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Clan-Clinch in der Innenstadt

Angreifer knüppeln Friseur ins Krankenhaus: Das ist der Hintergrund des brutalen Überfalls in der Pforzheimer City

Es begann scheinbar harmlos und endete mit einer Bluttat. Der brutale Überfall auf ein Friseurgeschäft am Mittwoch steht nach BNN-Recherchen im Zusammenhang mit einer erbitterten Fehde zwischen Clans um Einfluss und Geschäftsinteressen in der Pforzheimer City.

Tatort Friseurgeschäft: Beamte der Pforzheimer Polizei sichern nach einem Überfall am Donnerstagabend Spuren in einem Friseurgeschäft im Bereich der Fußgängerzone. Foto: Igor Myroshnichenko

Am Anfang steht eine Ordnungswidrigkeit. Mazlem und Özelan Y. biegen am Montagnachmittag mit ihrem Auto von der Zerrennerstraße in die Lammstraße ein, die schon zur Fußgängerzone gehört. Die beiden Brüder betreiben in der Nähe ein Friseurgeschäft. Über ihren Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung ist ein junger Passant offenbar so verärgert, dass er gegen die Wagentür tritt. Die Brüder steigen aus.

In der Folge kommt es nach Angaben mehrerer mit den Geschehnissen vertrauten Personen zu unflätigen Beleidigungen, die sich teils auf die Mütter der Kontrahenten erstrecken. Schnell wachsen die Gruppen um die Streithähne an, es kommt zu Rangeleien und Schlägen, zudem wird Reizgas versprüht wie ein kurzes Video auf Facebook nahelegt.

Doch auch die Polizei ist mit fünf Streifenwagen schnell vor Ort. Die Szene verläuft sich deshalb schnell. Personalien werden aufgenommen, sofern die Beteiligten sich ausweisen können.

Du bist tot, hat einer der Angreifer geschrien.
Eine Augenzeugin

Am Abend treffen sich die Streithähne noch einmal, mit noch mehr Verstärkung. In der Brüderstraße hinter dem Kaufhof seien es nach 20 Uhr etwa 30 Personen gewesen, bestätigt ein Polizeisprecher auf Nachfrage.

Doch die Zusammenkunft verläuft sich erneut, zu größeren Handgreiflichkeiten kommt es wohl nicht. Eine Anwohnerin will aber einen beunruhigenden Ruf gehört haben. „Du bist tot“, hat einer geschrien“, sagt die Frau, die der Redaktion bekannt ist, aber lieber anonym bleiben möchte.

Zusammenhang mit Streit vom Montag

Was dann am Mittwochabend um kurz nach 18 Uhr in dem Geschäft geschieht , das die beiden aus der Türkei stammenden Kurden seit mehr als drei Jahren betreiben, steht nach BNN-Informationen offenbar in direktem Zusammenhang mit den Ereignissen vom Montag.

Der brutale Überfall wird im offiziellen Polizeibericht so beschrieben: Vier bis fünf maskierte und bislang unbekannte Personen stürmten am Mittwochabend, unter anderem mit zumindest einem Baseballschläger bewaffnet, in einen Friseursalon in der Pforzheimer Brüderstraße und verletzten den Eigentümer und einen Mitarbeiter.“

Über weitere Waffen schweigt sich der Polizeibericht aus. Ein Zeuge will nach bislang unbestätigten Informationen auch eine Machete gesehen haben.

Die Polizei schreibt in ihrer mit der Staatsanwaltschaft abgestimmten Verlautbarung weiter: „Die Unbekannten waren offenbar über den Hintereingang eingedrungen. Dort versprühten sie Pfefferspray und schlugen gezielt auf die beiden anwesenden Personen ein, die Platzwunden und Hämatome sowie Atembeschwerden durch das Reizgas erlitten.“ Nach wenigen Minuten war der Spuk vorbei, die Täter flüchteten in Richtung Waisenhausplatz.

Versiegelt: Mit einem amtlichen Dienstsiegel verschlossen bleibt am Donnerstag das Friseurgeschäft in der Pforzheimer City. Foto: Daniel Streib

Polizei richtet Ermittlungsgruppe ein

Bei der Polizei gingen mehrere Notrufe ein, elf Streifenwagenbesatzungen waren im Einsatz. Mazlem Y. musste unter anderem mit Kopfwunden im Krankenhaus behandelt werden. Ein Angestellter erlitt ebenfalls Kopfwunden und wurde vom Rettungsdienst noch am Tatort versorgt.

Die Polizei reagierte inzwischen mit einer Ausweitung der Ermittlungen. Auch aufgrund weiterer Vorfälle in den vergangenen Tagen habe das Pforzheimer Präsidium „nunmehr eine Ermittlungsgruppe unter der Führung der Kriminalpolizei mit mehr als 20 Beamtinnen und Beamten eingerichtet“, erklärt Sprecher Frank Otruba am Donnerstag.

Dabei werde durch die Ermittler auch geprüft, ob die zurückliegenden, ähnlich gelagerten Vorfälle im Innenstadtbereich im Zusammenhang stehen. Der Sprecher betont: „Bei keiner dieser der Polizei bisher bekannt gewordenen Auseinandersetzungen sind unbeteiligte Außenstehende zu Schaden gekommen. Vielmehr liegen den Ermittlern Anhaltspunkte vor, dass es sich um interfamiliäre Streitigkeiten handeln könnte, deren Hintergründe nun aufgeklärt werden sollen.“

Auseinandersetzungen zwischen Familienclans

Auch BNN-Recherchen deuten darauf hin, dass die Vorfälle vom Montag und der Überfall vom Mittwoch nicht nur zusammenhängen, sondern auch vor dem Hintergrund einer Auseinandersetzung zwischen Familienclans um Einfluss und Geschäftsinteressen der Pforzheimer City betrachtet werden müssen.

Eine mit den Verhältnissen vertraute Person glaubt: „Die Inhaber des Friseurgeschäfts sollen vertrieben werden, damit ihre Gegner übernehmen können.“ Das sei auch anderen Geschäften und Gastrobetrieben in der Nachbarschaft schon so gegangen. Normalerweise regelten die gegnerischen Lager derlei Angelegenheit unter sich.

Bei der Polizei will man Hinweise auf Clan-Strukturen in Pforzheim nicht bestätigen. „Wir gehen allen Spuren nach“, so Sprecher Frank Otruba. Es sei allerdings nicht ganz einfach, da die Beteiligten auf beiden Seiten nicht sehr auskunftsfreudig seien.

Mitten in der City: Die Tat spielte sich in der zentralen Pforzheimer Innenstadt in der Nachbarschaft zu Galeria-Kaufhof ab. Foto: Daniel Streib

Am Mittwoch blieb der Friseursalon geschlossen. Ein Siegel der Polizei klebt an der Eingangstür. Drei junge Männer stehen davor und und unterhalten sich über die Geschehnisse. Beim Blick durch das Fenster kann man noch das Blut auf dem Boden erkennen.

Sachdienliche Hinweise zu den Vorfällen nimmt die Polizei unter Telefon (07231) 1864444 entgegen.

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