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Pforzheim

Corona-Virus: Das sind die Auswirkungen auf Pforzheimer Unternehmen und Bürger

Die Exportwirtschaft im Nordschwarzwald ist durch die Auswirkungen von Corona belastet und auch die Pforzheimer Bürger sind in Sorge. So ist die aktuelle Situation für Unternehmer und Privatleute in der Goldstadt Pforzheim.

Nicht viel zu verkaufen gibt es in diesem Jahr für die Pforzheimer Unternehmen bei der Uhr- und Schmuckmesse Baselworld. Die Veranstaltung wird auf kommendes Jahr verschoben. Und nicht nur hier leidet die Pforzheimer Wirtschaft unter dem Coronavirus. Foto: Sokolow/dpa
Das Corona-Virus hält die Region weiter auf Trab. So gehen die Bürger und Unternehmen in der Goldstadt Pforzheim mit der Lage um.

Jetzt fällt auch noch die Baselworld aus. Die große Schmuck- und Uhrenmesse in der Schweiz ist eine der bedeutendsten Veranstaltungen der Branche, gerade in Pforzheim schaut man in der Regel neugierig in Richtung Oberrhein. Dieses Jahr aber nicht. Das Ende April/Anfang Mai geplante Event wurde aufgrund des Coronavirus auf Januar 2021 verschoben.

Umsatzeinbußen und abgesagte Messen

„Vielen fehlen jetzt Umsätze“, sagt Juwelier Georg Leicht. Auch wenn die Baselworld nicht mehr den Stellenwert habe wie früher und die Inhorgenta in München ähnlich bedeutend für die Pforzheimer Unternehmen sei.

Trotzdem betont der Vorsitzende des Bundesverbandes Schmuck, Uhren, Silberwaren und verwandten Industrien Guido Grohmann aus Pforzheim: „Die Branche funktioniert über Fachmessen.“ Die sei daher gefragt, sich Alternativen zu überlegen. Die Absage der Messe nennt er aufgrund des frühen Zeitpunkts „nicht nachvollziehbar“.

Erreicht das Virus bald Pforzheim?

Juwelier Leicht hingegen findet diesen Schritt „absehbar und richtig“. Er glaubt, dass das Virus bald auch Pforzheim erreicht. Dass man derzeit einen Produktionsvorteil gegenüber der italienischen Konkurrenz hat? „Schadenfreude ist da fehl am Platz“, betont Leicht. In seinem Unternehmen habe man die Hygienestandards noch einmal verschärft. Außerdem stehe jede einzelne Reise auf dem Prüfstand. Über Homeoffice-Lösungen denke man offen nach.

Exportwirtschaft im Nordschwarzwald durch Corona belastet

Nicht nur die Schmuckindustrie ist in Sorge. In einer Blitzumfrage hat die Industrie- und Handelskammer (IHK) Nordschwarzwald die besonders exportstarken Unternehmen nach ihrer Einschätzung zur Corona-Krise gefragt. „Inzwischen spürt die international stark vernetzte Exportwirtschaft im Nordschwarzwald, dass der weltweite Handel durch die Auswirkungen des Virus belastet ist“, heißt es in einer Mitteilung.

Angespanntes China-Geschäft

Vor allem das China-Geschäft sei problematisch. So listet allein die Firma Rutronik aus Ispringen 32 Partnerunternehmen auf ihrer Homepage auf, die derzeit durch die Lage in China Lieferschwierigkeiten melden. Entspannter ist die Lage in Italien. Werner Koch etwa, Inhaber des gleichnamigen Ispringer Unternehmens, erklärt: „In Italien sind wir nicht so stark vertreten. Das Coronavirus sehen wir wie eine Grippewelle.“ Und doch überprüfe man stärker die Notwendigkeit von Geschäftsreisen.

„Die Reiselust hat schon abgenommen“, sagt Koch. Manch anderer Unternehmer gehe noch weiter, wie Michael Hasch von der IHK ergänzt: „Viele Unternehmen haben gesagt, dass sie einen Notfallplan vorbereiten.“

Bislang nur unbegründete Corona-Verdachtsfälle in Pforzheim

Und die Pforzheimer Bürger selbst? Die schwanken zwischen Hysterie und Besonnenheit. Im Siloah-Krankenhaus wurde am Freitag erneut ein Verdachtsfall gemeldet, der sich aber nicht bestätigt hat. „Das war jetzt der vierte begründete“, bestätigt Oberarzt Cornelius Ehmann.

Die unbegründeten zähle er gar nicht mehr. „Abgestumpft werden wir aber nicht“, betont er. Denn nun stehe ein spannendes Wochenende an. „Da kommen vielleicht einige aus den Ferien aus Italien zurück.“ Entsprechend eng seien die Absprachen etwa mit dem Gesundheitsamt.

Mundschutz und Desinfektionsmittel weiter stark gefragt

Derweil sind Mundschutz und Desinfektionsmittel in den Drogerien weiterhin schwer zu bekommen. Bei der Firma Müller in der Schlössle-Galerie berichtet Filialleiter Guido Siedler: „Es ist alles ausverkauft und auch fast nichts lieferbar.“ Darüber hinausgehende Hamsterkäufe kann er nicht bestätigen – anders als Blanka Gastiger im Reformhaus: „Ich glaube, dass die Menschen seit zwei, drei Tagen bunkern. Das ist schon auffällig.“ Vor allem die Nachfrage bei Tees und Getreideprodukten sei in dem alternativen Laden sprunghaft gestiegen.

Werden Veranstaltungen wie die Starmoves-EM abgesagt?

Unsicherheiten gibt es auch im Veranstaltungsbereich. So könne laut Oliver Reitz vom Wirtschafts- und Stadtmarketing Pforzheim die süddeutsche Streetdance-Meisterschaft am Wochenende im CCP stattfinden. Für die Starmoves-EM eine Woche später sieht es schwieriger aus. „Wir haben von einigen Gruppen gehört, dass sie nicht wissen, ob sie teilnehmen können“, berichtet er.

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