Skip to main content

Halloween in Pforzheim

Corona bremst die Halloween-Begeisterung bei Kindern und Eltern in Pforzheim und im Enzkreis

Saures für die Jäger nach Süßem? Kreative Ideen, Süßigkeiten zu verteilen, konkurrieren mit der Empfehlung, zu Hause zu bleiben.

Diesmal mehr Deko: Im Nordschwarzwald finden die Halloween-Feiern diesmal nur im Kleinen statt. Foto: David Ebener picture alliance / dpa

Es ist schon ein bisschen paradox. Da findet am Samstag die Nacht des Gruselns statt, und ausgerechnet etwas Gruseliges macht mit dem Coronavirus vielen kleinen und größeren Kindern den Halloween-Spaß in Pforzheim und Enzkreis zunichte. Partys wurden bereits abgesagt, und auch das klassische Umherwandern und Süßes-Abstauben steht unter einem dunklen Stern. In diesem Falle wohl besser gesagt: unter keinem.

Moritz, 13 Jahre alt und aus Kämpfelbach, wird dieses Jahr jedenfalls nichts Saures verbreiten. Das hat er entschieden. Nicht nur wegen Corona. Auch wenn er sagt: „Es geht schon auch um die Süßigkeiten.“ Aus Sankt-Martins-Umzügen sei er herausgewachsen, macht nun lieber am 31. Oktober die Nachbarschaft in Ersingen unsicher. Nur dieses Jahr eben nicht. Auch die Halloween-Party mit Freunden wird wohl eher ein Gruseln mit nur einem Freund. Im vergangenen Jahr, so erzählt Mutter Michaela Funke, war man noch zusammen in einem Gruselhaus in Bilfingen.

Dieses Jahr wird alles etwas kleiner gefeiert. So ist es auch im Hause Krammer in Pforzheim. Die Tochter von Mutter Jutta ist 16 Jahre alt. Süßes und Saures gibt es da nur noch auf Halloween-Partys. „Die wurden abgesagt. Sie trifft sich jetzt in kleinem Kreis mit Freunden.“ Denn so ganz wolle man nicht auf die Tradition verzichten – zumindest für diese Generation sei das längst so. „Früher war bei uns Sankt Martin stärker, aber das hat sich in den letzten Jahren gewandelt“, sagt Krammer.

Wie sich die Kinder nun wirklich auf die Gruselnacht vorbereiten, dazu kann man auch beim Rofu Kinderland wenig sagen. „Normalerweise kaufen die erst am letzten oder vorletzten Tag ihre Kostüme“, heißt es auf Anfrage. „Aber wir merken bei den Älteren, dass es diesmal eher in Richtung Deko und weniger in Richtung Kostüm geht.“ Man kann sich eben auch mit Netflix auf der Couch alleine gruseln. Einzelne Schulklassen allerdings hätten noch in der vergangenen Woche vor den Ferien kleine Halloween-Feiern im Klassenzimmer durchgeführt.

Von offizieller Seite aus gibt es übrigens wenig Süßes und viel Saures. Zwar gelten die bundesweiten Kontaktbeschränkungen erst am Montag, doch in Pforzheim und Enzkreis herrschen zudem lokale Verordnungen, etwa die Ausgangssperre um 23 Uhr. Daran, so der Pforzheimer Ordnungsamtsleiter Wolfgang Raff, werde auch nicht gerüttelt. Zwar dürfen fünf Personen beziehungsweise zwei Haushalte im Privaten feiern, doch der Amtsleiter appelliert, man müsse nicht alles machen, nur weil es erlaubt sei.

Man macht sich schon seine Gedanken.
Familienvater

Und auch die Süßigkeitenspender sind mit der Situation etwas überfordert. „Man macht sich schon seine Gedanken“, sagt ein Familienvater aus dem westlichen Enzkreis. Der möchte auch deshalb seinen Namen nicht nennen, weil ihm sonst am Samstag der Vorhof eingerannt würde. „Wir haben überlegt, für die Kinder dort Päckchen abzupacken und hinzulegen“, sagt er. So könnte man gleichzeitig zwei Herren dienen, vernünftig bleiben und trotzdem keine enttäuschten Kinder zurücklassen.

„Vielleicht stellen wir auch noch Desinfektionsmittel dort hin“, sagt er augenzwinkernd. Er selbst, eigentlich Halloween-Feierer, hoffe zugleich darauf, dass viele Eltern ihre Kinder erst gar nicht losschicken. Ähnlich sieht es auch Jörg Müller, Gildenmeister der Belrem-Fastnachtsgilde in Pforzheim-Dillweißestein. „Bei mir kommen die Kinder eh nie die Treppen hoch“, sagt er. Obwohl die Karnevalisten selbst zu den Halloween-Feierern zählen – historisch hängt der Siegeszug von Halloween in Deutschland auch mit dem Ausfall von Karneval 1991 zusammen – hofft er dennoch dieses Jahr auf Zurückhaltung.

In den Kindergärten jedenfalls scheint sich derzeit wenig Halloween-Stimmung zu verbreiten. Petra Bösl, Leiterin des Awo-Kindergartens Krümelchen, beobachtet da wenig Resonanz unter den Kindern. „Vielleicht, weil das dieses Jahr in den Familien nicht so ein großes Thema ist“, sagt sie. Klar, Pforzheim sei immer noch Sankt-Martins-Land und es sei „viel wichtiger“, dass man ein Laternenfest organisiert bekomme, und sei es nur im Kindergarten in der Turnhalle.

Ein besonderes Halloween wird es auch für Barcley Fix, Inhaber des „Irish Pub“ in der Innenstadt. Denn Halloween ist keine ur-amerikanische Tradition, sondern eigentlich eine britisch-keltische. Somit gilt Halloween für Pubs nach dem irischen Nationalfeiertag am 17. März als zweitstärkster Umsatztag des Jahres. „Dieses Jahr wird alles anders“, sagt er. Denn bei Schließung um 23 Uhr könne kaum echte Halloween-Stimmung aufkommen. Und das einen Tag vor dem kompletten Aus, wenn der Lockdown greift. Für Gastronomen wie Fix ist die Nacht auf Montag nämlich die wahre Gruselnacht.

nach oben Zurück zum Seitenanfang