Elefanten sind zurück
Die Elefanten sind zurück: Auf Gelände in der Masai Mara in Kenia, das die Artenschutzstiftung Zoo Karlsruhe gepachtet hat, zeigen sich nun wieder Wildtiere. | Foto: Becker

Die ersten Tiere sind zurück

Projekte der Artenschutzstiftung Zoo Karlsruhe in Ecuador und Kenia zeigen Wirkung

Anzeige

Der Artenschutz-Euro und viele Spender machen es möglich: Die Artenschutzstiftung Zoo Karlsruhe konnte sich in diesem Jahr vielfältig für bedrohte Tierarten engagieren. Etwa eine halbe Million Euro gingen der Stiftung zu, erklärt Artenschutz-Kurator Clemens Becker auf BNN-Anfrage. Er besuchte in den vergangenen Moanten zwei große Projektgebiete der Stiftung in Kenia und Ecuador, machte sich vor Ort ein Bild und festigte die Zusammenarbeit.

Land für Wildtiere gesichert

In der Masai-Mara, dem kenianischen Teil der Serengeti, engagiert sich die internationale Naturschutzorganisation WWF für den Erhalt der großen Wanderrouten der Wildtiere, die durch Beweidung und neue Landzuteilungen bedroht sind. Die Artenschutzstiftung Zoo Karlsruhe hat nun, in Kooperation mit dem WWF, neben dem Siana-Schutzgebiet 600 Hektar Land für die Wildtiere gesichert. 520 Masai-Familien, denen das Land vom Staat zugewiesen war, haben sich zu einer Genossenschaft zusammengeschlossen und sorgen nun dafür, dass das Land für die Wildtiere nutzbar bleibt, schildert Becker.

Ranger bewachen Schutzgebiet

Dafür gebe es ein Weidekonzept für die eigenen Viehherden und Anstrengungen für nachhaltige Viehwirtschaft. Mehr noch: Die Genossenschaft hat auch 16 Ranger unter Vertrag, die an vier Außenposten stationiert sind und dafür sorgen, dass nicht andere Masai-Gruppen ihre Rinder- und Ziegenherden auf dem Land weiden lassen. Im Gegenzug sicherte die Artenschutzstiftung den Familien in fünf Jahren 250 000 Euro Pacht zu, die ihnen ein Einkommen ermöglichen und beim Verbessern ihrer Lebensbedingungen helfen.

Auch interessant: Der Karlsruher Marktplatz bekommt wohl keine Bäume

Karlsruher Delegation  war bei Vertragsunterzeichnung der Masai dabei

Becker war im November bei der Vertragsunterzeichnung von 200 Masai-Familien dabei. Neben ihm gehörten die ehrenamtliche Organisationsleiterin Irmgard Bierbaum und Justiziar Bernd Maisenbacher zur Delegation, und privat reisten auch die jeweiligen Partner der Offiziellen mit. „Jeder unserer Flüge wird aber kompensiert“, stellt Becker klar. Johannes Kirchgatter vom WWF nahm die Besucher ebenfalls in Empfang, informierte vor Ort und war dabei, als ein Gedenkstein enthüllt wurde, der die Zusammenarbeit dokumentiert.

Artenschutzstiftung fördert Krankenhaus und Mädchenschule

Auch den Rangern stattete die Delegation einen Besuch ab, informierte sich über ihre Arbeit und ihre Situation. „Die Artenschutzstiftung wird sie mit Ferngläsern und GPS-Geräten ausstatten“, erklärt Becker. Ein Krankenhaus der Region, für das die Besucher Antibiotika im Wert von 3 000 Euro dabei hatten, und eine Mädchenschule, der man ein Biologie-Labor für 2 000 Euro sponserte, waren weitere Stationen.

Auch interessant: ZKM in Karlsruhe: Vertrag mit Peter Weibel ist bis 2023 verlängert

Die ersten Wildtiere kehren zurück

Begeistert waren die Gäste aus Karlsruhe aber nicht nur von der Herzlichkeit der Masai, die sie auch in einem traditionellen Dorf empfingen. Viele Eindrücke von der atemberaubenden Savannenlandschaft, dem Berg- und Buschland und ihren tierischen Bewohnern brachten sie mit nach Hause. Riesige Flamingo-Kolonien, Löwenrudel, Geparden, Büffel und Antilopen hat Becker beispielsweise fotografiert. Besonders begeistert hat ihn freilich, dass sich erste Wildtiere das Pachtgebiet der Artenschutzstiftung zurückerobern. „Die ersten Tiere wandern schon wieder ein – Giraffen, Elefanten und ein erstes Spitznashorn haben wir gesehen“, erzählt er. Becker ist zuversichtlich, dass künftig noch mehr Land für die Tiere zurückgeholt werden kann: „Wir schaffen mehr als die 600 Hektar“, meint er. Doch die Zeit dränge, das wisse man auch beim WWF: „Es gibt viele ausländischen Investoren, die Land für Lodges kaufen wollen“, schildert Becker.

Artenschutzstiftung kauft weiteres Land in Ecuador

Zusätzliches Land kann die Artenschutzstiftung auch in Ecuador erwerben. Das Projektgelände „La Elenita“ am Westhang der Anden, wo viele Jahre Rinder weideten, wird wohl im kommenden Jahr vollständig aufgeforstet sein. Nun steht das 38 Hektar große Grundstück „Saloya“ zum Verkauf, auf dem die Karlsruher Energie- und Klimaschutzagentur (KEK) viele neue Regenwald-Bäume gepflanzt hat. Im Biotopverbund mit dem Schutzzentrum Mindo Lindo und La Elenita würden sich für die Tierwelt viele neue Lebensräume ergeben, erklärt Becker.

