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Kurse beim DRK

Ausgebildete Corona-Tester gibt es in Pforzheim immer mehr

Viele Menschen trainieren beim Roten Kreuz den Umgang mit Antigenschnelltests. Nach erfolgreichem Kurs können sie Kollegen in Schule und Kita oder in der eigenen Firma auf das Coronavirus testen.

Etwa fünf bis sieben Zentimeter muss das Stäbchen vorsichtig in den Nasen-Rachenraum eingeführt werden, um ein aussagekräftiges Ergebnis zu erzielen. Foto: Claudia Kraus

DRK-Mitarbeiterin Tabea Kälber erklärt den fünf Teilnehmern im Schulungsraum in der Kronprinzenstraße zunächst anhand von Bildern, wie das Stäbchen durchs Nasenloch geführt werden muss, um ein aussagekräftiges Testergebnis zu erhalten, ohne dass es zu Verletzungen kommt: Nicht hoch, sondern geradeaus in Richtung Ohrläppchen. „Der Weg verläuft parallel zum Gaumen.“

Später geht es zur Praxis: „Teststrecke“ ist die Nase des Gegenübers und je nach Anatomie fünf bis sieben Zentimeter lang.

Man weiß nun, was man tun muss.
Marion Kufner, Unternehmerin

Am Ende der Schulung fühlt sich Marion Kufner gut eingewiesen. Die Pforzheimer Unternehmerin will eigene Mitarbeiter testen. „Man weiß nun, was man machen muss“, sagt die 50-Jährige.

Allerdings fiel es ihr nicht leicht, einem anderen Menschen ein Stäbchen in die Nase zu stecken. Schließlich will man niemanden verletzten. Das Verantwortungsgefühl ihrem Team gegenüber hat Kufner zur Teilnahme motiviert.

Rotes Kreuz hat mit Schnelltest-Kursen Neuland betreten

„Wir haben völliges Neuland betreten“, denkt Michael Storz, Leiter der Erste-Hilfe-Ausbildungen beim DRK, an die ersten Schulungen zurück – und an den eigenen ersten Antigenschnelltest beim Kollegen: „Ich stand zitternd vor ihm.“ Heute weiß Storz: „Die Tests sind die kleinste Einheit.“

Als erstes müssen die Tester die Schutzkleidung anziehen – in einer bestimmten Reihenfolge: Nach den Handschuhen der Kittel, der sie überlappen muss. Es folgen FFP2-Maske, Haube, Schutzbrille. Ein zweites Paar Handschuhe muss über die Ärmel reichen; zum Schluss gibt es ein drittes Paar, das regelmäßig gewechselt werden muss. Ausgezogen wird sich in umgekehrter Reihenfolge.

Mittlerweile haben Kälber, Storz und die weiteren gut 20 zu Testern ausgebildeten DRK’ler das Prozedere soweit verinnerlicht, dass sie sich blind anziehen können. Bei den Kursteilnehmern dauert es etwas länger.

Teilnehmer kommen aus allen Bereichen

Wie bei diesem Vormittagskurs sind die Gruppen bunt gemischt. Viele Lehrer, Firmenmitarbeiter sind dabei; Leute in Kurzarbeit und andere, die sich über Einsätze in einem Testzentrum etwas dazu verdienen oder von Firmen beauftragt sind. Kälber berichtet von einer Tagesmutter in Diensten des Kinderschutzbundes. „Die Eltern wollten ihre Kleinen nicht selbst testen.“

Nach der DRK-Schulung, für die sie ein Zertifikat erhielt, tut sie das nun bei sich zuhause. Kleine Kinder seien besonders empfindlich im Nasenbereich, wissen die Experten.

Mit dem Aufbau der Testzentren wurden immer mehr Tester benötigt. Auch galt es, die Bundeswehrangehörigen, die Anfang des Jahres in Pflegeheimen testeten, wieder zu entlasten. Das DRK schulte auch Leute der eigenen Ortsvereine, vom DLRG, vom Stadttheater, Firmenangehörige.

Storz berichtet von einem Unternehmen mit Geschäftsbeziehungen zu Polen. Aufgrund ihrer Schulung konnten Mitarbeiter die Kollegen testen, die dann unproblematisch mit aktuellem, negativem Ergebnis ins Nachbarland reisen konnten.

Wie sie ihre Schutzkleidung anziehen müssen, zeigt DRK-Mitarbeiterin Tabea Kälber (Mitte) den Teilnehmern einer Schulung für Corona-Schnelltests. Foto: Claudia Kraus

Auch Friseure dürfen nach der Schulung ihre Kunden auf Corona testen

Wegen der hohen Nachfrage hat das DRK kürzlich einen Corona-Schnelltest-Kurs für Friseure angeboten. „Seit 1. Mai dürfen Dienstleister wie Friseure Schnelltests durchführen und Nachweise ausstellen“, nennt Storz einen Zusatz der Corona-Verordnung des Landes, wie er ebenso für Schulen, Kitas und Firmen gilt. Entsprechend geschulte Friseure können demnach in ihrem Salon Kunden testen oder deren Selbsttests überwachen und das Ergebnis bescheinigen.

Wer dafür zuständig ist, darüber entscheide je nach Ort Gesundheitsamt, Ordnungsamt oder die Innung, erklärt Storz und verdeutlicht, dass fehlende Einheitlichkeit hier wie dort große Verwirrung bringt. „Seit wir die Schulungen anbieten, haben wir alle zwei Tage Änderungen.“

Manche Institutionen wie Dehoga und Handwerkskammern bieten auch Online-Schulungen an. Das kann einen Test direkt an der Person nicht ersetzen, finden die DRK-Mitarbeiter. Zu hoch sei das Risiko falscher Anwendung. „Und wie will man da etwas korrigieren?“ fragt sich Kälber.

Mit großer Skepsis sehen sie auch die Schnelltest, die man für sich zuhause machen kann. Dabei wird das Stäbchen nur eineinhalb Zentimeter in den Nasenvorhof eingeführt. Kälber berichtet von falschen positiven Testergebnissen bei Kita-Erzieherinnen, nachdem diese Ibuprofen eingenommen hatten.

Vor den Corona-Schnelltests nichts essen oder trinken

Beim Test im Mund-Rachenraum wiederum ist es den Erfahrungen der DRK-Leute zufolge ebenfalls schon öfter zu vermeintlich positiven Ergebnissen gekommen, etwa nach Konsum eines Energy-Getränks und anderen Substanzen. „Ingwer macht den Test positiv“, erklärt Storz.

Die Empfehlung der Experten: Eine halbe Stunde vor dem Test nichts essen oder trinken. Das DRK schult daher vor allem die Abstriche im Nasen-Rachenraum. Was Tabea und Storz nach mittlerweile mehr als 35 Kursen selbst verwundert: „Wir hatten noch kein einziges positives Ergebnis.“

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