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Corona war der letzte Auslöser

Aus für Sport Carré – nach 41 Jahren ist Schluss mit dem Pforzheimer Geschäft

Sie waren die ersten Anbieter von Snowboards weit und breit. Und auch den Inliner-Trend haben die Pforzheimer Sporthändler früh erkannt. Doch Corona hat dem alt eingesessenen Sportfachgeschäft nun den Rest gegeben.

Ein kleines bisschen Wehmut spiegelt sich in den Augen der Geschäftsführer Bertil Pfrommer (links) und Firmengründer Adrean Kienzle. Sport Carré auf der „Wihö“ schließt Ende August. Der Großhandel wird weiter betrieben – Skiausfahrten soll es irgendwann auch wieder geben. Foto: Susanne Roth

Von unserer Mitarbeiterin Susanne Roth

Das berühmte Zünglein an der Waage trug den Namen Covid 19: Der Beinahe-Lockdown mit mehreren Wochen Stillstand für den Einzelhandel war ausschlaggebend, dass nun nach 41 Jahren das Schild „Räumungsverkauf“ über dem Sportfachgeschäft „Sport Carré“ auf der Wilferdinger Höhe hängt.

„Die derzeitige Situation lässt uns keine andere Wahl“, sagt Geschäftsführer Bertil Pfrommer. Noch bis zum 31. August wird verkauft, der Räumungsverkauf läuft. Und so nutzt Geschäftsführer Bertil Pfrommer (58) zusammen mit dem in den vergangenen Jahren mehr im Hintergrund agierenden Firmengründer Adrean Kienzle auch die digitalen Kanäle, die letztlich aber auch zu einer Schieflage des Einzelhandels beigetragen haben.

Gemeint ist der Online-Handel. „Der klassische Einzelhandel hat es auf Dauer schwer“, sagt Kienzle, der 1979 als gelernter Großhandelskaufmann und sportlich ambitionierter Mann auf 60 Quadratmetern in der Bahnhofstraße Neuenbürg sein erstes Sportgeschäft gründete. Als Vollsortiment-Anbieter, mit hochwertiger Sportkleidung und Ausrüstung. „Damals noch mit Langlauf-Ski.“

Und da gab es noch genügend Schnee im Nordschwarzwald. Viele Kunden kamen aus Pforzheim, und so war die Umsiedlung nur eine Frage der Zeit. Ein paar Jahre vor der Eröffnung im Jahr 1989 auf der Wilferdinger Höhe und damit an strategisch klugem Standort mit Autobahn-Nähe, lernte Adrean Kienzle bei einem Sport-Event Bertil Pfrommer kennen und man beschloss, in Pforzheim gemeinsame Sache in der Chefetage von Sport Carré zu machen.

Das wird sich übrigens auch nicht nach dem 31. August ändern. Nur das Geschäft wird geschlossen, der Großhandel mit hochwertiger und nach Wunsch bedruckter Sport- oder Arbeitskleidung – etwa für einen großen Kosmetikhersteller, für Autohäuser oder Arztpraxen – bleibt und wird verstärkt ausgebaut. Und irgendwann, so hofft man, wird es auch wieder Skiausfahrten geben. Denn diese entwickelten sich ab der Eröffnung in Pforzheim zu einem wahren Kunden-Magneten.

Skiausfahrten soll es weiter geben

Die soll es wieder geben. Wenn das Hygienekonzept stimmt. Wie zu erfahren war, hat just der Skiort Ischgl dem Dauergast Sport Carré ein Hygienekonzept als Grundlage für weitere Überlegungen an die Hand gegeben. Darin ist laut Adrean Kienzle die Rede davon, dass es keine Aprés-Ski-Party mehr geben wird, die Gäste auch im Lift Mundschutz tragen und bei Einreise ein negatives Testergebnis vorweisen müssen. Aber Busfahren mit Maske? Das Risiko ist den Pforzheimern dann doch noch zu hoch. „Wir haben bereits ganz früh Ausfahrten gecancelt“, sagt Kienzle. Noch vor der Corona-Pause. Ansonsten waren es sicher an die 1.000 Gäste, die man pro Saison in die Skigebiete brachte.

Die derzeitige Situation lässt uns keine andere Wahl.
Bertil Pfrommer, Geschäftsführer

Vor allem die 1990er-Jahre waren eine aufregende Zeit: So war Sport Carré laut Kienzle der erste Anbieter von Snowboards samt Unterricht - und auch blitzschnell, was den zweiten Trend aus den USA, die Inline-Skater, betraf. Man habe die Trendsportarten in der Region etabliert.

Modenschauen und Events

Mehr noch: Es wurden entsprechende Events veranstaltet. Inliner im Parkhaus „famila“ gegenüber, Modenschauen. Und es wurden Events ausgerichtet, etwa „Herzblatt“ mit Kai Pflaume im Frankfurter Hauptbahnhof. Die Ausfahrten seien mehr ein Kundenservice, denn als monetäre Bereicherung angelegt gewesen. Bei Sport Carré waren viele der Kunden, die auch aus dem Raum Frankfurt und München und teils aus dem Ausland kamen, mit Handschlag begrüßte Freunde.

Und die Unabhängigkeit ein hohes Gut. Weder einem Verband, noch einem Konzern war Sport Carré zugeordnet. Doch die Tatsache, jeweils ein halbes Jahr im Voraus Ware ordern und verbindlich abnehmen zu müssen sowie der Blick auf Klimawandel und Online-Handel hat die Geschäftsleitung Ende Mai „die Reißleine“ ziehen lassen, so Kienzle. Besser früh als zu spät und unter einem Schuldenberg ächzend, wie es heißt. So blieb für die fünf Mitarbeiter noch genügend Zeit, sich umzuschauen – mit Erfolg.

Noch vor dem Aufploppen des Versandriesen Amazon übrigens hat man bei Sport Carré den Online-Handel gestartet. Allerdings eine Dekade zu früh. Der lief Ende der 1990er-Jahre (noch) nicht.

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