Viel Stahl und Beton wird für den Untergrund der neuen Atommüll-Lagerhallen auf dem KIT-Campus-Nord benötigt. | Foto: Kuld

Baustelle auf KIT-Campus-Nord

Zusätzliche Lager für Atommüll

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Im Moment geht es um Stahl und Beton. Viel Stahl und Beton. Denn die Halle, die ab dem Sommer gebaut werden soll, braucht einen stabilen Untergrund. Erdbebensicher. In dieser Halle soll ab 2020 Atommüll gelagert werden, der beim Rückbau der Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe auf dem KIT-Campus-Nord anfällt.

Wann öffnet „Konrad“?

Platz ist knapp auf dem eigentlich weitläufigen KIT-Areal. Platz ist aber auch knapp für den Atommüll, der im Wald bei Eggenstein-Leopoldshafen so lange gelagert werden muss, bis der Schacht „Konrad“ als Endlager zur Verfügung steht. 2022 wird als Zieldatum auf einer Verlinkung von der Seite des zuständigen Bundesamtes für Strahlenschutz genannt.

Lagervolumen wird deutlich erhöht

„So lange reichen unsere aktuell vorhandenen Kapazitäten nicht aus, wenn wir nicht den Rückbau unserer Anlage stoppen wollen“, macht Peter Schira klar. Der Pressesprecher der Kerntechnischen Entsorgung GmbH (KTE), die im Besitz des Bundes ist, erklärt auf der Baustelle für die Lagererweiterung, dass man schon jetzt am oberen Limit operiere. „Wenn die neue Lagerhalle für mittelradioaktive Stoffe 2020 fertig ist, wird dort sofort mit der Einlagerung begonnen.“ Das bestehende Lagervolumen von 900 Kubikmetern wird laut KTE durch den unmittelbar angrenzenden Neubau, mit dem im Sommer 2016 begonnen wurde, um 500 auf 1 400 Kubikmeter erhöht. Diese Halle gründet auf einem zwei Meter starken Betonfundament und wird bei Grundmaßen von 40 auf 39 Meter elf Meter hoch sein.

Rückbau bis in die dreißiger Jahre

Der zweite Hallenneubau firmiert als „Konrad-Logistik-/Bereitstellungshalle“. Dieses Lager ist für die weitaus größere Menge der leicht radioaktiven Abfälle gedacht und in seinen Abmessungen deutlich größer: 120 auf 23 Meter und 22 Meter hoch. In diesem Gebäude wird das gesamte Handling des nuklearen Abfalls mit Blick auf den Transport Richtung Salzgitter untergebracht – inklusive eines verlängerten Gleisanschlusses für den möglichen Bahntransport der gelben Fässer. Ebenfalls 2020 soll auch dieser Komplex zur Verfügung stehen. Die Lagerkapazität wird dadurch insgesamt auf künftig 100 000 Kubikmeter erhöht.

Abtransport dauert Jahrzehnte

Anfang der 20-dreißiger-Jahre soll der Rückbau der Wiederaufarbeitungsanlage abgeschlossen sein, informiert Peter Schira. Bis dahin werden die neuen Lager befüllt, denn der Abfluss des gelagerten Atommülls wird sich – auch unter idealen Bedingungen – bis dahin allenfalls in überschaubarem Umfang bewegen. Insgesamt rechnet man bei der KTE mit 30 bis 40 Jahren, um alle Fässer mit den Hinterlassenschaften der Atomforschung im vormaligen „Kernforschungszentrum Karlsruhe“ in den Schacht „Konrad“ zu bringen. Der lange Zeitraum hat Gründe. Zum einen gibt es mehrere Anlieferer von Atommüll. Zweitens ist dessen Handling sowohl bei der abgebenden Stelle – also etwa Karlsruhe – ebenso aufwendig wie an der aufnehmenden – „Konrad“. Dort wird künftig „just in time“ gearbeitet. Das zwingt die den Atommüll abgebenden Stellen – etwa die KTE – Zwei-Jahres-Chargen transportbereit vorzuhalten, damit der Betrieb nicht stockt, wenn andernorts eine Lieferung ausfällt.

Sicherheit hat immer Vorrang

Was im Endausbau wie eine Betonhalle wirkt, ist in Wirklichkeit ein hochkomplexer Bau, wie Jürgen Holsten, Barbara Lelanek und Süphi Ergün von der Bauleitung erklären. Das beginnt bei der Präparierung des Baugrunds. Die Fachleute nennen Zahlen für die Bodenverbesserung unter der Sohle – über 700 Rüttelstopfsäulen wurden zur Verfestigung des Bodens eingebaut, für den ersten Teilabschnitt der Sohle mit einer Fläche von 680 Quadratmetern wurden in 14 Stunden 1 340 Kubikmeter Beton eingebaut. 280 Tonnen Stahl dienen der Bewehrung. Schließlich waren unzählige Genehmigungen erforderlich, um den Bau starten zu können. Die vermeintliche Betonhalle wird künftig über umfangreiche elektronische Steuerungen zur Sicherheit verfügen – von der Belüftung bis zum Schließen der 14 Tonnen schweren Haupttore. Die Wände werden 1,80 Meter dick sein.
„Sicherheit hat immer Vorrang“, macht Schira mit Blick auf die lang anmutende Bauzeit deutlich. Alles werde „frei“ gemessen – bis hin zum Wasser, das zur Grundwasserabsenkung umgepumpt wird.