Vincent Kobesen hat das Ankommen und die Zukunft im Blick.
Vincent Kobesen hat das Ankommen und die Zukunft im Blick. | Foto: PR

PTV-Group-Chef Vincent Kobesen

„Städte für die Zukunft aufstellen“

Der Weg ist das Ziel, heißt es. Doch ist das wirklich so? Vincent Kobesen glaubt das nicht: „Man will nicht unterwegs sein, man will ankommen.“ Deshalb hat er, wenn er von Bewegung und Transport spricht, immer das Ziel im Blick.

In der Firmenphilosophie der PTV Group, die er als CEO mitgeprägt hat, klingt das so: „PTV Group – ,Mind of Movement’, der schlaue Kopf hinter allem was unterwegs ist. Wir planen und optimieren die Bewegung von Menschen und Gütern.“ Die Softwarelösungen sollen Endverbrauchern, Logistikern, aber auch Nahverkehrsunternehmen sowie Städten und Ländern helfen, Verkehr sowie Transportlogistik intelligent zu steuern. Über einige Jahrzehnte sind diese Produkte für Kobesen wichtiger Bestandteil verschiedener Stationen seines Lebens, ohne, dass er dabei seine Heimat, die Niederlande, verlassen muss.

„2008 wurde ich gefragt, ob ich mir für drei Jahre vorstellen kann, PTV von Karlsruhe aus zu unterstützen“, erinnert sich Kobesen. Seine Frau stimmt zu und der 56-Jährige fängt in der Fächerstadt an, unter dem Gründer Hans Hubschneider zu arbeiten. 2011 wird er zum CEO ernannt.

Mitarbeiter sind glücklich

Sieben Jahre später könnte er sich stolz zurücklehnen – zumindest, wenn es nach der Statistik geht: „Die internen Befragungen der letzten Jahre zeigen, dass die Mitarbeiter hier immer glücklicher werden.“ Doch darauf ausruhen möchte er sich nicht. „Die Stimmung ist sehr gut, aber man kann immer Sachen besser machen“, sagt Kobesen überzeugt. Bei aller Zufriedenheit der Angestellten wird er einen Wunsch nicht erfüllen können. Die Mitarbeiter wollen seit der Übernahme durch die Porsche SE im vergangenen Jahr selbst so ein Auto fahren. Fragen sie „Vincent“ in der typischen Firmen-Duz-Mentalität danach, antwortet er stets mit „Nein“.


„Kein Arbeitsweg, keine Freizeit“

Der Arbeitstag von Vincent Kobesen ist dicht getaktet und die Freizeit unter der Woche rar. Montags bis donnerstags lebt der CEO in Karlsruhe, um zu arbeiten. Am Wochenende ist er in Amsterdam, um mit Frau und Sohn, die weiter in der Heimat wohnen, Familienzeit zu haben. In der Fächerstadt ist sein Dach über dem Kopf dasselbe wie das der Firma: Er wohnt im siebten Geschoss, sein Büro ist im sechsten Stock zu finden. Näher am Schreibtisch geht kaum. Ist das gut? „Kein Arbeitsweg, keine Freizeit“, bestätigt er, die Vermutung in Bezug auf seine Wohnlage. Zu nah sei es dennoch nicht, schließlich mache ihm die Arbeit Spaß.

Mit Sport in den Tag starten

Seine Nachtruhe ist unter der Woche meist schon um kurz vor sieben Uhr vorbei. Der erste Weg des Tages führt Kobesen in das Erdgeschoss, wo er regelmäßig im hauseigenen Fitnessstudio für Mitarbeiter Sport treibt. Noch im Trainingsanzug geht es weiter durch die Flure. Dann ist Frühstückszeit, und die Kantine ruft: „Ich nenne das den ,Breakfast Club’, da kommen viele Leute, die mich da sitzen sehen und die Chancen nutzen, mit mir zu reden.“ Vincent Kobesen betont, wie wichtig es ihm sei, immer ein offenes Ohr für seine Mitarbeiter zu haben.

Die Gestaltung der PTV-Räumlichkeiten ist lichtdurchflutet und mit viel Glas, sodass kein Büro verschlossen wirkt.
Die Gestaltung der PTV-Räumlichkeiten ist lichtdurchflutet und mit viel Glas, sodass kein Büro verschlossen wirkt. | Foto: PR

Obwohl viele Angestellte langjährige Erfahrung haben, sieht Kobesen die PTV als Firma mit Start-up-Mentalität: „Wir fühlen uns noch jung, auch wegen der vielen jungen Leute, die immer zu uns stoßen.“ Grinsend fügt er hinzu: „Wir sagen, wir sind ein 39 Jahre altes Start-up.“

Echtzeitinformationen im Fokus

Die PTV Group müsse flexibel bleiben, da sich der Verkehr mit der Zukunft des autonomen Fahrens und dem Trend zu immer mehr Fahrrädern auf den Straßen weiter ändern wird. Vincent Kobesen weiß: „Alles, was sich bewegt, Menschen und Güter, das ist gigantisch in Bewegung.“ Die nächste große Veränderung? „In den vergangenen Jahren sehen wir eine Verschiebung von der Offline-Anwendung zur Planung mit Echtzeitinformationen. Als nächstes geht es darum: Können wir vorhersagen, wie sich der Verkehr auf der genutzten Strecke entwickeln wird?“

Braucht jeder Mensch ein eigenes Fahrzeug?

Auch hier geht es wieder ums Ankommen, denn die Kunden möchten eine zuverlässige Prognose haben, wann sie ihr Ziel erreichen. Die Simulationen bei PTV gehen allerdings über aktuelle Verkehrsinformationen weit hinaus. Denn zu den Kunden gehören auch Länder und Kommunen. Vincent Kobesen glaubt, dass sich Städte komplett ändern werden, andere Straßenführungen, weniger Parkplätze. Warum? Weil es für ihn fraglich ist, ob jeder Einzelne in zehn oder 20 Jahren überhaupt noch ein eigenes Fahrzeug besitzen wird. Hinzu komme, dass immer mehr Menschen in urbanen Zentren leben wollen, was den Druck auf die Gemeinden vergrößere. Modelle sollen die Veränderungen einer Stadt simulieren und sie so für die Zukunft aufstellen.

Mehr Effizienz für den Verkehr

Das habe noch einen weiteren positiven Effekt. Bisher seien die Verkehrskapazitäten nämlich wenig effektiv. „Wir nutzen nur vier Prozent. Das ist nichts. Wir als PTV sagen, dass es nicht nur ums Bauen von neuen Verkehrswegen, sondern ums Nutzen der Infrastruktur geht. Wir wollen Verbesserung durch Planungen, Simulationen und Vorhersagen erzielen“, reißt Kobesen an, was ihn in nächster Zeit noch sehr beschäftigen wird. Immerhin sei das Karlsruher Verkehrsmodell vorbildlich und zeige, wie effizient öffentlicher Nahverkehr sein könne.