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Medienkritik und Distanzierung von Extremisten

Corona-Demo in Pforzheim widmet sich der „Nachlese von Berlin“

Die jüngste Samstagsdemonstration gegen die Corona-Maßnahmen auf dem Pforzheimer Marktplatz stand diesmal im Zeichen der Ereignisse von Berlin. Teilnehmer kritisierten die mediale Berichterstattung und distanzierten sich von Extremisten.

Klare Worte gegen die Medien: Einige wenige Demonstranten auf dem Marktplatz in Pforzheim verdeutlichten ihren Standpunkt mit Plakaten. Foto: Stefan Friedrich

Die samstäglichen Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen auf dem Pforzheimer Marktplatz gehen weiter, dieses Mal aber unter dem Eindruck dessen, was vor einer Woche in Berlin passiert ist. Teilnehmer dieser Demonstration schilderten ihre Erfahrungen und widersprachen den Darstellungen in den Medien: Die Zahl der Demonstranten beispielsweise habe bei 1,5 Millionen Menschen gelegen, versicherte einer der Teilnehmer, der sich eigener Aussage zufolge besonders gut in Berlin auskennt.

„Danke, dass ihr hier seid und Gesicht zeigt“, rief Susanne Heel den rund 50 Demonstranten zu, die sich an diesem Nachmittag versammelt hatten. Während man hier in Pforzheim Abstand halte, seien die Demonstranten letzte Woche in Berlin „zusammengepfercht“ worden, kritisierte sie den Polizeieinsatz in der Hauptstadt unter Beifall und „Buh“-Rufen aus den Reihen der Demonstranten scharf.

Berlin-Rückkehrer schildern ihre Wahrnehmung

Viele von denen, die letzte Woche in Berlin waren und „von den Qualitätsmedien als Rechtsradikale verleugnet werden“ (Heel), haben diese Woche auch in Pforzheim demonstriert und schilderten in kurzen Beiträgen ihre Wahrnehmung. „Das muss man erlebt haben, wie dieses Land mit seinen Bürgern umgeht“, betonte eine von ihnen. „Das war eine absolute Zumutung.“ Wie man mit friedlichen Menschen so umgehen kann, das sei „ein Armutszeugnis für unser Land.“ Ein anderer erzählte: „Was jetzt passiert ist, ist so dermaßen brutal. Wenn wir nicht so cool geblieben wären, wäre sicherlich was passiert.“ Es sei eine „Schande fürs Land“ gewesen, „was die Polizei da aufgeführt hat.“

Das muss man erlebt haben, wie dieses Land mit seinen Bürgern umgeht
Demonstrantin auf dem Marktplatz

Eine weitere Rednerin unterstrich dies. „Die Maske ist gefallen“, befürchtete sie, während ein anderer versicherte: Er habe ohnehin keine Reichsbürger dort getroffen, sondern nur nette Menschen mit einem Anliegen, die eine Fahne trugen. „Und so viele Menschen aus diesem Spektrum waren das gar nicht. Ich habe sie ja herumlaufen sehen.“

Dass die „Nachlese für Berlin“ an diesem Tag im Mittelpunkt stehen würde, das hatte Michael Schreyer, einer der Organisatoren dieser Pforzheimer Demos, schon vorab angekündigt. „Da waren ja einige von uns dabei und haben einige interessante Erlebnisse gehabt.“ Er selbst war sieben Wochen weg: „Völliger Urlaub von allem“, bemerkte Schreyer. Deshalb hat er die Ereignisse in Berlin auch nur aus der Ferne mitbekommen.

Strategische Besprechung soll Klarheit in den eigenen Reihen schaffen

Dieser „fast inszenierte Sturm auf den Reichstag“ sei für ihn dabei „völlig unverständlich“ gewesen, erklärte er gegenüber dem Pforzheimer Kurier und versicherte: „Mit solchen Extremen haben wir nichts am Hut. Deren Parolen sind ja völlig anders als das, was wir wollen.“ Allerdings sei die Alternativbewegung sehr differenziert. „Wenn man die alle anguckt, kriegt man kein klares Bild.“

Die einen sagen, dass die Regierung abtreten muss, ohne dass sie eine Alternative haben. Und die anderen wollen die Verfassung ändern
Demo-Organisator Martin Schreyer über die Bewegung

Ende September soll es deshalb ein Treffen in Stuttgart geben, eine strategische Besprechung mit allen, die sich um die Demonstrationen oder die Pressearbeit kümmern. Dass bislang keine einheitliche Zielsetzung zu erkennen ist, wie kritisiert wird, das stimme ja. „Die einen sagen, dass die Regierung abtreten muss, ohne dass sie eine Alternative haben. Und die anderen wollen die Verfassung ändern.“

Insofern könne er den Gedanken nur unterstützen, dass sich eine solche Bewegung auf ein Motto einigt und dieses dann „überall verwendet“ – mit der Hoffnung, dass dann auch die, die sich nicht dahinter versammeln können, zukünftig wegbleiben.

Grundrechte und Objektivität der Medien werden eingefordert

Auch Vertreter aus Pforzheim werden bei diesem Gespräch in Stuttgart anwesend sein, schließlich soll auch hier noch so lange weiter demonstriert werden, „bis wir unsere Ziele erreicht haben“, betonte Schreyer. Welche das sind, das beschrieb er so: Sämtliche vom Grundgesetz garantierte Rechte sollen wieder zur Verfügung stehen.

Vor allem eines: „Es ist ja schon eine etwas eigenwillige Auslegung des Grundgesetzes, dass die Demos alle angemeldet sein müssen“. Die anderen Punkte seien dagegen „eher allgemeiner Art“, etwa die Berichterstattung, die „breiter, objektiver und nicht nur auf der Ebene der Regierungsinformationen erfolgen“ müsse.

Schreyer verweist darauf, dass er sich beispielsweise lieber bei Bodo Schiffmann informiere, „ein sehr objektiver Berichterstatter, der stets die Zahlen des Robert-Koch-Instituts nimmt und hinterfragt.“ Das reiche ihm völlig, zumal er selbst Patient bei ihm gewesen sei und ihm daher und vertraue. „Ich weiß, dass der keine schiefen Interessen hat.“

Dass Schiffmann in Pforzheim vor einigen Wochen mit Rhetorik arbeitete, die an dunkle Zeiten der deutschen Geschichte erinnerte, das habe er nicht mitbekommen, versicherte Schreyer.

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