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Jurist auf dem Chefsessel

Das ist der neue Leiter der Landesbauverwaltung in Pforzheim

Neue Aufgabe im vertrauten Raum: Die Landesbauverwaltung in Pforzheim wird mit Christian Lindinger jetzt von einem Mann geleitet, der schon im Finanzministerium die Projekte begleitet hat, mit denen er es auch künftig zu tun hat.

Vertraute Welt: Christian Lindinger kennt jedes der Bauprojekte, die seine Vorgängerin an der Spitzes des Amts für Vermögen und Bau in Pforzheim an der Wand im Dienstzimmer hinterlassen hat. Foto: Edith Kopf

Es kann von Vorteil sein für die Kreativabteilung, wenn der Chef ein Jurist ist. Mit dieser Einschätzung steht der Neue an der Spitze von Vermögen und Bau in Pforzheim nicht alleine da. Auch Architektin Pia Riegert-Matt, die das Amt zum 1. August an Christian Lindinger übergab, hält es nicht für zwingend erforderlich, dass eine Regionalstelle der Landesbaubehörde mit architektonischem Sachverstand geführt wird. Dennoch, Lindinger ist eine Ausnahme.

Lediglich Heilbronn hatte bis vor kurzem und Schwäbisch Hall hat eine Verwaltungsspitze. Auch in Pforzheim gab es mit Günther Lamparter von 1998 bis 2001 einen Juristen auf dem Chefsessel. Ansonsten regiert die Architektur in den Ämtern, die vom Denkmalschutz über den Neubau bis zur technischen Verwaltung in Sachen Landesimmobilien alles regeln.

Christian Lindinger weiß, was das heißt. Der gebürtige Stuttgarter, der heute in Renningen wohnt, hat die meiste Zeit seines Berufslebens mit baulichen Fragen verbracht. Nach einer kurzen Zeit als Rechtsanwalt im Umfeld von Unternehmen beschäftigte er sich bei der Oberfinanzdirektion mit Investorenmodellen. Diese PPP-Projekte (Public Private Partnership) galten in der Hochzinsphase der 90er-Jahre als Super-Idee für öffentliches Bauen.

Dass vielerorts große Ernüchterung folgte, ist für Lindinger kein niederschmetterndes Urteil. Zum einen habe die öffentliche Hand nach der Mietphase bei dann auf einmal sensationell niedrigen Zinsen manches günstig kaufen können. Zum anderen baue ein Investor anders, der weiß, dass er nicht nach fünf Jahren Gewährleistung raus ist aus einer Nummer, sondern über 20 Jahre vermieten muss.

Nationalparkzentrum vom ersten Tag an begleitet

Aktuell ist diese Art der Baufinanzierung eher ein Randthema. Das Land baut in der Regel selbst und setzt damit soweit es geht architektonische Maßstäbe. Jüngstes Beispiel dafür ist das Nationalparkzentrum auf dem Ruhestein. Wenn Lindinger die kühne Holzkonstruktion im Oktober übergibt,ist er ein Vierteljahr als Bauherr aktiv, aktuell noch kommissarisch. Tatsächlich aber hat er das Projekt vom ersten Tag an begleitet. Er war dabei, als sich die Bausumme auf 50 Millionen Euro verdoppelte.

Rund 20 Jahre in der Baubegleitung im Finanzministerium bringen es mit sich, dass der 54-Jährige fast jedes Landesbauprojekt kennt, das im Pforzheimer Zuständigkeitsgebiet entlang der Städte Maulbronn, Calw, Freudenstadt, Baden-Baden und Rastatt liegt. Entsprechend betrat er auch vertraute Räume als er zum 1. Juli in die Simmlerstraße nach Pforzheim kam und sich den rund 100 Mitarbeitern vorstellte. Lindinger scheint ihnen in einer vertrauensvollen und wertschätzenden Haltung zu begegnen: „Never change a winning team“, sagt er zur Frage nach der ersten Amtshandlung.

Wir hecheln immer hinterher.
Christian Lindinger, Leiter Vermögen und Bau

Die zumindest auf Sicht dickste Aufgabe im Pforzheimer Amt für Vermögen und Bau kam dieser Tage nahezu zeitgleich mit Lindinger in die Stadt: Wie berichtet gibt es aus Stuttgart eine Freigabe für den Ausbau des Polizeipräsidiums. Es wird künftig ein neues Führungs- und Lagezentrum im Hof der Zentrale haben und daneben zusätzlich zur ohnehin schon bestehenden Außenstelle der Kripo in Calw eine zweite in der Forststraße in Pforzheim. Daneben beschäftigt die Baubehörde beispielsweise auch, ob Baden-Baden Weltkulturerbe wird.

Und dann gibt es da noch die Justizvollzugsanstalten. „Eine Daueraufgabe mit besonderen Herausforderungen“, wie Lindinger kommentiert. Schließlich seien Gefängnisse in ihrer ganzen Abgeschlossenheit immer auch eine Art Stadt in der Stadt mit allem, was dazu gehört. In Bruchsal komme als besonderes Schmankerl noch der historische Aspekt dazu. Der markante Bau ist aus dem 19. Jahrhundert.

„Wir hecheln immer hinterher“, sagt Lindinger zu seiner neuen Hauptaufgabe – die Behördenunterbringung. Bestes Beispiel dafür ist die Polizeireform 2014 mit all ihren Kapriolen. Dass angesichts der Bausummen, um die es da geht, Handwerksbetriebe höchst bereitwillig mithecheln, spüre er bislang nicht. Die Erwartungen, die bei seinen ersten Antrittsbesuchen in der Hochschule oder bei Bürgermeistern an ihn herangetragen wurden, scheinen ebenfalls überschaubar zu sein.

Keine Durchgangsstation

Das könnte sich ändern, wenn es eine offizielle Amtseinführung gibt. Ob sie kommt, ist für Lindinger indes nicht ausgemacht. Kürzlich in Freiburg jedenfalls, sei auf ein Event verzichtet worden. Wie auch immer – als Durchgangsstation betrachtet er die Pforzheimer Position nicht.

Hier ist „für die nächste Zeit meine Herausforderung“, sagt der Jurist, der einen Studienplatz für Kunstgeschichte sausen ließ, als ihm jemand sagte „mit Jura kannst Du vom Manager bis zum Sozialarbeiter alles machen“. Seinem neuen Team verspricht er: „Ich bin in der Materie gut drin, aber ich bin kein Architekt.“ Damit gibt er der Entwurfsabteilung womöglich viel Raum für Entfaltung.

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