Elefanten von Udawalawe
Das Elefanten-Waisenhaus von Udawalawe auf Sri Lanka wird von der Artenschutzstiftung Zoo Karlsruhe unterstützt. Der Artenschutz-Euro könnte dazu beitragen. | Foto: Artenschutzstiftung Zoo Karlsruhe

Gemeinderat entscheidet

Ein Artenschutz-Euro von jedem Zoobesucher?

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Kommt der Artenschutz-Euro?  Im Karlsruher Zoo soll künftig nicht nur in den Spendentrichtern, sondern auch an den Kassen für den Fortbestand von Wildtieren gesammelt werden: Ein Euro für den Artenschutz soll ab 1. Januar 2019 von jedem erwachsenen Besucher zusätzlich zum Eintrittspreis erbeten werden.

Dies schlägt die Verwaltung nun dem Karlsruher Gemeinderat vor. Am Dienstag wird über die freiwillige Abgabe entschieden. Die Grünen-Fraktion hatte den Artenschutz-Euro im Frühjahr beantragt.

Eine Verpflichtung

„Der Zoo Karlsruhe hat aufgrund seiner Größe und der Mitgliedschaften in nationalen und internationalen Fachorganisationen die faktische Verpflichtung, sich für die Belange des Natur- und Artenschutzes einzusetzen“, heißt es in der Vorlage der Verwaltung. „Hierzu könnten zusätzliche Finanzmittel aus einem Artenschutz-Euro einen entscheidenden Beitrag leisten.“

Vorbild ist der Basler Naturchutzfranken

Vorbild ist der Basler Zoo, der seit Juli 2016 seinen „Naturschutzfranken“ erhebt. Die Abgabe wird mit dem Tageseintritt kassiert, sofern sich der Besucher nicht aktiv dagegen entscheiden. „Wie die Erfahrungen dort zeigen, ist die Schwelle des Naturschutz-Frankens wohl so niedrig, dass der größte Teil der Besuchenden diesen entrichtet oder aber gar nicht zur Kenntnis nimmt, dass die Möglichkeit zur Abwahl besteht“, weiß man in Karlsruhe.

Hoffnung auf mindestens 180 000 Euro für den Artenschutz

Wenn nur die Hälfte der Besucher des Karlsruher Zoos mit dem Einzeleintritt den freiwilligen Euro bezahlt, bringt dies dem Artenschutz jährlich 150 000 Euro, rechnet die Verwaltung vor. Basis sind die Besucherzahlen des Jahres 2017 mit rund 300 000 verkauften Tagestickets für Erwachsene. Jahreskarten-Inhabern wird ein Artenschutzbeitrag von jährlich vier Euro vorgeschlagen, da die Jahreskarte knapp viermal so viel wie ein Einzeleintritt kostet. Werden weiterhin rund 15 000 Jahreskarten verkauft und leisten ebenfalls die Hälfte der Käufer die freiwillige Abgabe, bringt dies dem Artenschutz zusätzlich 30 000 Euro pro Jahr. Kinder und Jugendliche sowie Gruppen von Kinderbetreuungseinrichtungen und Schulen sollen vom Artenschutz-Euro ausgenommen sein. Gleiches gilt für voll- oder teilsubventionierte Tagestickets und Jahreskarten, etwa für Inhaber des Karlsruher Passes, schlägt die Verwaltung vor.

Artenschutz-Euro ohne technischen Aufwand erhoben werden

Technisch sei die Verrechnung des Artenschutz-Euro mit dem Eintrittspreis problemlos: Seit November 2017 hat der Zoo ein computerbasierendes Kassensystem, mit dem die Zusatzeinnahmen nachvollziehbar dokumentiert werden könnten. „Dies ist wichtig, da der Artenschutz-Euro keine Spende an die Stadt Karlsruhe im Sinne des Paragrafen 52 der Abgabenordnung darstellt“, führen die Verantwortlichen aus. „Rechtlich stellen die Einzahlungen aus dem Artenschutz-Euro haushaltsfremde Gelder dar, die direkt an die Artenschutzstiftung Zoo Karlsruhe weitergegeben werden.“

Artenschutzstiftung hat ihr Leuchtturmprojekt in Ecuador

2016 gegründet, engagiert sich die Artenschutzstiftung Zoo Karlsruhe für den Erhalt und die Wiederherstellung der natürlichen Lebensräume von Tieren. Leuchtturmprojekt des Zoos ist die Wiederaufforstung des Reservats „La Elenita“ in Ecuador: Am Westhang der Anden in 1 400 Metern Höhe kommen auf zwölf Hektar ehemaliger Rinderweide rund 10 000 Setzlinge in den Boden, damit dort langfristig neuer Nebelwald entsteht. Mit 20 Euro kann man sich über die Artenschutzstiftung als Baumpate engagieren. Die Region gehört zu den artenreichsten der Welt: Dort gibt es zum Beispiel 130 Kolibri- und rund 4 000 Orchideen-Arten.

 

 

Förderung für Maßnahmen engagierter Artenschützer

 

Daneben unterstützt die Karlsruher Artenschutzstiftung Maßnahmen von Drittorganisationen. So finanziert sie GPS-Halsbänder für Elefanten-Waisen, die in Sri Lanka in einer Auffangstation aufgepäppelt wurden und nun wieder ausgewildert werden können. Ebenfalls Unterstützung aus Karlsruhe bekommt Willie Smits, der auf Borneo eine Auswilderungsstation für die hochbedrohten Orang-Utans aufgebaut hat. Weiter investiert der Zoo in den Schutz der Orangehauben-Kakadus auf der Insel Sumba und hat zudem im Zoo eine Zuchtstation für die akut gefährdete Art eingerichtet. Dem Aufbau einer neuen Population Edward-Fasane in Vietnam hat sich der Zoo ebenfalls verschrieben. Langfristig soll jeder „Lebensraum“ im Zoo mit einem konkreten Freilandprojekt verknüpft werden. Erklärtes Ziel ist, den Zoo zu einem Natur- und Artenschutzzentrum weiterzuentwickeln.

Stabile Basis

„Das Engagement der Artenschutzstiftung Zoo Karlsruhe ist derzeit allerdings ausschließlich von den stark fluktuierenden Spendenerträgen interessierter Personen abhängig, da eine Erfüllung des Stiftungszwecks aus den Erträgen der geringen Stiftungsmasse bei der derzeitigen Zinslage nicht möglich ist“, so die Stadt. Mit der Einführung des Artenschutz-Euros könnte hier eine stabile Basis geschaffen werden.

Hier gibt es weitere Infos zur Artenschutzstiftung Zoo Karlsruhe.