Klimapartnerschaft mit Karlsruhe

Dort war er im Sommer zu Besuch, als er auch in Quito die Partnerschaft mit dem dortigen Zoo begründete. Im nahen Los Bancos war er in offizieller Mission für Karlsruhe: Er überbrachte der neuen Kommunalverwaltung eine Grußbotschaft von OB Frank Mentrup und warb für die Fortführung der Klimapartnerschaft.

Schüler ziehen Baumsetzlinge

Auch Schulen in Los Bancos und Mindo, mit denen Partnerschaft bestehen, besuchte der Karlsruher Artenschutzkurator. In Mindo werde nun mit Unterstützung der Artenschutzstiftung eine Baumschule aufgebaut, die Setzlinge für die Wiederaufforstung zieht. Und auch eine Auswilderungsvoliere ist in La Elenita geplant: In Zoo von Quito werden nahezu täglich beschlagnahmte oder kranke Tier abgeliefert, die, wenn sie überleben, meist dauerhaft dort blieben müssen, schildert Becker. Zumindest Vögel der Region könnte man aber im Gebiet der Karlsruher Artenschutzstiftung wieder in die Wildnis entlassen.

Auch interessant: Drogenraum in Karlsruhe: Das versprechen sich die Verantwortlichen

Zoos in Karlsruhe und Quito arbeiten zusammen

Der Karlsruher Zoo und der Zoo in Quito möchten künftig intensiv zusammenarbeiten. Über die Artenschutz-Aktivitäten bei Los Bancos hatte Kurator Clemens Becker erste Kontakte geknüpft. Nun nutzten die Karlsruher eine Fördermöglichkeit des Bundes und ermöglichten der künftigen Tierpflegerin Miriam Schäfer eine dreiwöchige Hospitanz im Zoo der Ecuadorianischen Hauptstadt. Die Auszubildende im zweiten Lehrjahr war zudem eine Woche in der Region von Los Bancos, um das Karlsruher Artenschutzprojekt in Ecuador kennenzulernen.

Tierpfleger-Azubis arbeiten im Zoo von Quito mit

Ein Mitarbeiter der Außenhandelskammer in Quito, der früher bei der IHK Karlsruhe tätig war, hatte ihn auf das Programm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung aufmerksam gemacht, berichtet Becker. „Ausbildung Weltweit“ heißt es und fördert Hospitanzen bei Partnereinrichtungen im Ausland, die bis zu drei Monate dauern können. Die beiden nächsten Auszubildenden des Karlsruher Zoos werden im Februar nach Quito reisen, und für weitere werde man demnächst die Förderung beantragen. „Sie lernen dort andere Tiere und andere Bedingungen kennen, aber freilich auch ein bisschen Spanisch und bilden sich interkulturell fort“, erklärt Becker. Er organisierte nicht nur die Förderung, sondern besuchte die Auszubildende auch in Quito und machte sich selbst ein Bild.

Auch interessant: Flusspferd-Baby „Halloween“ im Karlsruher Zoo ist männlich

Online-Vorbereitung

Miriam Schäfer ging gut vorbereitet nach Ecuador: So lernte sie vorab Spanisch und erhielt online erste Einblicke in das, was sie erwartete. Die Außenhandelskammer hatte die interkulturelle Unterweisung durch einen Mitarbeiter in Quito organisiert – auch das gehört zum Förderprogramm, schildert Becker. Von ihren Erfahrungen berichteten er und Miriam Schäfer jüngst auch in Berlin beim Forum im Ministerium.

Auch Tierärzte oder Handwerker können vom Austausch profitieren

Die junge Auszubildende konnte in Südamerika aber nicht nur lernen, sondern auch viel eigenes Wissen weitergeben. In Ecuador gebe es keine Ausbildung zum Tierpfleger, diese würden lediglich angelernt – was ein weiterer Ansatzpunkt für die künftige Zusammenarbeit der Zoos sein könnte. Die haben Becker und sein Pendant in Quito auch schriftlich besiegelt – im Beisein des Deutschen Botschafters mit einem sogenannten „Memorandum of Understanding“. „Auch die Tierärzte oder die Handwerker in den Tiergärten könnten vom Austausch profitieren“, denkt Becker überweitere Möglichkeiten der Zusammenarbeit nach.

WEIHNACHTSGESCHENK: Patenschaft für neue Bäume oder Land in Ecuador und Kenia.  Die Artenschutzstiftung Zoo Karlsruhe weist darauf hin, dass man Patenschaften für neue Bäume in Ecuador sowie Gelände in Ecuador und Kenia auch gut zu Weihnachten verschenken kann. 20 Euro kosten ein Baum oder 20 Quadratmeter in Ecuador. In Kenia gibt es für die gleiche Summe 400 Quadratmeter, durch die Elefant, Büffel, Zebra, Giraffe und Co dann wieder ziehen können. Die Artenschutzstiftung stellt entsprechende Urkunden mit den Namen der neuen Paten aus.
Diese gibt es in Bronze (ab 20 Euro), Silber (ab 200 Euro) und in Gold (ab 1 000 Euro). Per E-Mail, Brief oder beim Online-Banking sollte man mitteilen, auf wen die Urkunde ausgestellt werden soll und für welches Projekt die Spende gedacht ist.  Weitere Informationen gibt es hier. Spendenkonto: Volksbank Karlsruhe, IBAN DE07 6619 0000 0000 2121 21