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Machtkampf in der Pforzheimer SPD

Chaos bei Delegierten-Wahl: Klagt SPD-Stadtrat Hück?

Jüngste Akt im Drama um die Macht bei der SPD Pforzheim: Die Delegiertenwahlen für die Landes- und Bundestagswahlen am Montagabend gerieten teilweise völlig aus dem Ruder.

Uwe Hück bei der Delegiertenwahl des SPD Ortsvereins Pforzheim im Gespräch mit seiner Stadtratskollegin Jacqueline Roos Foto: Roland Wacker

Von unserem Mitarbeiter Harald Bott

Es war der jüngste Akt im Drama um die Macht bei der SPD Pforzheim: Die Delegiertenwahlen für die Landes- und Bundestagswahlen am Montagabend gerieten teilweise völlig aus dem Ruder. Partei-Rebell Uwe Hück kündigte an, die Delegiertenwahlen anzufechten.

Als die Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Pforzheim Johanna Kirsch die Sitzung schloss war es 23.45 Uhr. Das Ziel war erreicht und die Delegierten für die Nominierungskonferenzen der Kandidaten zur Landtagswahl und zur Bundestagswahl 2021 gewählt.

Doch der Weg dahin war mehr als holprig. Unmerklich kündigte sich das Desaster bereits vor dem geplanten Beginn der Veranstaltung um 19 Uhr an. Zu diesem Zeitpunkt standen vor dem Eingang des Pforzheimer Congresscentrums noch die Besucher in der prallen Sonne in der Warteschlange. Obwohl der Einlass bereits um 17.30 Uhr begann, verzögerte sich der Start am Montagabend um mehr als eine halbe Stunde.

136 Wahlberechtigte hatten schließlich ihre Plätze eingenommen; 82 Männer und 54 Frauen, die 40-Prozent-Quote war erfüllt. Als Kirsch die Namen der zur Wahl stehenden vorlas – zum Unverständnis vieler Anwesender geordnet nach Vornamen – gab es erste Proteste. Zudem fehlten einige Namen auf der Liste. Neue Blätter wurden ausgedruckt; aber wieder fehlte ein Name. Im Saal war es bereits sehr unruhig geworden.

Hück drängte auf Abbruch

Als klar war, dass die Veranstaltung deutlich länger dauern würde als geplant, verließen einige der Hück-Anhänger den Saal. Uwe Hück drängte auf Abbruch; versuchte den Verdacht aus dem Weg zu räumen, er inszeniere das Chaos, um noch nicht wahlberechtigte Neumitglieder mit in sein Boot zu holen. Es folgten lange Beratungen der Funktionsträger.

Schließlich verkündete Versammlungsleiter Jörg Schmidt, dass die Wahl nicht abgebrochen werden könne, weil diese bereits eröffnet war. Daraufhin verließ der Rest der Hück-Truppe unter dem Beifall der übrigen Anwesenden den Saal. Versammlungsleiter Schmidt rügte diesen mit der Botschaft, es gehe nicht, dass SPD-Mitglieder Beifall klatschten, wenn SPD-Mitglieder sich zurückziehen würden.

Wenig später tauchte Hück noch einmal auf, um durch zum Trichter geformte Hände das Wort „Klagen“ durch den Raum klingen zu lassen. Im Saal schossen indes die Spekulationen ins Kraut. War das Chaos inszeniert? Und wenn ja, von welcher Seite?

Anwesende spricht von „Affenzirkus”

Am schlüssigsten dürfte die einfachste Erklärung sein: Einigen der Hück-Anhänger dauerte es einfach zu lange und sie verloren die Geduld. Mit dem Wort „Affenzirkus“, kommentierte eine der Anwesenden den Vorgang. Offen blieben Fragen wie wer letztlich die Verantwortung für das organisatorische Desaster zu übernehmen hat. Und ob Hück tatsächlich versuchen wird, die Wahl anzufechten.

Alle Funktionsträger hielten sich mit offiziellen Äußerungen sehr zurück. Die Bundestagsabgeordnete Katja Mast meinte schließlich: „Ich habe mich auf diesen Abend sehr gefreut und war überzeugt, dass er reibungslos verlaufen wird. Doch dies ist uns offensichtlich nicht gelungen.“

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