Ministerpräsident Winfried Kretschmann lobt das Engagement von Iris Becker, der Leiterin der Karlsruher Dependance in Pune. Zugleich verkündet er, dass die Indien-Expertin in Zukunft auch das Kontaktbüro in Maharashtra leiten soll. Karlsruhe habe hier sehr gute Pionierarbeit geleistet. | Foto: Voigt

Indien trifft Baden

Workshop, Party und Busfahrt

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Ministerpräsident Winfried Kretschmann und seine Frau Gerlinde befinden sich gemeinsam mit einer baden-württembergischen Delegation auf einer einwöchigen Indienreise. BNN-Landeskorrespondent Wolfgang Voigt begleitet die Gruppe, in der sich auch einige Karlsruher Vertreter befinden.

Vergleich mit London des 19. Jahrhunderts

Beim Workshop über Smart Cities, die die Herausforderungen der Zukunft mit Hilfe von Digitaltechnik und intelligenter Vernetzung lösen, bemühte Ministerpräsident Winfried Kretschmann in seinem Einführungsvortrag ein eingängiges Bild. Er erinnerte an das London des 19. Jahrunderts, dem bereits damals ein Verkehrsinfarkt drohte: Zu viele Pferdefuhrwerke, so gut wie keine Organisation des Verkehrs, Umweltprobleme durch Pferdemist, vor alem aber 100 Verkehrstote jährlich – diese Lage verbesserte sich erst, als man 1868 die weltweit erste Ampel in der britischen Kapitale einführte. „Das war de erste smarte Erfindung“, erklärte der Regierungschef aus Baden-Württemberg seinen staunenden indischen Zuhörern.

Premiere für Gerlinde Kretschmann in Indien

Gerlinde Kretschmann, die Gemahlin des Ministerpräsidenten, ist erstmals in ihrem Leben in Indien, wie sie den BNN beim Empfang der Landesregierung und der Stadt Karlsruhe im Goethe-Institut von Pune verriet. Es sei in etwa so, wie sie sich das Land vorgestellt habe. Während sich ihr Mann um die Autoindustrie und Zulieferer aus Baden-Württemberg kümmerte, besuchte die Oberschwäbin eine typische Durchschnittsfamilie in Pune. Ihr Gastgschenk waren Steiff-Teddies für die Kinder. Beide Kuscheltiere nahm der Größte der zwei Kinder an sich. Sein Bruder sei für so etwas noch zu klein, ließ er wissen. Doch Gerlinde Kretschmann sorgte für Ordnung. Nicht umsonst ist die First Lady aus dem Ländle von Haus aus Lehrerin.

Busfahrt von Pune nach Mumbai mit Polizeieskorte

Der Busfahrer Satish, der heute den Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg chauffiert, hat ein gutes Karma. Davon ist er überzeugt und verweist auf die Figur des Gottes Ganesha, der auf dem Armaturenbrett seines Wagens thront. Ganesha steht für „Erfolg im Leben“; ein Verkehrsunfall sei damit so gut wie ausgeschlossen. Außerdem bringe er die nötige Fahrpraxis mit. Nachdem sich Satish langsam warmgeredet hat, strahlt er plötzlich übers ganze dunkle Gesicht. Eine schöne Tour sei das heute, meint er. Denn dem eskortierten Konvoi mit den europäischen Langnasen an Bord, blicken viele Passanten mit staunenden Gesichtern hinterher. Die Wagenkolonne von Winfried Kretschmann samt Gefolge umfasst zwei kleine und zwei große Busse.

Busfahrt von Pune nach Mumbai mit Polizeieskorte.
Busfahrt von Pune nach Mumbai mit Polizeieskorte. | Foto: Voigt

Geführt wird sie von einem Polizeiwagen mit blinkendem Blau- und Rotlicht. Die Beamten gebieten dem übrigen Verkehr mit feierlichen Armbewegungen durchs offene Fenster, die Fahrbahn zu räumen – doch sie könnten es genauso gut lassen. Denn in Indien fährt man, wie man will. Das hat auch der Regierungschef aus dem Ländle erkannt. „Das mit der Polizei hätte man genauso gut bleiben lassen können, denn es bringt nichts“, sagt er, während er den mitreisenden Presseleute Fragen beantwortet. Die indischen Polizeibeamten wissen auch drei Kollegen aus Baden-Württemberg in ihrer Nähe. Die Personenschützer sind stets überall dort, wo der Grünen-Politiker auftritt.

Kretschmann im Meinungaustausch mit Journalisten.
Kretschmann im Meinungaustausch mit Journalisten. | Foto: Voigt