Skip to main content

Hohe Sieben-Tage-Inzidenz

Ärzte warnen vor Überlastung der Kliniken in Pforzheim und Mühlacker

Pforzheim ist immer wieder Spitzenreiter im Land bei der Sieben-Tage-Inzidenz von Corona-Infizierten. Die Zahlen, die das Gesundheitsamt erfasst, kommen erst mit ein- oder zweiwöchiger Verzögerung bei den Kliniken an. Ärzte aus der Region äußern sich zur Lage in den Krankenhäusern.

Corona-Konferenz. Landrat Bastian Rosenau und die Klinikärzte Thushira Weerawana, Felix Schumacher sowie Stefan Pfeiffer (von links) appellieren an die Bevölkerung, sich an Corona-Regeln zu halten. Foto: Roland Wacker

Jeder, der in Pforzheim und dem Enzkreis positiv auf Corona getestet sei, werde angerufen und man ermittle dessen Kontakte, verdeutlichte Gesundheitsamtsleiterin Brigitte Joggerst beim Pressegespräch am Dienstag den Arbeitsaufwand der Behörde.

Doch seit dem sprunghaften Anstieg der Fallzahlen Ende Oktober komme man der Aufgabe, Infektionsketten zu unterbrechen, nur noch schleppend nach. Ihr eindringlicher Appell an die Bevölkerung: „Je weniger Menschen man trifft, desto eher verhindert man Infektionen.“

Die Zahlen wirken sich erst mit Verzögerung auf Kliniken aus

Derweil steigen die Zahlen weiter an; laut Joggerst gibt es mehr Erkrankte mit Atemnöten, als dies bei der ersten Welle im Frühjahr der Fall war. Die Zahlen, die ihre Behörde jetzt erfasst, erreichen mit zeitlicher Verzögerung den ambulanten und dann den klinischen Bereich.

„Wenn die Fallzahlen in dem Maß weiter steigen, können wir den Ansturm nicht mehr bewältigen“, ergänzte Allgemeinmedizinerin Nicola Buhlinger-Göpfarth, die vor einer Überlastung von Klinikambulanzen warnte. Noch gelinge es, Kliniken den Rücken freizuhalten. „Bitte helfen Sie mit, einen weiteren Anstieg zu verhindern und beachten Sie die AHA-Regeln, meiden Sie unnötige Kontakte“, sagte sie.

Die Ärzte Thushira Weerawarna vom Siloah St. Trudpert, Felix Schumacher vom Helios und Stefan Pfeiffer vom RKH Mühlacker berichteten aus Sicht ihrer Kliniken. Der Grundtenor von allen Seiten lautete: „Die Bevölkerung muss mitwirken. Die Lage ist ernst, aber wir schaffen das, indem wir Abstandsregeln einhalten und bei positiver Testung in Quarantäne gehen.“

20 Prozent der Erkrankten müssen stationär versorgt werden

Bislang sei die Versorgung von Covid-19-Patienten zu etwa 85 Prozent ambulant erfolgt. „Aber 20 Prozent müssen stationär versorgt werden“, erklärte Pfeiffer. Von diesen wiederum müssten 20 Prozent intensiv medizinisch behandelt werden. Der Eindruck einer ausreichend vorhandenen Bettenzahl täusche.

„Unsere Kapazitäten sind nicht endlos.“ Pfeiffer sprach das deutschlandweite Personalproblem an: „Die Betten müssen mit Pflegekräften und Ärzten bestückt sein. Die Pflege auf der Intensivstation ist sehr aufwendig.“ Eine Beatmungsmaschine allein nütze nichts.

Personalproblem im Bereich Intensivmedizin

Die Mediziner waren sich darin einig, dass die zweite Welle der Pandemie deutlich höher ist, als die erste. „Wir werden auch mehr stationäre Patienten haben“, sagte Helios-Arzt Schumacher; deren Zahl werde ums Drei- bis Vierfache steigen. Die Leistungsgrenze komme irgendwann. Andererseits habe man viel aus der ersten Welle gelernt, erklärte Schumacher, etwa bei der Behandlung Schwerkranker.

Leichte Erkältungssymptome sind kein Grund, gleich in die Klinik zu gehen

Anders als bei der ersten Welle sollen anstehende Operationen nicht verschoben werden. „Akute Verletzungen, Krebserkrankungen müssen behandelt werden“, nannte Schumacher Beispiele. Gleichzeitig warnte Buhlinger-Göpfarth: „Patienten mit leichten Erkältungssymptomen haben in Kliniken nichts verloren.“

Zunächst sollten diese zuhause bleiben und dann den Hausarzt kontaktieren. Anders verhält es sich bei Atemnot. Dieser bislang kleine Anteil von Patienten müsse in der Klinik behandelt werden, sagte Weerawarna.

Fieberambulanz in Huchenfeld öffnet wieder

In der Huchenfelder Hochfeldhalle gibt es ab Mitte nächster Woche wieder eine Fieberambulanz und eine ähnliche Anlaufstelle schon jetzt im Freibad in Mühlacker.

Aus dem Rathaus war zu erfahren, dass es dem an Covid-19 erkrankten Oberbürgermeister Peter Boch schon deutlich besser gehe als am Montag. Er sei zu Hause und könne wieder arbeiten, auch wenn er am Dienstag noch auf die Teilnahme an Videokonferenzen verzichtet habe.

nach oben Zurück zum Seitenanfang