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Hinter den Kulissen geht es rund

Wischen, planen, verlegen – Vorbereitungen für die Verbraucherausstellung offerta laufen auf hohen Touren

Für die Verbraucherausstellung offerta müssen nicht nur Stände aufgebaut werden. Es sind auch zig Kilometer Kabel zu verlegen, die in die „Katakomben“ unter der Messe Karlsruhe führen.

IM UNTERGRUND: 200 Meter lang sind die Gänge unter der Messe Karlsruhe, in denen die Versorgungsleitungen verlegt sind. Über Abzweige geht es in die Versorgungskanäle in den Hallen. Dort bekommen die offerta-Aussteller auf diese Art und Weise Strom-, Wasser- und Abwasseranschluss sowie vieles mehr. Foto: Rake Hora

Die Messe-Macher drehen dieses Jahr bei ihrer offerta (24. Oktober bis 1. November) ein ganz großes Rad. Das darf jeder ruhig wörtlich nehmen: Erstmals wird sich auf dem Freigelände der Verbraucherausstellung in Karlsruhe ein Riesenrad drehen. Dessen Höhe hält offerta-Projektleiterin Melanie Seger noch geheim. Und da es bis zum Messestart noch eine Weile hin ist, ist bislang von dem Kirmeszauber nichts zu sehen.

Was nicht heißt, dass es in Sachen offerta nicht schon rund ginge. Jetzt, in der Haupt-Vorbereitungsphase, sind laut Seger allein 25 Mitarbeiter der Messe Karlsruhe mit der offerta beschäftigt. Teams der externen Dienstleister kommen noch dazu.

Aussteller haben in diesem Jahr viele Fragen

Da läuten in den Büros die Telefone, weil Aussteller Fragen haben („Findet die offerta dieses Jahr tatsächlich statt?“) oder für ihre Messestände Produkte und Dienstleistungen bestellen: mobile Wände, Teppiche, Blumen, Sicherheitspersonal, Anschlüsse und vieles mehr. Weit über 1.000 Angebote seien das. „Unser Online-Service-Center ist das Amazon für Aussteller“, sagt offerta-Servicereferentin Melanie Metz.

Die Messehallen selbst sehen momentan so aus, wie sie sonst kein Besucher kennt: leer und grau. Vier mal 12.500 Quadratmeter schmuckloser Boden. Ein Mitarbeiter eines Messe-Dienstleisters – seinen Namen will er nicht verraten – läuft gerade in der dm-Arena Quadratmeter für Quadratmeter ab, die Augen streng auf den Boden gerichtet.

Plötzlich zückt er seinen Schaber. Der Aufkleber zu seinen Füßen muss weg. Er hat bei einer früheren Messe als Standmarkierung gedient. In eineinhalb Wochen kommen neue, aktuelle Markierungen auf den Boden.

Rein damit: Rasterförmig verlaufen die 4.800 Meter langen Versorgungskanäle in den vier Messehallen. Hier werden derzeit die Leitungen für die offerta-Aussteller verlegt. Dann kommen die Bodenplatten wieder drauf. Foto: Rake Hora

Nach dem Schaben heißt es wischen, wischen, wischen. Mit dem Mop bildet der Mann vom Reinigungsteam kleine Abfallhäufchen. Später wird sein Kollege mit der Kehrmaschine vorbeikommen. Hinten surrt schon eine mit ihrem Elektromotor.

Die „Katakomben“ sind jeweils 200 Meter lang

Der Leiter der Abteilung Veranstaltungstechnik der Messe Karlsruhe, Andreas Hoffmann, schlendert gerade rüber in Halle drei. Die sieht aus, als hätte ein Künstler eine Installation geschaffen. 2.800 Platten stehen dort in Reih und Glied – und öffnen den Blick in die Versorgungsschächte, die alle Hallen durchziehen. 4.800 Meter kommen da insgesamt zusammen.

Für jede Messe werden hier Wasser- Abwasser-, Strom-, Druckluft- und andere Leitungen verlegt. Die Aussteller können diese über eine Öffnung in ihrer Bodenplatte anzapfen. Ganz hinten liegt gerade ein Elektriker am Boden, neben ihm eine volle Kabeltrommel. Er packt es an. Es ist noch viel zu tun.

Die aktuelle offerta wird in diesen Corona-Zeiten anders aussehen als gewohnt: limitierter Ticketverkauf nur online, Maskenpflicht beim Durchschlendern in den Hallen, ein viel größeres Freigelände, weniger Aussteller (450 statt 850 wie zuletzt) und wesentlich breitere Gänge.

Bereits im Juli vergangenen Jahres hat Seger mit einem kleinen Team an der aktuellen offerta geplant; vor allem ums Budget ging es damals. Aus Schubladen hat sie Pläne vom Januar dieses Jahres hervorgekramt – dort waren die Gänge noch klassisch drei Meter breit eingezeichnet. Wegen Corona wurden sie zu fünf Meter breiten Einbahnstraßen vergrößert.

Seger hat das vor sich, was die Architekten als Eingabepläne bezeichnen würden. Technik-Chef Hoffmann arbeitet mit Werkplänen mit allen Details, wie eben den Anschlüssen. Hoffmann ist ein Urgestein der Messegesellschaft, er kennt so gut wie jede Ecke. Er hat auch die Schlüssel, die in den Untergrund der Messe führen.

Hat den Plan: offerta-Projektleiterin Melanie Seger. Foto: Rake Hora

Sein Schlüsselbund klirrt ein paar Mal, dann steht er drin in einem der beiden großen Gänge. Jeweils 200 Meter lang, unzählige Rohre, Leitungen, Kabel. Mutterseelenallein möchte hier keiner eingeschlossen sein.

Hoffmann öffnet eine weitere Stahltür, die zu einem Verbindungsgang führt. Dort scheint Licht von oben herein – es ist der Übergang zu den rasterartig angelegten Versorgungskanälen.

Jeder größere Stand muss von den Behörden genehmigt werden

Der Herr der Technik geht strammen Schrittes den Weg zurück, raus aus der Halle, in ein Nachbargebäude. Dort sitzt ein Teil seines elfköpfigen Teams an Computern, dort schnurren die Plotter und drucken technische Pläne im XL-Format aus. Hoffmanns Mannschaft ist auch für die Sicherheit verantwortlich, holt die Genehmigungen bei den Behörden ein.

Jeder (!) Messestand ab 2,50 Meter Bauhöhe und jeder mit heikler Ausstattung – wie einem Grill oder Motoren – muss genehmigt werden. Zusätzlich nehmen einen Tag vor der offerta mehrere Behörden bei einer Begehung alles ab. Es ist eine Art offerta-TÜV, nicht nur in Corona-Zeiten.

Wegen Corona wird es dieses Jahr übrigens kein Live-Showcooking auf der „offerta-Kochbühne“ geben. Die BNN präsentieren es dennoch in der dm-Arena: als Aufzeichnung auf einer Großleinwand. Aktuell wird in einem Karlsruher Studio, 13 Kilometer von der Messe entfernt, eifrig gekocht und alles von TV-Profis aufgezeichnet.

Es ist also auch im übertragenen Sinne ein großes Rad, das die offerta-Macher drehen. Segers Mannschaft verspricht: In drei Wochen sind die Hallen auch nicht mehr mausgrau, sondern so bunt, wie die Vielfalt der Aussteller.

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