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Dieselkraftstoff ist relativ günstig

Wie sich Corona auf die Spritpreise auswirkt

Die Corona-Pandemie führt dazu, dass weniger Waren auf den Straßen transportiert werden und weniger Berufspendler sowie Geschäftsleute unterwegs sind. Das ist ein Grund für die günstigen die Spritpreise. Doch 2021 dürfte es schlagartig nach oben gehen.

Sprit für Sparfüchse: Der Liter Diesel ist in diesen Wochen an Tankstellen der Region immer wieder mal für unter einen Euro zu haben. Ein Grund dafür ist die Corona-Krise. Foto: Roland Weihrauch / dpa

Da bilden sich rasch Autoschlangen an Tankstellen: Immer wieder in diesen Wochen gibt es dort den Liter Diesel für weniger als einen Euro. Das bestätigt auch der ADAC Nordbaden mit Sitz in Karlsruhe. Für Benzin E10 registrierte der Autofahrerclub in diesem Jahr in Karlsruhe einen Tiefstpreis von 1,119 Euro. Doch warum ist Sprit derzeit außergewöhnlich günstig? Und bleibt das auch so? BNN-Redakteur Dirk Neubauer hat dazu Fragen und Antworten zusammengestellt.

Warum ist der Sprit relativ günstig?

Die Nachfrage nach Rohöl ist weltweit gesunken. Wegen der Corona-Pandemie produziert die Industrie weniger. Das Arbeiten im Home-Office führt dazu, dass der Berufsverkehr geringer geworden ist. Zudem ist die Zahl der Warentransporte deutlich reduziert. Der Mineralölwirtschaftsverband (MWV/Berlin) erinnert auf BNN-Anfrage daran, dass der Ölpreis der Nordsee-Sorte Brent schon seit Juni um 40 US-Dollar ja Barrel pendelt im Jahresdurchschnitt 2019 waren es 64 Dollar. Auch Alexa Sinz, Pressesprecherin des ADAC Nordbaden, beruft sich auf MWV-Zahlen: Diesen zufolge lag der Absatz von Benzin beispielsweise im April um 34,5 Prozent unter dem des Vorjahres. Beim Diesel waren es 21,6 Prozent weniger.

Wann war Benzin beziehungsweise Diesel zuletzt so günstig in der Region?

Die regionale Kraftstoffpreisumfrage des ADAC reicht bis in die 80er-Jahre zurück und erfolgt immer freitags. Sinz hat ganz tief in die Archive geschaut. Das Ergebnis: Dieselfahrer tankten zuletzt so günstig im Jahr 2016 wie aktuell in Karlsruhe. Damals gab es einen Jahrestiefstwert von 0,899 Euro, der Jahresdurchschnittswert lag bei 1,106 Euro. Benzin war zuletzt 2009 so günstig. Damals gab es noch kein E10, sondern klassisches Superbenzin, das heute E5 heißt. 2009 lag hier in Karlsruhe der Jahrestiefstwert bei 1,079 Euro, der Jahresdurchschnittswert bei 1,280 Euro.

Bleibt der Sprit so günstig?

„Das hängt im hohen Maß von der Nachfrage ab“, macht Sinz deutlich. Die Corona-Krise dürfte aber nach ihrer Einschätzung dazu führen, dass die Preise für Benzin und Diesel noch eine Weile auf niedrigem Niveau bleiben. Allerdings können sich durch politische Einflüsse oder Entscheidungen zu Fördermengen kurzfristige Änderungen ergeben.

Eine Entscheidung ist bereits fix, auf die MWV-Hauptgeschäftsführer Christian Küchen hinweist: „Mit dem Jahreswechsel startet in Deutschland der CO 2 -Preis auf Kraftstoffe. Das bedeutet Mehrkosten für Benzin und Diesel um sieben bis acht Cent je Liter auf einen Schlag.“ Und ab kommenden Jahr gelten auch wieder die regulären Mehrwertsteuersätze beim Sprit.

Zu welchen Tageszeiten tankt der Autofahrer eigentlich am günstigsten?

„Etwa in den frühen Abendstunden“, sagt MWV-Chef Küchen. Das deckt sich mit den Erfahrungen des ADAC. Sinz: „Am billigsten ist die Tankfüllung abends zwischen 18 und 22 Uhr, am teuersten wird’s morgens um sieben Uhr.“ Das könne bis zu elf Cent pro Liter ausmachen.

Auch kürzlich flammte wieder die Diskussion darüber auf, Diesel künftig höher – so wie Benzin – zu besteuern. Welche Position haben ADAC und MWV dazu?

Der niedrige Energiesteuersatz für Diesel werde durch den wesentlich höheren Kfz-Steuersatz für Diesel-Pkw ausgeglichen, meint Sinz. „Eine einseitige Anhebung der Energiesteuer für Diesel und damit eine Annäherung an Benzin würde die Dieselfahrer in ungerechter Weise übermäßig stark belasten.“

Auch Küchen weist auf die höhere Kfz-Steuer für Dieselfahrzeuge hin. Dieselkraftstoff werde europaweit niedriger besteuert als Benzin. So sollen Belastungen der gewerblichen Wirtschaft dazu gehören Speditionen, Bauunternehmen, Taxibetriebe - eingegrenzt werden. Der MWV winkt bei der regelmäßigen Diskussion um Steuerangleichung von Benzin- und Dieselkraftstoff ab. Wichtiger wäre es, die Besteuerung auf Basis von CO 2 umzustellen. Küchen: „Damit würden klimafreundliche Bio- und synthetische Kraftstoffe von dieser Besteuerung ausgenommen. Nur wenn wir auch bei den Kraftstoffen etwas tun, können wir die Klimaschutzziele erreichen.“

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