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Corona-Pandemie erschwert Ernte

Weniger Obst und Gemüse aus Baden-Württemberg – aber dafür teurer

Die Menschen wollen in Corona-Zeiten viel frisches Obst- und Gemüse - es ist aber weniger auf dem Markt. Die Folge: höhere Preise. Bei den Äpfeln gab es eine Aufholjagd, zu den Verlierern zählt die Zwetschge.

Gesundes vom Feld: Die Obst- und Gemüsebauern haben im vergangenen Jahr im Südwesten weniger geernet - aber mehr umgesetzt. Vor allem bei den Äpfeln mit einem Umsatzplus von 23 Prozent fällt dies auf. Foto: Hendrik Schmidt / dpa

Viele Verbraucher haben es bemerkt: Regionales Obst und Gemüse ist im vergangenen Jahr teurer geworden. Das belegen auch Zahlen, die die baden-württembergischen Obst-, Gemüse- und Gartenbaugenossenschaften jetzt in Karlsruhe vorgelegt haben: Insgesamt vermarkteten sie 211.000 Tonnen Obst – 13 Prozent weniger als im Vorjahr. An Gemüse brachten sie 83.000 Tonnen an Mann und Frau – 12 Prozent weniger.

Mit Obst und Gemüse setzten die Genossenschaften 511 Millionen Euro um. Das sind vier Prozent mehr als im Jahr zuvor. Nun bedeutet aber ein Mehr an Umsatz nicht ein Mehr an Gewinn, womit der baden-württembergische Genossenschaftspräsident Roman Glaser beim Thema Corona wäre: Erntehelfer waren rar, mussten eingeflogen und aufwendig untergebracht werden. Teilweise – Stichwort Spargel – konnte mangels Personal gar nicht alles geerntet werden.

Mit dem erzielten höheren Umsatz habe man allenfalls die Corona-Mehrkosten ausgleichen können, beteuert Hans Lehar, Chef der Obst- und Gemüse-Absatzgenossenschaft Nordbaden (OGA). Die Absatzmenge lag beim Spargel übrigens auf einem historisch niedrigen Niveau. Laut Genossenschaftsverband wurden damit durchschnittlich pro Kilo 5,33 (Vorjahr: 4,62) Euro erlöst. 3,06 (zuvor: 2,78) Euro waren es bei den Erdbeeren, die in der Region ebenfalls reichlich angebaut werden.

Einen enormen Absatz-Einbruch gab es bei den Äpfeln – rund 30.000 Tonnen wurden weniger verkauft. Das ist ein Minus von 14 Prozent. Immerhin stiegen die Umsatzerlöse um 23 Prozent auf 107 Millionen Euro. Egon Treyer, Chef der Marktgemeinschaft Bodenseeobst eG, relativiert aber auch diesen Wert. Das Apfeljahr zuvor sei „preislich die Hölle für die Erzeuger“ gewesen.

Ein Viertel weniger Zwetschgen

Wichtig in Nord- und Mittelbaden ist zudem die Zwetschge, Stichwort Zwetschgenstadt Bühl. Im Südwesten wurden nur noch 8.774 Tonnen Zwetschgen (minus 26 Prozent) abgesetzt. Das lag nach Glasers Worten an den Spätfrösten Mitte Mai. Außerdem würden seit Jahren weniger Zwetschgen angebaut.

Glaser kann dem Corona-Jahr zumindest eines positiv abgewinnen: „Die Menschen haben verstärkt auf gesunde und regionale Lebensmittel gesetzt und mehr zuhause gekocht.“ Täglich sei sein Team nun mit der Politik im Gespräch, damit es nicht erneut zu Engpässen mit ausländischen Erntehelfern kommt. Glaser setzt sich dafür ein, dass diese für eine längere Zeit in Baden-Württemberg arbeiten können.

Die Menschen haben verstärkt auf gesunde und regionale Lebensmittel gesetzt.
Roman Glaser, Genossenschaftspräsident

Werner Räpple, Präsident des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes, lobt einen Test im Südwesten: 500 Georgier dürften dort arbeiten. Ziel müsse es sein, weitere Herkunftsländer für Saisonarbeit zuzulassen.

Kaum Freiland-Spargel zu Ostern

Eine Frage, die die Gourmets in der Region interessiert, ist, wann es Spargel satt gibt. Glaser rechnet nicht mit großen Mengen an Freiland-Spargel zu Ostern. Im Allgemeinen sei der bisherige Vegetationsverlauf „etwas in Verzug“. Die tiefen Temperaturen im Winter mit durchgängigen Frostperioden hätten den Böden aber gutgetan.

Ein Appell Glasers an die Menschen: fleißig Blumen verschenken. Die Südwest-Gartenbaugenossenschaften hätten es nötig. Sie setzten im vergangenen Jahr nur 30,8 Millionen Euro um – 4,7 Prozent weniger als zuvor.

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