Der in Deutschland gebaute Bohrturm HP3, auch „Maulwurf“ genannt (auf der Grafik rechts unten), soll das Geheimnis der Mars-Herkunft lüften. Foto: DLR

DLR-Projekt am Start

Der Maulwurf auf dem Mars

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Der Maulwurf ist bereit. Kurz nach Mitternacht am Mittwoch erreichte den Berliner Seismologen Martin Knapmeyer eine E-Mail, dass in 244 Millionen Kilometer Entfernung zur Erde ein Roboterarm behutsam eine Art Mini-Bohrturm auf den Marsboden abgesetzt hat. Endlich war es soweit.

Seit der erfolgreichen Landung der Nasa-Sonde InSight am 26. November 2018 in der Marsebene Elysium Planitia haben die Wissenschaftler vom Institut für Planetenforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) darauf gewartet, ihr einzigartiges Experiment mit dem Namen HP3 (auch liebevoll „Maulwurf“ genannt) starten zu können. Noch nie haben Menschen außerhalb der Erde ein fünf Meter tiefes Loch in einem Himmelskörper gegraben, um die Temperaturverteilung in seinem Inneren exakt zu messen.

„Wenn alles klappt, werden wir bald mehr über den Wärmehaushalt des Mars erfahren“, freut sich Knapmeyer. Die Wärme des Planetenkerns treibe seine geologischen Prozesse an, das bedeutet: Die Wissenschaftler erwarten womöglich bahnbrechende neue Erkenntnisse über die Entstehung des Roten Planeten, aus denen sie wichtige Schlüsse über seine Lebensfreundlichkeit für die zukünftige Erschließung durch die Menschen ziehen könnten.

Der Maulwurf soll hämmern, nicht graben. Ganz langsam und immer nur 50 Zentimeter tief auf einmal im sandartigen Mars-Boden. Die kleine Rammsonde soll dann jeweils zwei Tage pausieren, abkühlen und von einer Heizung im Inneren wieder erwärmt werden, ehe es weitergeht. Die Forscher wollen ermitteln, wie schnell die Wärme vom Metall des Maulwurfs in die Bohrumgebung abgegeben wird, der ein langes Messkabel mit Temperatursensoren in das Loch hinter sich ziehen wird. Das lasse Rückschlüsse auf die Wärmeleitfähigkeit des Marsbodens ziehen, erklärt Knapmeyer im BNN-Gespräch. Klingt recht einfach? „Nein, man kann sich sehr viele Horrorszenarien ausmalen“, widerspricht der Geologe.

Der Maulwurf ist schlau. Stößt er auf seinen natürlichen Feind, einen großen Stein, hat er gute Chancen, den Brocken zu überlisten. Die Sonde weicht dann automatisch aus, gräbt seitwärts, richtet sich wieder auf und setzt ihren Weg in den Untergrund fort. Die DLR-Forscher hätten dies auf der Erde in einem mit Sand gefüllten, fünf Meter hohen Silo erfolgreich simuliert, berichtet Martin Knapmeyer. Der Landeplatz sei zudem so ausgewählt worden, dass dort keine Hindernisse erwartet würden.

Trotzdem werden die Wissenschaftler nervös sein, wenn voraussichtlich Ende der kommenden Woche die ersten winzigen Schläge auf dem Mars rötliche Staubwölkchen hochschleudern werden. Hält der Motor durch, wird die robuste Feder den Fall des kleinen Ramm-Gewichts stets zuverlässig abbremsen? Bis Anfang April muss der in Bremen gebaute Apparat wohl einige Tausend Mal hämmern, um sich mindestens drei Meter tief eingraben zu können. „Das würde uns erlauben, mögliche Störfaktoren etwa durch Temperaturschwankungen an der Marsoberfläche auszuschließen“, erklärt Knapmeyer.

Der Mars-Maulwurf ist sensibel. Laut dem Berliner Geologen sollen seine feinen Platin-Sensoren den Wärmestrom im Planeteninneren bis auf ein hundertstel Grad genau bestimmen können. Knapmeyer erwartet ein Ergebnis von etwa 30 Milliwatt pro Quadratmeter, was etwas weniger als der Hälfte der Energie entsprechen würde, die die Wärmekraftmaschine Erde erzeugt. Neben dem HP3-Experiment hoffen die Forscher darauf, auf dem InSight-Landeplatz nördlich des Marsäquators seismische Messungen vorzunehmen.