugzeughersteller Boeing ähnlich geäußert.