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Verleihung am Dienstagabend

Corona-Initiative „Pforzheimhilft“ im Rennen um bundesweiten Nachbarschaftspreis

Helfer übernehmen den Gang zur Apotheke oder in den Supermarkt - die Intiative „Pforzheimhilft“ hat sich dem Schutz von Risikogruppen und Menschen, die sich vor einer Corona-Infektion fürchten, verschrieben. Dafür zeichnete Ministerpräsident Winfried Kretschmann das Projekt mit dem Nachbarschaftspreis des Landes Baden-Württemberg aus. Nun könnte der bundesweite folgen.

Engagiert: Leon Michel hatte nach Ausbruch der Pandemie die Idee, ein Hilfsprojekt für ältere und vorerkrankte Bürger auf die Beine zu stellen. Foto: Karl Schliffka

Es waren die Berichte aus Italien, die Leon Michel aufschrecken ließen. Die Fotos von überfüllten Krankenhäusern, in denen Menschen lagen, die so schwer am Coronavirus erkrankt waren, dass sie beatmet werden mussten.

Der 18-jährige Student ging im Frühjahr noch aufs Hilda-Gymnasium. Und weil es ihm wichtig war, Menschen zu schützen, die aufgrund ihres Alters oder einer Vorerkrankung besonders gefährdet sind, trommelte Michel Gleichgesinnte aus seinem Freundeskreis zusammen. Wenig später tüftelten schon mehrere Dutzend Schüler und Studierende an einem Hilfsangebot für Risikogruppen in Pandemie-Zeiten. „Pforzheimhilft!“ ist heute ein Netzwerk mit 650 bis 700 ehrenamtlichen Helfern, das über Pforzheim hinaus auch den Enzkreis abdeckt und nun landesweite Beachtung gefunden hat.

Ab 18 Uhr wird der Bundessieger gekürt

„Pforzheimhilft!“ ist von der Stiftung nebenan.de mit dem Nachbarschaftspreis des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet worden und damit im Rennen um den Bundessieger, der am Dienstag, 10. November, ab 18 Uhr, via Internet gekürt wird.

Weil ein geplanter Besuch im Staatsministerium der Landeshauptstadt wegen Corona nicht stattfinden konnte, übermittelte Ministerpräsident Winfried Kretschmann seine Grußbotschaft an die Pforzheimer online.

Ich danke für Ihren beeindruckenden Einsatz.
Winfried Kretschmann, Ministerpräsident

„Junge Menschen haben gemeinsam Verantwortung übernommen und damit wesentlich zum sozialen Miteinander beigetragen“, lobt der Landesvater: „Ich danke für Ihren beeindruckenden Einsatz.“

Die Anerkennung erfüllt Leon Michel und seine Mitstreiter mit Stolz. „Das ist eine große Ehre für uns als Initiative“, sagt einer von ihnen, der 18-jährige Theodor-Heuss-Gymnasiast Paul Jenisch. „Es ist auch wichtig, dass uns die Politik unterstützt.“ Michel freut sich, dass mit der Ehrung „der Einsatz unserer Helfer auch von oberster Seite gewürdigt wird“.

Hilft mit: Paul Jenisch hat zusammen mit Leon Michel die Plattform eingerichtet, die Ehrenamtliche an Hilfsbedürftige vermittelt für Besorgungen. Foto: Karl Schliffka

Bürgerschaftliches Engagement ist Teil ihres Lebens

Für Michel und Jenisch ist bürgerschaftliches Engagement Teil des Lebens. Michel und Jenisch sind Mitglieder der Jungen Liberalen und gehören dem Jugendgemeinderat der Stadt an. Jenisch hat die Kleinsten beim Fußballverein Büchenbronn trainiert, Michel war drei Jahre Schulsprecher. Für Ziele zu kämpfen und für Belange anderer einzutreten, ist den beiden 18-Jährigen vertraut. „Ehrenamt spielt bei mir eine große Rolle“, sagt Jenisch.

Es war mir ein Anliegen, Menschen in einer Notlage zu helfen.
Leon Michel, Student

„Es war mir ein Anliegen, anderen Menschen in einer Notlage zu helfen und sie davor zu schützen, sich anzustecken“, beschreibt Michel seine Motivation, die Initiative „Pforzheimhilft!“ zu gründen. Ob Oma und Opa oder andere Verwandte aus dem familiären Umfeld: „Wir haben alle Menschen, die uns wichtig sind, und die zur Risikogruppe gehören.“

Jenisch erinnert sich an die Zeit zu Beginn der Pandemie. „Man wusste nicht, wie gefährlich das Virus ist und wie schnell es sich ausbreitet.“ Um älteren Menschen unnötige Kontakte wie etwa beim Einkaufen zu ersparen, habe man den Fokus auf diese Bevölkerungsgruppe gerichtet. Natürlich werde auch Jüngeren geholfen.

Hilfsangebot für Pforzheim und den Enzkreis

Inzwischen haben die Ehrenamtlichen laut Jenisch rund 1.000 Besorgungen erledigt. Mit den Infektionen steigt nun auch die Zahl derer, die Hilfe beim Einkaufen oder beim Gang zur Apotheke brauchen.

Als Michel, Jenisch und ihre Mitstreiter „Pforzheimhilft!“ ins Leben riefen, hatten sie binnen wenigen Wochen schon 500 Ehrenamtliche zusammen. Bis das Projekt in Gang kam, dauerte es trotzdem einige Zeit. „Wir mussten Vertrauen aufbauen.“ Die jungen Leute, zu denen längst Vertreter älterer Generationen hinzugestoßen sind, fertigten Flyer an und legten sie in Geschäften und Cafés aus und warben über soziale Netzwerke. „Wir haben viel Zeit investiert“, sagt Jenisch.

Die Website ist bis ins Detail ausgeklügelt. Wer Hilfe braucht, kann sich telefonisch anmelden oder online ein Formular ausfüllen. „Ich fand die Idee cool, den Menschen die Möglichkeit zu geben, sich analog und digital zu melden“, berichtet Michel. Sowohl Hilfesuchende als auch Helfer können ihr Stadtgebiet und ihre Einkaufsliste angeben. Die Administratoren vermitteln dann Helfer und geben deren Telefonnummer an Betroffene weiter.

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