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Präsident Wolfgang Tritsch

Am 1. Januar geht's los: Ein Sekt ohne Alkohol auf Pforzheims Präsidium

Er hat Barack Obama geschützt und Papst Benedikt XVI. die Hand geschüttelt: Der Mann hat Polizeigeschichte geschrieben, der am 1. Januar in Pforzheim Gründungschef des neuen Polizeipräsidiums wird. Redakteurin Edith Kopf hat mit Wolfgang Tritsch gesprochen.

Polizeipräsident Wolfgang Tritsch steht an der Spitze des Pforzheimer Präsidiums, das am 1. Januar seinen Dienst aufnahm. Foto: Müller

Wolfgang Tritsch war 2009 in Baden-Baden verantwortlich, als es galt die Nato und insbesondere den US-Präsidenten zu schützen. Zwei Jahre später in Freiburg beim Besuch des Pontifex stand er an der Spitze der „BAO Mitra“. „Es war mein 50. Geburtstag“, erzählt Tritsch, während er über die beiden Fotos an der Wand gegenüber seinem neuen Schreibtisch spricht. Das in Freiburg sei „wegen des kleinen Raums ein technisch sehr schwieriger Einsatz“ gewesen, erfährt man weiter von dem gebürtigen Durmersheimer.

Verantwortlich für 600.000 Menschen

Aber Tritsch hält Privates nicht raus, wenn er gefragt wird. Im Gegenteil, er freut sich sichtlich, als er auf drei frisch getopfte Pflanzen im Dienstzimmer angesprochen wird. „Tarots – das Geschenk einer Freundin mit inzwischen 150 Ablegern“, erläutert der Mann, der jetzt für die Sicherheit von rund 600.000 Menschen zwischen Alpirsbach und Maulbronn zuständig ist. Der 58-Jährige fühlt sich sichtlich wohl in seinem Metier, während er beschreibt, dass die aus dem heimischen Durmersheim angeschleppten Knollengewächse zu einer grünen Pracht werden. „In einem Jahr sind die 1,50 Meter hoch.“ Auch dass der Volksmund von Elefantenohren spricht, hat er parat und kommt dann auf einen wesentlichen Punkt: „Wenn Pflanzen leben sollen, brauchen sie jemanden, der sie gießt.“ Er habe das jetzt geregelt: „Frau Zürch“ ist zuständig.

Dieser Moment ist wie die Geburt eines Kindes.
In der Silvesternacht geht es um Punkt 0 Uhr los im Pforzheimer Polizeipräsidium.

Weichenstellungen am Vorabend des großen Tags. Dabei ist Tritsch bereits mitten drin. Seit dem 12. Dezember gehen die Notrufe aus dem Präsidiumsgebiet in Pforzheim ein. In der Silvesternacht Punkt null Uhr kommt die Verantwortung dazu. Dieser Moment „ist wie die Geburt eines Kindes“. Tritsch will ihn nicht versäumen.

Anstoßen mit alkoholfreiem Sekt

Begleitet von seiner Frau und mit alkoholfreiem Sekt im Glas plant er im neuen Führungs- und Lagezentrum zu stehen und auf das Werk anzustoßen, für das die Region ab 2014 in Stuttgart ordentlich ins ministerielle Räderwerk gegriffen hatte.

Tritsch kennt die Schaltstelle der Landesregierung von innen. Zweimal war er auf der obersten Führungsebene der Polizei. Zunächst ab 2001 über vier Jahre mit Augenmerk auf die betriebswirtschaftliche Seite sowie nachfolgend weitere drei Jahre in der Personalplanung. Auch beim zweiten Einsatz im Innenministerium ging es um Personal. Tritsch begleitete die Polizeireform 2014. Diese führte bekanntlich zu einem Aufschrei in Pforzheim wie im Rest des neuen Präsidiumsgebiets. Ergebnis ist, dass Tritsch 2017 seinen damals neuen Vize-Posten im Präsidium in Offenburg nur wenige Tage ausfüllte und dann den schönsten Posten bei der Reform der Reform bekam, wie er unumwunden bestätigt:

