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Umfrage Präzisionsindustrie

Corona-Krise bringt Produktion zurück nach Pforzheim

Die Pforzheimer Präzisionsindustrie im Cluster Hochform schlägt sich gut im Kampf mit dem Coronavirus: Die Lage „ist nicht so schwarz, wie erwartet“, sagt Markus Epple von Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim (WSP). Mancher habe sogar ziemlich viel zu tun, gerade wegen Kurzarbeit und trotz schwächelnder Auftragslage.

Corona scheint den Pforzheimer Wirtschaftsraum weniger zu erschüttern als befürchtet. Das ergibt eine Umfrage im Cluster Hochform, zu dem 200 Unternehmen der Präzisionsindustrie gehören. Foto: Fix

Epple sagt zwar zu der von Wirtschaftsminister Peter Altmaier skizzierten Aussicht auf 5,2 Prozent Wachstum beim Bruttoinlandsprodukt im kommenden Jahr „da ist Hoffnung dabei“. Nach den prognostizierten düsteren 6,3 Prozent Abschwung in diesem Jahr, klingt der Wirtschaftsförderer aber auch nicht.

Eine Basis des unter Corona-Bedingungen unerwartet entspannten Blicks auf die regionale Wirtschaft ist eine Umfrage bei der Schlüsselindustrie – der Präzisionstechnik. Allein schon, dass lediglich ein Viertel der Betriebe einen Auftragseinbruch von 50 Prozent und mehr verkraften muss, 35 Prozent aber weniger als 25 Prozent, hebt die Region von dem ab, was die IHK deutschlandweit ermittelt hat, so analysiert Epple.

Es ist herausragend, dass keine Kündigungen drohen
Markus Epple, Wirtschaftsförderer bei Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim

Als herausragend bezeichnet der Wirtschaftsförderer, dass „keine Kündigungen drohen“. Das heißt nicht, dass es keine gibt, wie der Arbeitsmarktbericht am Donnerstag deutlich zeigt. Aber wenn die traditionsreiche Schwerpunktindustrie auf Kurzarbeit vertraut, ist das ein Zeichen der Zuversicht.

Der Erreger beschleunigt den industriellen Umbau

Ein einfach Weiter so, wird es indes nicht geben. Schon bevor sich Coronaviren in jede Ritze setzten, war klar, dass sich zumindest bei der Kundenorientierung, viel ändern muss. Die Erreger wirken jetzt prozessbeschleunigend, zeigt sich Epple überzeugt.

Er macht dies vor allem an jenen etwa zehn Prozent Firmen fest, wo die Leute gerade in Arbeit ertrinken, weil sie plötzlich Zeit haben, neue Prozesse anzustoßen, Produkte zu entwickeln, Mitarbeiter zu schulen oder daran zu arbeiten, die Produktivität zu steigern. „Viele holen sich dafür auch einen Coach ins Haus“, beobachtet Epple.

Pforzheims Wirtschaftsförderer Markus Epple begleitet den Weg der Präzisionsindustrie im Raum Pforzheim mit zwei neuen Studien Foto: PK

Dass parallel dazu bei rund 81 Prozent der Unternehmen Kurzarbeit angesagt ist, muss nicht als Indiz für mangelnde Zukunftsaussichten gewertet werden. Betroffen seien vor allem Vertrieb und interne Verwaltung. Die Produktion dagegen sei weiter ausgelastet – teilweise auch, weil auf Lager produziert werde. Außerdem, so erzählt Epple, gebe es die interessante Erfahrung, als Zulieferer wieder entdeckt zu werden.

Transportkosten verteuern die globale Produktion

Ein Satz wie „gut, dass die Krise da ist, wir wussten gar nicht, dass ihr solche Qualität zu fairen Preisen habt“, wie Epple zitiert, wirft einen Schatten auf die Globalisierung. Denn im internationalen Produktionsnetzwerk funktioniert derzeit manches nicht, obwohl bei der Umfrage nur 25 Prozent von eingeschränkten Lieferketten berichten.

Problematisch seien hier weniger die Partnerbetriebe, wo auch immer in der Welt. Wenn aber Flieger auf dem Boden bleiben und Container fehlen, steigen die Transportkosten.

Studien zu Internationalisierung und Innovation

Was auch immer ursächlich ist, Epple ist davon überzeugt, dass die Produktion im Zuge der Krise zurück nach Europa kommt. „Das Hin und Her über die Weltmeere geht zurück.“ Damit die Region darauf vorbereitet ist, lässt der WSP gerade in einer Internationalisierungsstudie erarbeiten, welche Cluster zur hiesigen Industrie passen und sich für Kooperationen eignen.

Außerdem ist eine Innovationsstudie zu Zielmärkten jenseits von Automotive ausgeschrieben. Hier soll es darum gehen, was Unternehmen brauchen, damit sie beispielsweise in der Recycling-, Robotik- oder Luft- und Raumfahrtbranche reüssieren. In den jeweils 40.000 Euro für diese Untersuchungen sei auch die Umsetzung zum Beispiel über Workshops enthalten. Epple hofft, dass das angenommen wird und Kooperationen wachsen. „Das ist die Zukunft.“

Digital weniger ideal als persönlich

Eng mit dieser Perspektive verknüpft ist auch die Weiterentwicklung des Clusters Hochform. Unter anderem sind Arbeitskreise zu den angeschnittenen Themen geplant. Corona sorgt dafür, dass sie jetzt zumindest digital anlaufen, auch wenn „das nicht ideal ist als Ersatz für den persönlichen Kontakt“.

Rund 200 Unternehmen gehören zum Cluster Hochform. Etwa 50 davon haben an der Umfrage teilgenommen. Für Epple ist das „ein ziemlich guter Wert“. Da auch alle Firmengrößen vertreten sind, hält er das Ergebnis für „relativ repräsentativ“.

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