Peter Weibel bei einem Besuch in der BNN-Redaktionskonferenz | Foto: Fabry

Auszeichnung für Peter Weibel

ZKM-Chef erhält Lovis-Corinth-Preis

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Hohe Ehrung für Peter Weibel: Der Vorstand des Karlsruher Zentrums für Kunst und Medien (ZKM) erhält den Lovis-Corinth-Preis, der zu den renommiertesten deutschen Auszeichnungen für bildende Kunst gehört. Laut Statut würdigt er „Künstlerpersönlichkeiten mit ihrem international bedeutenden Gesamtwerk, das für die Entwicklung zeitgenössischer Ausdrucksformen einen relevanten Beitrag leistet.“

Vergeben wird er seit 2016 vom Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg, das in einem Schreiben erklärt, das Votum sei angesichts der vielfältigen Arbeit Weibels im Bereich der Konzept- und Medienkunst leicht gefallen.

Weibel hat sich, lange bevor er 1999 die Leitung des ZKM übernahm, international einen Namen als Künstler und Theoretiker gemacht. Nach seiner Rückkehr von einem Studienjahr in Paris bewegte er sich eine Zeit lang im Kreis der Wiener Aktionisten, entwickelte aber zunehmend eigene Formen der Auseinandersetzung mit der Welt der Zeichen und Zeichensysteme. Neben sprachanalytischen Kunstwerken entstanden ab den 1960er Jahren vermehrt medienkritische Arbeiten, wobei Weibel zu den ersten gehörte, die das Fernsehen für experimentelle Sendeformen nutzte. Nicht zuletzt in der Zusammenarbeit mit Valie Export hat er wichtige Akzente gesetzt.

Künstler und Theoretiker

Neben seinen künstlerischen Aktivitäten, zu denen auch die Gründung der Gruppe „Hotel Morphila Orchester“ zusammen mit dem Schweizer Loys Egg zählte (1978), hat Weibel eine Vielzahl theoretischer Schiften und Aufsätze verfasst. Einen Schwerpunkt seines wissenschaftlichen Interesses bildet die Beschäftigung mit dem Mathematiker Kurt Gödel (1906 bis 1978), auf dessen Bedeutung er bereits zu Zeiten hinwies, als der einstige Freund Albert Einsteins noch nicht wiederentdeckt war (etwa durch Daniel Kehlmann mit seinem Stück „Geister in Princeton“). So war Weibel denn auch an der Einrichtung der von der Universität Wien erarbeiteten Ausstellung über den „Wiener Kreis“ beteiligt, dem Gödel zugerechnet wird. Auch das gehört zum Betätigungsfeld des ZKM-Vorstands: Weibel hat zahlreiche Ausstellungen initiiert, kuratiert oder mitgestaltet. Ihm selbst widmete das 21er Haus in der österreichischen Hauptstadt 2014 eine große Werkschau mit dem Titel „Peter Weibel – Medienrebell. Warnung! Diese Ausstellung kann Ihr Leben verändern“, die sichtbar machte, wie der Künstler und Theoretiker oftmals frühzeitig Entwicklungen erkannte, die später virulent werden sollten.

Ausstellung in Regensburg

Einen Überblick über sein Werk wird es auch im Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg geben. Die Ausstellung ist Teil des nach dem Maler Lovis Corinth (1858 bis 1925) benannten Preises, über dessen Zuerkennung Weibel gestern gegenüber dieser Zeitung erklärte: „Ich freue mich ganz besonders, dass ich als erster Medienkünstler einen Preis erhalte, der bisher nur großen Malern, wie z. B. Sigmar Polke, vorbehalten war. Das zeigt, dass die Jury die für das 21. Jahrhundert notwendige Gleichberechtigung aller Medien nicht nur verstanden hat, sondern auch befördert. Vielen Dank.“