Der Weinverkauf in der Vinothek in Neuweier ist wichtig für die Baden-Badener Winzergenossenschaft in Neuweier. Die Kunden werden eingehend beraten und können vor dem Kauf die Produkte auch probieren.l | Foto: Margull

Genossenschaften beraten gern

Zum Fest ist Wein gefragt

„Unsere Damen in der Vinothek verpacken die ganze Zeit schon wie die Weltmeister“, beschreibt Thomas Goth von der Baden-Badener Winzergenossenschaft den Ansturm im Weihnachtsgeschäft. Die Monate November und Dezember seien für den Betrieb in Neuweier die wesentlichen Verkaufsmonate im Jahr, in deren Verlauf rund ein Drittel des gesamten Jahresumsatzes erzielt werde, schildert der Geschäftsführende Vorstand.

Starke Verkaufsmonate

„Mit dem Compliance-Gesetz und den strengen Vorschriften bei Präsenten hat der Staat verheerend in unser Geschäft eingegriffen“, ärgert sich Goth über Einbußen und einem hohen Mehraufwand durch die verschärften Gesetze. Ab einem Betrag von etwa 35 Euro müsste im Prinzip der Empfänger die Ware versteuern. „Mit dem Ergebnis, dass der Kunde beim Präsent eher zu einem günstigeren Qualitätswein oder einem Kabinett greift“, bedauert Thomas Goth. „Wenn ich jemanden in einem Unternehmen wirklich bestechen will, dann kann ich das sicher nicht mit ein paar Weinflaschen machen“, winkt er ab.

Vermehrt Privatkunden

Der Unsinn gehe sogar soweit, dass der Lieferant den Beschenkten nicht direkt im Unternehmen beliefern und das Betriebsgelände nicht betreten darf. „Das Ergebnis ist, dass die Weinwirtschaft quasi kein Geschäft mit der Industrie machen kann“, bilanziert Thomas Goth.
Und wie kompensiert man als Winzergenossenschaft diesen Einschnitt? „Indem man vermehrt den Privatkunden anspricht. Damit ist natürlich ein größerer Aufwand verbunden, wenn ich nicht fünf Kartons auf ein Unternehmen, sondern auf fünf Privatkunden verteilen muss.“ Dazu gehöre vor allem auch der direkte professionelle Service in der Vinothek in Neuweier. Dort erfahre der Kunde einen Mehrwert beim Einkauf beim Erzeuger.

Guter Service

„Das können Sie beim Regalverkauf nicht bieten. Hier können wir Fans binden, indem wir sie ausführlich beraten und unsere Produkte zur Probe anbieten“, erläutert Goth. Das macht deutlich mehr Aufwand. „Bei der Auswahl von Weinen für zwei große Geschenkkörbe mit Verkostung können da schon einmal drei Stunden draufgehen“, schildert er. Im Weihnachtsgeschäft sind besonders hochwertige Rotweine wie Spätlesen oder im Barrique gereifte Tropfen gefragt. „Wenn es beim Fest um den Begleiter beim Gänsebraten geht, dann darf eine Flasche schon einmal drei bis fünf Euro mehr kosten“, geht Goth auf die bevorzugten Festweine ein. Natürlich gebe es auch in dieser Zeit spezielle Angebote.

Sekt ist gefragt

Bei den Affentaler Winzern in Bühl spielt das Fest ebenfalls eine Rolle. Den Monat Dezember bezeichnet Ralf Schäfer, Geschäftsführer der Affentaler, als einen mit überdurchschnittlichem Umsatz. „Es gehört zu unserer hochwertigen Tischkultur, dass an Weihnachten auch ein höherwertiger Wein auf den Tisch kommt.“ Sekt sei natürlich vor Silvester stark gefragt. „Aber die Nachfrage ist bei unserem Winzersekt auch das ganze Jahr hinweg relativ hoch“, stellt Schäfer fest. Die Kunden schätzten die Qualität. Bei der WG Baden-Baden ist der Sekt vor dem Fest der Renner. Der Pegel schlage wegen „der Nachfrage für Geschenke – mit einer Flasche Sekt liegt man immer richtig – und mit Blick auf Silvester besonders deutlich aus“, freut sich Thomas Goth.