Einmalige Chance

Pforzheim ist die „einmalige Chance, eine Dienststelle komplett neu aufzubauen“ anstatt zu verkleinern. Personell war das kein Problem. Der Polizei mangelt es zwar insgesamt an Kräften, aber bei der Aussicht, nach Pforzheim zurückzukehren oder in Pforzheim aufzusteigen, griffen die Leute zu, so Tritsch. Auch bei den öffentlich ausgeschriebenen Zivilstellen kann sich das neue Präsidium als attraktiver Arbeitgeber fühlen: „Es gab viele Bewerber.“

Pforzheim ist die einmalige Chance, eine Dienststelle komplett neu aufzubauen, anstatt zu verkleinern.
Wolfgang Tritsch

Außerdem kann er schon jetzt, noch bevor es richtig los geht, 150 Kräfte „frisch von der Polizeischule“ ankündigen. Sie kämen in der Fläche auf Positionen, die mangels Nachwuchs derzeit nicht besetzt werden können, und ersetzen Beamten, die aus dem Dienst scheiden.

Andere Herausforderungen

Wer Tritsch auf die Herausforderungen der Dienststelle anspricht, landet wegen der topografischen Lage eher bei Eis und Schnee und in der ländlich geprägten Infrastruktur, denn bei Fachkräftemangel oder Sicherheitsfragen. „Mit dem Enzkreis auf Platz eins, gefolgt von Calw an dritter Stelle und Freudenstadt an 14. sowie Pforzheim als zweitsicherster Großstadt im Land“ starteten die Polizistinnen und Polizisten sowie alle Zivilkräfte auf insgesamt 1.183 Stellen in eine gute Situation.

Polizei-Pressesprecher Andreas Stäble und Polizeipräsident Wolfgang Tritsch im Gespräch mit Kurier-Redakteurin Edith Kopf. Die drei Pflanzen auf dem Fensterbrett im Dienstzimmer des Chefs sollen in einem Jahr 1,50 Meter hoch sein. Foto: Müller

Tritsch weiß natürlich, dass das Urteil auf Basis gefühlter Sicherheit anders ausfallen kann. Sicherheitsdienste im öffentlichen Raum seien hier allerdings kein probates Mittel. Es sei ein Armutszeugnis, wenn die Polizei nicht das notwendige Maß an Sicherheit garantieren kann. Er habe deshalb bereits im Oktober den Leitsatz „Mit Sicherheit nah am Menschen“ formuliert.

Die Polizei ist ansprechbar, präsent und politisch neutral: Der Mensch steht im Mittelpunkt.
Wolfgang Tritsch

Dabei gehe es nicht nur um das Produkt Sicherheit, sondern um das Versprechen der Bürgernähe. „Die Polizei ist ansprechbar, präsent und politisch neutral: Der Mensch steht im Mittelpunkt.“ Der Mann mit den zu kurzen Stiften geschnittenen Haaren zögert einen Moment, als er gefragt wird, was ihn jenseits von Polizeiarbeit beschäftigt. Er sei technikinteressiert; würde versuchen, wieder mehr zu reisen, wenn es die Zeit zulässt, schiebt er nach.

So richtig präsent wirken derartige Projekte für den Vater von zwei erwachsenen Kindern nicht. „Ich bin im November in ein neues Haus gezogen“, erklärt Tritsch – selbst gebaut. Dass er seit 2017, größtenteils mit dem Zug, nach Pforzheim pendelt, wo er jetzt beruflich in eine komplett neue Struktur startet, war eine dickere Nummer. Tritsch hat sie in über einem Jahr mit einer „tollen Projektmannschaft mit vielen vertrauten und lieb gewonnenen Personen“ gestemmt.

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