Die Rückkehr des Wolfs in den Nordschwarzwald schmeckt nicht allen. Schäfer fürchten um ihre Tiere. Nun wurde ein Exemplar in Forbach gesichtet. | Foto: dpa

Sichtung in Forbach

Wolf ist vermutlich weitergezogen

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Nach der Wolfssichtung in Forbach ist unklar, wo sich das Tier aktuell aufhält. Die Aufzeichnungen der Wildtierkamera seien  erst jetzt ausgewertet worden und da sei der Wolf auf einer Aufnahme drauf gewesen, so Silke John, Pressesprecherin des Umweltministeriums. Näheres über das Tier sei nicht bekannt, man habe in dem Waldbeschnitt kein genetisches Material gefunden. Tiere wurden nicht gerissen. Ob es sich bei dem Wolf um dasselbe Exemplar handelt, das in Bad Wildbad für den Tod von 43 Schafen verantwortlich war, ist folglich ebenso ungewiss wie der aktuelle Aufenthaltsort. Eine Gefahr für den Mensch besteht nach Auskunft des Umweltministeriums vermutlich nicht. Derweil schlägt ein Schäfer Alarm. Seine Meinung: Nur der Abschuss bietet Schutz vor dem Wolf.

Ausdauernder Läufer

„Wahrscheinlich ist der Wolf schon weitergezogen“, vermutet Silke John. Immerhin seien Wölfe in der Lage, nachts eine Strecke von bis zu 60 Kilometern zurückzulegen. Was geschieht und wie soll man sich verhalten, wenn einem bei einem Waldspaziergang ein Isegrim über den Weg läuft? „Wenn man im Wald einem Wolf begegnet, dann wird das Tier dem Menschen im Normalfall den Rücken kehren“, sagt der Wildtierbeauftragte das Landkreises Rastatt Martin Hauser auf BNN-Anfrage.

Keine Gefahr für den Menschen

Bisherige Begegnungen mit dem Menschen seien bislang immer harmlos verlaufen, so Hauser. Grundsätzlich stellten Wölfe keine Gefahr für den Menschen dar, da sie als vorsichtige Tiere eine direkte Begegnung mit dem Menschen meiden. „Da sie Menschen bereits über große Distanzen wahrnehmen, ist eine Begegnung zwischen Mensch und Wolf daher auch in Wolfsgebieten eine Seltenheit“ , informiert Hauser.

Der Wolf gilt als menschenscheu. Allerdings hat er es auf Schafe und Ziegen abgesehen. | Foto: dpa

Falls es dennoch zu einer Begegnung zwischen Mensch und Wolf komme, gelten die Regeln wie bei allen anderen Wildtieren. Dem Wolf mit Respekt begegnen, Abstand halten und nie auf das Tier zugehen oder es bedrängen. In der Regel ziehen sich Wölfe beim Anblick des Menschen zurück. Bei vielen dokumentierten Begegnungen, bei denen der Wolf einen vertrauten Eindruck machte, befanden sich die beobachtenden Menschen innerhalb von Fahrzeugen. Dass Wölfe vor Fahrzeugen oder auch vor Reitern oft wenig Scheu zeigen, haben sie mit vielen anderen Säugetierarten gemeinsam. Dies ist daher keine ungewöhnliche oder besorgniserregende Verhaltensweise. Hinweise wie man sich bei einer möglichen Begegnung verhalten sollte; gibt es auf der Internetseite des Landratsamtes Rastatt.

Abschuss gefordert

Schäfer Jörg Frey sieht hingegen nur einen wirksamen Schutz gegen den Wolf: „Die Knarre“. Frey hält seine 600 Schafe in Schwarzenberg auf Gemarkung Baiersbronn und damit in unmittelbarer Nachbarschaft zur Gemeinde Forbach, wo der Wolf gesichtet wurde. Elektrozäune brächten nur wenig, meint er: „Wenn der Wolf kommt, kriegen die Schafe Panik und rennen den Zaun nieder“, erklärt Frey, „Strom hin oder her“. Einmal frei, stünden die Tiere für den Wolf wie auf dem Präsentierteller. Auch Hütehunde brächten wenig. „Die Hunde bellen bei jeder Gelegenheit, da muss kein Wolf in der Nähe sein“, sagt Frey. Und überhaupt: Dass sie sich im Falle eines Angriffs schützend vor die Schafe stellten, sei nicht belegt.

Schäfer kritisiert Politik scharf

Von der Politik fühlt sich der Schäfer allein gelassen, „von hinten bis vorne verarscht“, wie er sagt. Gerade sie wolle doch den Wolf wieder im Land haben, meint er. Dabei sei er ein „gefährliches Raubtier“ – die „Schönmalerei“ müsse endlich aufhören. „Es gibt nur eine Lösung: Der Wolf muss bejagt werden“, betont Frey, „nicht umsonst haben unsere Vorfahren genau das getan“. Wer wieder einen Urwald mit wilden Tieren haben wolle, der müsse auch die Straßen zurückbauen und auf das Auto verzichten. „Die Zeiten haben sich geändert“, sagt Frey, „unsere Landschaft ist heute viel zu dicht besiedelt, als dass der Wolf neben uns existieren könnte“.

Folgenschwere Wolfsattacke im April

Nachdem Ende April 43 Schafe bei einem Wolfsangriff bei Nonnenmiß (Gemarkung Bad Wildbad) getötet worden waren, hatte das baden-württembergische Umweltministerium einen Teil des Nordschwarzwaldes zum Wolfsgebiet im Land erklärt. Darin liegt unter anderem Forbach, das mit 13 000 Hektar Gemarkungsfläche zu den waldreichsten Gemeinden im Land zählt.

Bei einem Wolfsangriff in Bad Wildbad im April wurden mehr als 40 Schafe getötet. | Foto: dpa

Innerhalb des Wolfsgebiets erstattet das Land Tierhaltern 90 Prozent der Kosten zum Schutz vor Wölfen (die BNN berichteten). Hinzu kommt eine jährliche Pauschale in Höhe von 1 950 Euro für jeden Herdenschutzhund.

Jagdreste in Forbach

Südlich der Gemeinde Forbach, bei Seewald-Besenfeld, hatte ein Wolf im Herbst 2017 erwiesenermaßen Rotwild gerissen und nur wenige Reste übrig gelassen. Schäfer Jörg Frey ist davon überzeugt, „dass im Nordschwarzwald weit mehr Wölfe leben als angenommen“. Für eine Ausrottung ist es seiner Ansicht nach „fast schon zu spät“.