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Lehrstellensuche im Netz

Arbeitsagentur sagt Pforzheimer Ausbildungsmesse ab

Der Erstkontakt zum Berufsleben wird jetzt auch in Pforzheim für viele Schüler zu einem virtuellen Erlebnis. Die Arbeitsagentur Nagold-Pforzheim hat die Januar-Messe Berufe aktuell abgesagt und plant ein Online-Angebot.

Viel los im CCP: Zur Ausbildungsmesse kamen in den vergangenen Jahren stabil um die 7.000 Schüler, die einen Ausbildungsplatz suchten. Foto: Herbert Ehmann

Was geht, wenn der Schulabschluss gemacht ist? Die Suche nach der Antwort auf diese Frage hat gelegentlich Züge eines Familienausflugs – zumindest bislang. Denn am 23. Januar wird es in Pforzheim nichts mit einer Expedition ins Reich der beruflichen Möglichkeiten.

Die Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim hat die größte Ausbildungsbörse in der Region, die Berufe aktuell, abgesagt. Sie setzt damit fort, was pandemiebedingt allerorten passiert: Der Erstkontakt zum Berufsleben wird ein virtuelles Erlebnis.

Virtuell statt vor Ort

Der Geruch von frischem Brot, das Gewicht eines Metallstücks oder das Gespräch mit Azubis wird es also nicht geben, wenn sich Noch-Schülerinnen und -Schüler aufmachen, die berufliche Zukunft zu planen. „Die Alternative wäre, gar nichts zu machen, und das wäre noch schlechter“, sagt Stefan Gauß von der Arbeitsagentur und verweist auf „gute Erfahrungen“ mit einer virtuellen Azubi-Börse im Juli in Freudenstadt. „Die Klickzahlen waren zufriedenstellend.“

Eine Messe „kann dies nicht ersetzen“, räumt Gauß ein. Das trifft Firmen hart, die sich ohnehin schwertun, Nachwuchs zu finden. Dazu zählen Metzger und Bäcker und seit einiger Zeit auch das Kraftfahrzeuggewerbe. Entsprechend viele Angebote hat diese Branche bei der Arbeitsagentur unter den aktuell 1.801 Lehrstellen für 2021 im Raum Pforzheim.

Spiegelverkehrt zeige sich der Wertewandel bei den Elektro- und Sanitärberufen, erläutert der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Matthias Morlock, weiter. Während das Kfz-Handwerk seinen größten Azubi-Einbruch erlebt, wird eine Lehre im Bereich Energie und Wasser immer beliebter.

Die Zahlen sind gewaltig eingebrochen.
Matthias Morlock, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft

Ohne Eigeninitiative lassen sich aber auch diese Lehrstellen nicht vermitteln, wenn nahezu alles wegfällt, was Jugendlichen Lust auf Berufe machen soll, von denen sie noch nicht einmal wissen, dass es sie gibt. „Die Zahlen sind gewaltig eingebrochen“, sagt Morlock.

Die Antwort ist eine Eigeninitiative mit einem markigen Spruch. „Handwerk ist geiler“, titelt die Kreishandwerkerschaft für eine Homepage und besetzt die Hauptrollen mit Auszubildenden aus Mitgliedsbetrieben. Als Beleg für den Erfolg der Aktion führt Morlock zwei Abiturienten an, die jetzt beim stellvertretenden Kreishandwerksmeister Frank Herrmann eine Ausbildung machen, die direkt zum Meisterbrief führt. Dennoch, „der Marktplatz fehlt“, sagt Morlock zur Absage der Berufe aktuell.

Verwaltungsberufe werden durch Corona begehrter

„Der Wegfall tut ein Stück weit weh“, kommentiert auch Bernhard Enderes, Personalchef bei der Stadt Pforzheim, die als größter Arbeitgeber in der Region zwischen 2.800 und 2.900 Beschäftigte sowie 30 Ausbildungsberufe hat. Gerade bei technischen Berufen sei es immer wieder gelungen, deren Attraktivität herauszustellen. Enderes beobachtet allerdings auch ein Corona-Plus: Verwaltungsberufe, so deute sich bei den Bewerbungen an, werden begehrter. Vermutlich erkenne mancher den Wert eines sicheren Arbeitsplatzes.

Beide Seiten werden sich jetzt anders orientieren müssen, kommentiert die Geschäftsführerin von Südwestmetall Mittlerer Oberrhein-Enz, Cornelia Koch, die Pandemie-Wirkung auf dem Ausbildungsmarkt. Sie hatte im Februar einen Gemeinschaftsstand mit fünf Firmen aus der Metallbranche bei der Berufe aktuell.

Die Arbeitsagentur biete Planungssicherheit, indem sie die für Firmen planungsintensive Messe bereits jetzt abgesagt habe. Koch zeigt sich zuversichtlich, dass die Ausbildungsstellen trotzdem besetzt werden können. Auch aus ihrer Erfahrung im Verwaltungsrat der Arbeitsagentur in Karlsruhe könne sie sagen: „Da passiert wirklich viel.“

Eine Vorlage zu dem, was online möglich ist, gibt es am 19. November in Mühlacker. Die im Oktober abgesagte analoge Aus- und Weiterbildungsmesse soll von 10 bis 18 Uhr über Chats, Vorträge und Interviews zu einem Erlebnis werden. Knapp 50 von sonst um die 80 Firmen beteiligen sich, finanziell kommen Sponsoren sowie eine Landesförderung hinzu. Wirtschaftsförderin Anette Popp hat diesen Plan B nach eigenen Angaben ab Ende Mai parallel zur geplanten Messe auf die Beine gestellt.

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