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Erneut stehen einige Fusionen an

Weniger Volksbanken fürs Volk: Warum die Zahl der Mitglieder sinkt

Ein sattes Plus von 6,2 Prozent im Kreditgeschäft – die Volks- und Raiffeisenbanken im Südwesten unterstützen in Corona-Zeiten Unternehmen und Menschen mit Krediten. Und dennoch gehen die Mitgliederzahlen zurück.

Im Südwesten gibt es noch 159 eigenständige Volks- und Raiffeisenbanken – vor zehn Jahren waren es noch 242. Foto: Marijan Murat/dpa

206, 193, 180, 171, 167 und zuletzt 159 – die Zahl der Volks- und Raiffeisenbanken in Baden-Württemberg ist allein seit 2015 jährlich mit diesen Zwischenschritten gesunken.

Zuletzt gab es in der Region die Fusionen der Volksbank Bruchsal-Bretten (mit Stutensee-Weingarten) und Volksbank in der Ortenau (mit der Voba Schwarzwald Baar Hegau).

Der Trend geht weiter, ist Roman Glaser überzeugt. Der Präsident des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbandes (BWGV) weiß für dieses Jahr von sieben Fusionsvorhaben – darunter jene der Volksbank Karlsruhe mit der Voba Baden-Baden/Rastatt.

Kritik an der Bankenaufsicht im Corona-Jahr

Parallel sind die Zeiten des kräftigen Mitgliederzuwachses bei den Genossenschaftsbanken vorbei. Zuletzt hatten sie 3,74 (2019: 3.77) Millionen Mitglieder in ihren Reihen. Glaser schließt auf Nachfrage beim Jahrespressegespräch in Stuttgart nicht aus, dass das auch an der Gebührenpolitik der Banken liegen könne.

Vor allem aber schiebt er der Bankenaufsicht Bafin den Schwarzen Peter zu: Diese hatte im Corona-Jahr 2020 gegenüber allen Kreditinstituten Druck gemacht, keine Dividende an Mitglieder auszuschütten. Glaser hatte das seinerzeit heftig kritisiert.

Auch die Genossenschaftsbanken selbst litten: Ihr Spitzeninstitut, die DZ Bank, hatte auf Geheiß der Bankenaufsicht der EZB ihre Ausschüttungen auf Eis gelegt. Der Gewinn der zweitgrößten Geschäftsbank Deutschlands brach um nahezu die Hälfte ein. Laut Glaser gibt es nun einen Fahrplan mit der EZB, der der DZ Bank eine Dividendenzahlung für 2019 ermöglicht und eventuell eine Tranche für 2020.

60 Prozent der Kunden nutzen mittlerweile Online-Banking.
Roman Glaser, Präsident des Genossenschaftsverbandes in BW

Die Genossenschaftsbanken im Südwesten müssen aber vor allem wegen der EZB-Nullzinspolitik sparen. Ihr Betriebsergebnis vor Risikovorsorge ging um 4,6 Prozent auf 1,17 Milliarden Euro zurück. Unter dem Strich haben sie laut Glaser wie im Vorjahr rund 325 Millionen Euro verdient. Mittlerweile gibt es noch 2.374 Filialen – 133 weniger als im Vorjahr – nicht nur aus Kostengründen, wie Glaser betont. „60 Prozent der Kunden nutzen mittlerweile Online-Banking.“

Insgesamt spricht der Geno-Präsident, der früher Chef der Volksbank Baden-Baden/Rastatt war, von einem „soliden Jahr 2020“. Das Kreditgeschäft stieg um 6,2 Prozent auf einen Bestand von 115 Milliarden Euro. Damit haben sich die Genossenschafts-Banker einmal mehr besser geschlagen als die Sparkassen mit deren Plus von 5,0 Prozent.

Menschen horten ihr Geld in Corona-Zeiten

In Corona-Zeiten sind die Menschen vorsichtig geworden – und konnten auch weniger verreisen, in Handel sowie Gastronomie Geld ausgeben. Auch darauf führt der BWGV zurück, dass die Menschen den Volks- und Raiffeisenbanken erneut mehr Geld anvertraut haben. Der Bestand an Kundeneinlagen stieg um 6,9 Prozent auf 141,6 Milliarden Euro. Vor allem beim Tagesgeld gab es ein sattes Plus.

Ein solch rasantes Wachstum ist zwar ein Vertrauensbeweis; die Banken können es in Nullzinszeiten aber eigentlich in diesen Dimensionen gar nicht brauchen. Bei den Südwest-Sparkassen stiegen die gesamten Kundeneinlagen sogar um 7,9 Prozent. Zinsen werfen die faktisch kaum noch ab. Glaser spricht von einer „fatalen Zinspolitik“ der EZB. „Ein ausreichendes Sparen fürs Alter wird vor diesem Hintergrund massiv erschwert.“

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