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Teil der wichtigen Westtangente

Arlingertunnel Pforzheim: Der Durchbruch kommt noch dieses Jahr

Die Westtangente soll Pforzheim einmal um Zehntausende Fahrzeuge täglich entlasten. Zentraler Teil ist der 1,3 Kilometer lange Arlingertunnel. Durch die Corona-Krise geriet das Großprojekt erstmals ins Hintertreffen. Doch durch zwei Maßnahmen haben die Verantwortlichen wieder aufgeholt - und liegen nun sogar vor dem Zeitplan.

Noch dicht am Ende des Tunnels: Eine österreichische Spezialfirma sprengt den Weg Richtung Südportal frei. Fünf- bis sechsmal täglich rummst es kräftig. Foto: Jürgen Müller

Noch ist es dicht am Ende des Tunnels. Doch wenn alles weiterläuft wie erhofft, dann wird es beim wichtigen Großprojekt Arlingertunnel noch in diesem Jahr den Durchbruch beim Südportal geben.

Damit wären die 1,3 Kilometer durch schwieriges Gestein deutlich früher geschafft als ursprünglich geplant. „Wir sind wirklich sehr, sehr gut in der Zeit“, sagt Baureferatsleiter Jürgen Genthner vom zuständigen Regierungspräsidium Karlsruhe.

Dass das gute Vorankommen alles andere als selbstverständlich ist, zeigt nicht nur der Vergleich mit anderen großen Bauvorhaben allerorten. Erst dieses Frühjahr war auch das Pforzheimer Projekt erstmals hinter den Zeitplan zurückgefallen.

Schuld war die Corona-Krise. Ein Verdachtsfall bei der österreichischen Tunnelbaufirma sorgte dafür, dass die komplette Mannschaft in Quarantäne musste. Als die negativen Testergebnisse kamen, war die Gruppe schon in Österreich – und die Grenzen alsbald dicht.

Nach vier Wochen ging es weiter. Mit im Gepäck war ein Plan, wie der zeitliche Verzug aufgeholt werden sollte. Vor allem an zwei Stellschrauben wurde gedreht. Die Rezeptur für den Spritzbeton, der das Gestein im Tunnel stabilisiert, erhielt eine Optimierung.

Sprengung Haupttunnel.MOV

Der Beton kann jetzt dünner als vorher aufgetragen werden. Das geht schneller, außerdem trocknet er dadurch zügiger. Der Zeitraum bis zur nächsten Sprengung, die das Projekt wieder mindestens einen Meter näher ans künftige Südportal bringt, ist kürzer.

Besseres Beton-Rezept und mehr Männer bringen das Projekt voran

Zweite Verbesserung: Das Personal wurde aufgestockt. Vorher arbeiteten die Experten aus dem Alpenland abwechselnd in der Hauptröhre und im Rettungsstollen, der derzeit gleichzeitig zur Erkundung des Gesteins dient. Jetzt wird in beiden Röhren voll gearbeitet, rund um die Uhr.

Baureferatsleiter Genthner betont gegenüber dieser Redaktion, die Aufstockung sei kostenneutral, das Projekt befinde sich also weiterhin auch finanziell im gesteckten Rahmen.

Kleiner Knopf, große Wirkung: Wenn jemand – wie hier andeutungsweise Baureferatsleiter Jürgen Genthner – zudrückt, gehen 100 Kilo Sprengstoff in die Luft. Mit dabei Sachgebietsleiter Michael Schwab und Projektleiter Ralf Weisenburger (rechts), alle vom zuständigen Regierungspräsidium Karlsruhe. Foto: Jürgen Müller

„Zu unserer Freude haben wir so nicht nur den Rückstand aufgeholt, sondern sind sogar schon etwas weiter als wir es nach dem ursprünglichen Plan gewesen wären“, so Genthner.

Man werde jetzt so weiterarbeiten. Wenn im schwierigen Untergrund alles klappt, habe man sich bis zum Durchbruch einen Vorsprung von zwei bis drei Monaten erarbeitet, schätzt er. „Wir sind bestrebt, diese Zeit nicht als Puffer zu nutzen.“ Aber eine Verzögerung von zwei bis drei Monaten etwa bei einer europaweiten Vergabe von Arbeiten sei nicht auszuschließen.

777 von 1.223 Meter sind schon geschafft

Der Durchbruch am Südportal war eigentlich erst für 2021 geplant. Nun könnte es also schneller klappen. Fünf- bis sechsmal täglich wird gesprengt, je nach Gesteinsbereich geht es bis zu sieben Meter täglich voran. Stand Mittwochmorgen waren von den 1.223 Metern, die in bergmännischer Bauweise zu bewältigen sind, schon 777 geschafft.

Zuvor waren knapp 75 Meter in offener Bauweise am Nordportal gebaut worden. Im Süden kommen ebenfalls offen noch einmal 50 Meter dazu. Dort soll die Baustelle im Oktober eingerichtet werden. Dort seien es ökologisch sensible Arbeiten, man dürfe die Vögel derzeit nicht stören, erklärt Genthner.

Verkehr im Arlingertunnel: Bisher fahren hier nur die Fahrzeuge, die mit der Baustelle zu tun haben. Ab Ende 2023 sollen es Zehntausende Autos im Normalbetrieb sein. Oben im Bild das Rohr für die Frischluftzufuhr. Foto: Jürgen Müller

Der Arlingertunnel ist zentraler Teil der Pforzheimer Westtangente. Sie soll die Stadt einmal um Zehntausende Fahrzeuge pro Tag entlasten. Bereits fertig ist der Straßenabschnitt, der die A8 von der Anschlussstelle Pforzheim-West an die B10 anbindet (seit 2012) sowie die Fortführung der Strecke bis zur Dietlinger Straße (L562) mit mehreren kurzen Tunneln (seit 2019).

Mit planmäßiger Fertigstellung des Arlingertunnels Ende 2023 wird die Westtangente an die bestehende B294 angeschlossen. Zukunftsmusik bleibt noch die Weiterführung bis ins Nagoldtal. Für diesen zweiten Bauabschnitt laufen weiter die politischen Bemühungen aus Pforzheim.

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