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Kreative Ideen sind gefragt

Corona-Auflagen zwingen Chöre in Pforzheim und dem Enzkreis, Proberäume für den Winter zu suchen

Chöre und Gesangvereine können derzeit noch im Freien proben. Das wird sich aber bald ändern. Die regionalen Musikverbände unterstützen sie dabei und werben in den Gemeinden um Hilfe bei der Suche nach Probelokalen.

Ein Bild mit Seltenheitswert: Auftritte wie den der Chorgemeinschaft Niefern beim Weihnachtskonzert in der katholischen Kirche Liebfrauen Niefern wird es in diesem Jahr wohl nicht geben. Zunächst suchen die Vereine und Chöre eine Möglichkeit, auch in der kalten Jahreszeit zu proben. (Archivfoto) Foto: Archivfoto: Tilo Keller

Zwei Meter nach vorne und hinten und 1,50 Meter rechts und links – so viel Abstand müssen die Sängerinnen und Sänger zueinander halten, wenn sie im geschlossenen Raum proben. „Mit 35 Sängern stößt man schnell an seine Grenzen“, weiß Beate Dufke-Falkenstein. Die Vorsitzende des Chorverbands Pforzheim Enzkreis probt derzeit noch donnerstags mit dem Gesangverein Arlinger auf dem Vereinsgelände in der Höhenstraße im Freien und das „so lange es geht“.

Derzeit versuchen die 42 Chöre und 1.787 Aktive des Verbands, eine Bleibe zu finden, wo sie sich in der kalten Jahreszeit treffen können. Probelokale seien meist zu klein, um den vorgeschriebenen Abstand einzuhalten. Amateurmusikverbände ermutigen die Vereine daher, mit Bürgermeistern, Kirchengemeinden oder Besitzern von Gaststätten zu sprechen. Zusagen gebe es derzeit noch keine, sagt Dufke-Falkenstein.

Kirchen seien vom Erzbistum für den Chorgesang noch nicht freigegeben und viele Hallen seien von Sportvereinen belegt. Hinzu komme, dass es für die Stadtchöre insgesamt schwieriger werden dürfte, einen geeigneten Raum zu finden als für die Chöre auf dem Land.

Kreativität und ungewöhnliche Ideen gefragt

Heiko Genthner, Vorsitzender Blasmusik-Kreisverband Pforzheim-Enzkreis und Bürgermeister von Königsbach-Stein, ermutigt die Vereine, kreativ an die Sache heranzugehen. Denkbar sei etwa, die Proben in Hallen zu verlegen, wo Fahrzeuge oder landwirtschaftliche Maschinen stehen, Kontakt zu Gastronomen aufzunehmen oder Vereine mit großem Vereinsheim anzusprechen.

Es sei ein großer organisatorischer Aufwand, weiß Genthner, der im Musikverein Eisingen Querflöte und Saxofon spielt. Resignation sei derzeit aber nicht zu spüren, die 37 Vereine im Kreisverband seien dabei, einen Weg zu finden und das Problem kreativ anzugehen.

Sorgen bereitet der Verbandsvorsitzenden auch die soziale Komponente des Problems. Manche Chöre würden sagen: „Wenn wir nichts finden, war es das für den Winter.“ Dufke-Falkenstein sieht die Gefahr, dass manche Sänger und Sängerinnen vereinsamen oder sich aus dem Gesangverein zurückziehen, wenn längere Zeit nicht geprobt wird. Oder dass das Vereinssterben mit Blick auf die hohe Altersstruktur durch die aktuelle Situation beschleunigt wird.

Das befürchtet Chorleiter Bernd Philippsen auch für den Engelsbrander Liederkranz. Die Mehrheit des Vereins hat sich entschieden, die Proben ruhen zu lassen und die Pause auf unbestimmte Zeit zu verlängern. Eine Rolle habe bei einigen der 30 Aktiven sicherlich auch die Angst vor Corona gespielt, so Philippsen, der rät, Ruhe zu bewahren.

Conweiler Frauenchor probt in Schwann

Proben im Sommer im Freien wären möglich gewesen, aber bei den Sängern habe die Bereitschaft gefehlt, so Philippsen. Für den Conweiler Frauenchor „Con-Musica“ hat er eine Lösung gefunden: Er kann in der kalten Jahreszeit in einem großen Proberaum in Schwann proben.

Die Suche nach einer Lokalität ist schon eine Herausforderung
Peter Heinke, Vorsitzender des Chorverbands Enz

„Die Suche nach einer Lokalität ist schon eine Herausforderung“, bestätigt Peter Heinke, Vorsitzender des Chorverbands Enz mit 62 Vereinen und rund 2.000 aktiven Sängern. Die mehr als 40 Sänger der MGV-Chöre haben ebenfalls Glück: Sie proben seit einer Woche dienstags im Uhlandbau in Mühlacker. Der Verein war auf die Stadtverwaltung zugegangen – mit Erfolg. Manche Sänger kommen allerdings nicht – aus Angst vor Corona, sagt Heinke.

Vier Quadratmeter Platz brauche jeder aktive Sänger, rechnet Heinke vor. Außerdem sieht das Hygienekonzept vor, dass alle Abstand halten, außer am Platz Masken tragen, Desinfektionsmittel benutzen und ihre eigenen Noten mitbringen. Heinke hofft allerdings, dass die Corona-Auflagen bald gelockert werden. „Wir halten sie für überzogen. Die Aerosole sind beim Singen und Sprechen die gleichen.“

Das stimme im Prinzip, nur wenn 35 Sänger eine gewisse Zeit zusammen singen, bilde sich eine Aerosol-Wolke, ergänzt Dufke-Falkenstein. Die allermeisten Vereinsmitglieder hätten Verständnis für das Hygienekonzept, berichtet sie aus ihrem Verband.

Für Auftritte sehe ich schwarz
Beate Dufke-Falkenstein, Vorsitzende des Chorverbands Pforzheim Enzkreis

Eine Frage, die sich die Vereine derzeit auch stellen: Warum proben, wenn man nicht auftreten kann? „Konzerte sind schwierig, weil das traditionell ältere Publikum zur Risikogruppe zählt und vielleicht gar nicht kommt“, sagt Peter Heinke. Außerdem stelle sich die Frage, ob bei Veranstaltungen genug Einnahmen zusammenkommen. Und: „Letzten Endes zahlen wir drauf.“ Für Auftritte in den kommenden Monaten sieht auch Beate Dufke-Falkenstein schwarz und befürchtet, dass es auch Weihnachtskonzerte in der gewohnten Form nicht geben wird.

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