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Region Pforzheim wappnet sich

Afrikanische Schweinepest: Der „fahrende Wurstweck“ kann die Seuche einschleppen

Noch ist die Seuche weit weg. Aber das kann sich schnell ändern. Das trifft nicht nur auf Covid-19 zu, sondern auch auf die laut Experten für den Menschen ungefährliche Afrikanische Schweinepest. In der Region Pforzheim bereitet man sich auf einen möglichen Ausbruch vor.

Jagdhornblasen als Teil der Jagd: Ob die traditionelle Drückjagd im Corona-Jahr wie gewohnt mit vielen Schützen, Hundeführern und Treibern stattfinden kann, ist zweifelhaft. Foto: Archivfoto Nico Roller

Es war ein Nebenschauplatz, als es um einen Fall illegalen Welpenhandels ging. Aber Veterinäramtsleiter Siegfried Rempfer und andere, die Anfang vorigen Jahres damit befasst waren, begriffen ihn damals schon als Weckruf. Der Hundehändler habe dem Abnehmer der Tiere als Dankeschön ein stattliches Wurstpaket aus seiner rumänischen Heimat überlassen wollen, erinnert sich Rempfer. „Wir haben es aus Sicherheitsgründen gleich vernichten lassen.“

Schon der „fahrende Wurstweck“ kann ausreichen, um die Afrikanische Schweinepest (ASP) in die Region einzuschleppen. Kreisjägermeister Dieter Krail nennt als Beispiel einen osteuropäischen Fernfahrer, der Reste seines infizierten Vespers in den Müll wirft: gefundenes Fressen für ein hungriges Wildschwein.

Wir sind uns bewusst, dass wir reagieren müssen.
Siegfried Rempfer, Veterinäramtsleiter

Nach Ausbrüchen in Belgien, Ungarn, Rumänien und zuletzt Polen hat die Seuche Brandenburg erreicht. „Man muss damit rechnen dass sie auch anderswo in Deutschland ausbricht“, sagt Krail. „Wir sind uns bewusst, dass wir reagieren müssen“, erklärt Rempfer.

Auf Weisung des Landwirtschaftsministeriums wurde auch im Stadtkreis Pforzheim ein lokales Kompetenzteam gebildet mit Vertretern aus der Jägerschaft, den Verwaltungsbereichen Forst- und Landwirtschaft, Ordnung und Sicherheit sowie Feuerwehr. Laut Krail sind Schulungen geplant. Rempfer spricht derzeit von reiner Vorsorge. „Wir sind seit vielen Jahren in Habachtstellung.“

Weitere Verwahrstelle zur Entsorgung von totem Wild

Das Land hat Regeln zur Beprobung von erlegten und verendeten Wildschweinen erstellt, um ein Auftreten der Seuche frühzeitig zu erkennen. Inzwischen wurde flächendeckend die Zahl der sogenannten Verwahrstellen zur Entsorgung toter Wildtiere und Wildkörperteile erhöht.

So gibt es auch im Bereich Hagenschieß eine neue, dritte Verwahrstelle, speziell für den ASP Ernstfall. „Diese ist jederzeit startklar“, erklärt Rempfer. Für den Enzkreis gibt es Verwahrstellen in Maulbronn, Königsbach-Stein, Straubenhardt-Conweiler und demnächst auch in Wurmberg.

Zur Vorsorge gehört unter anderem, dass von tot aufgefundenen und stichprobenhaft von erlegten Wildschweinen Proben entnommen werden. Bund und Land haben laut Rempfer auch für eine Sicherung der Abfalleimer an Rastplätzen gesorgt, so dass die Schwarzkittel nicht an Speisereste gelangen. Warnschilder entlang der Transitwege wie Autobahnen, an Rastplätzen aber auch am ZOB sollen dafür sensibilisieren, dass keine tierischen Lebensmittel aus Krisenregionen abgelegt werden.

Gegen die Seuche gibt es bisher keinen Impfstoff

Die Jägervereinigung Enzkreis Pforzheim, die mehr als 900 Mitglieder zählt, befasst sich seit Jahren mit der ASP. Das Problem: Im Gegensatz zur europäischen Schweinepest gibt es keinen Impfstoff.

Grund zur Panik sehen aber weder Jäger noch der Veterinär Rempfer. Die Jäger sind angehalten verstärkt präventiv zu jagen. „Wir jagen nachhaltig. Es geht um Seuchenbekämpfung“, betont Jürgen Förschler, Leiter der Technischen Dienste der Stadt und stellvertretender Kreisjägermeister.

Jede Drückjagd werde genutzt. Doch hier erwartet Kreisjägermeister Krail das nächste Problem: Abstandsreglungen im Corona-Jahr werden wohl verhindern, dass große, revierübergreifende Drückjagden organisiert werden können.

Die Jagd wird schwierig in diesen Zeiten.
Dieter Krail, Kreisjägermeister

„Die Jagd wird schwierig in diesen Zeiten“, erklärt Krail. Auch Kirrungen, bei denen Schwarzkittel durch Getreide angelockt werden, dürften nicht den gewünschten Erfolg bringen. Die Eichelmast ist wieder stark. Ebenso sorgt intensiver Maisanbau dafür, dass die Schweine das ganze Jahr über zu fressen haben. „Sie müssen sich nicht mal bewegen, um an ihr Futter zu kommen“, erklärt Förschler.

Aber während landesweit der Bestand an Wildschweinen zugenommen hat, lasse sich dies für das Revier der hiesigen Jägervereinigung nicht pauschal sagen. „Im Hagenschieß hatten wir vor 20 Jahren mehr“, sagt Krail. Im Bereich Calw dagegen waren früher kaum Wildschweine anzutreffen und heute jede Menge.

„Die Tiere sind schlau und weichen Drückjagden aus“, findet Krail eine Erklärung für diese Mobilität. Nachdem 2012/13 über 3.000 Tiere geschossen worden seien und man den Bestand damit reduziert habe, hätten sich die Zahlen der Abschüsse in den vergangenen Jahren bei 1.500 bis 2.500 eingependelt.

Weiterer Preisverfall bei Verkauf von Wildfleisch befürchtet

Im Zuge einer Intensivierung der Schwarzwildbejagung gibt das Land Zuschüsse für die Vermarktung von Wildbret. Während des Lockdowns haben Gastwirte kein Fleisch mehr abgenommen. Nun fürchtet Krail, dass die Seuche den Menschen den Appetit auf Wild verderben könnte. „Völlig unbegründet“, sagt er.

„Wenn sie sich in Pforzheim ausgebreitet hätte, könnte ich das noch verstehen.“ Sein Kollege Förschler ergänzt: „Wildes Fleisch ist das Beste. Es ist frei von Antibiotika. Die Tiere fressen nur, was sie wollen und nicht wie im Stall, wo sei ihr Futter vorgesetzt bekommen.“ Die Jäger wissen, wie wichtig die „richtige Vermarktung“ ist. Förschler fürchtet ohnehin, dass der Preis für ein Kilo Wild weiter fallen wird.

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