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Gedenktag in der Corona-Pandemie

Pforzheims Gedenktag am 23. Februar: Prophylaktisch Kundgebung gegen Rechts angemeldet

Ein Friedenstaube soll an die Front des Pforzheimer Rathauses projiziert werden. Aber sonst wird der Marktplatz am Gedenktag, dem 23. Februar, diesmal leer sein. Die Initiative gegen Rechts will dennoch vorbereitet sein auf die Rechten, von denen erwartet wird, dass sie trotz Corona den Wartberg mit ihrem Fackelaufzug einnehmen werden.

Gedenkfeier auf dem Hauptfriedhof. Auch diese zentrale Veranstaltung mit traditionell vielen Teilnehmern wird es an diesem 23. Februar wegen der Ansteckungsgefahr nicht geben. Foto: Susanne Roth

Eine gigantische weiße Friedenstaube soll auch an diesem 23. Februar aufs Rathaus projiziert werden. Aber der Marktplatz wird menschenleer und auch nicht von einem Lichtermeer erhellt sein, das in Vor-Corona-Zeiten viele Hunderte entzündeten, um ein friedvolles Miteinander zu symbolisieren.

Der Gedenktag, an dem Pforzheim an seine Zerstörung vor 76 Jahren erinnert, wird wie zahlreiche andere Veranstaltungen als digitaler Kompromiss im Internet stattfinden.

Das betrifft insbesondere jene Programmpunkte, die normalerweise Menschenmassen anziehen: Die zentrale Gedenkfeier auf dem Hauptfriedhof und die von breiten Bevölkerungsschichten getragene Kundgebung mit Ansprachen auf dem Marktplatz, die mit dem Glockengeläut zum Zeitpunkt des Bombardements und dem gemeinsamen Segen der Religionen endete.

Kerzen vor Häusern statt Lichtermeer auf dem Marktplatz?

Beim Treffen des Arbeitskreises 23. Februar wurde nach alternativen Möglichkeiten gesucht. Ein Vorschlag: Pforzheimer könnten für sich vor dem eigenen Wohnanwesen Kerzen anzünden und damit an das Meer aus Friedenslichtern auf dem Marktplatz anknüpfen.

Konkrete Inhalte zum Programm, an dem die Bevölkerung teilweise über Livestreams teilhaben kann, sollen noch publik gemacht werden. Ella Martin von der städtischen Pressestelle weist auf den sehr dynamischen Prozess der Gestaltung hin. Vieles, was beim virtuellen Treffen des Arbeitskreises am Mittwochabend besprochen wurde, könnte in sechs Wochen bereits hinfällig sein, fürchten die Organisatoren.

Initiative gegen Rechts will nur reagieren

Die Mitglieder der Initiative gegen Rechts (IgR) haben sich schon vor einiger Zeit Gedanken darüber gemacht, wie sie den 23. Februar von ihrer Seite her angehen. Prophylaktisch habe man eine Kundgebung für 18 Uhr vor dem Hauptbahnhof angemeldet, um gewappnet zu sein, teilt Sprecher Christof Grosse mit.

Er betont, dass man auf diese Weise lediglich reagieren werde – wenn die Rechtsradikalen vom Freundeskreis „Ein Herz für Deutschland“ (FHD) trotz Pandemie ihren Fackelaufzug auf dem Wartberg abhalten. „Wir müssen damit rechnen. Und dann sehen wir uns in die Pflicht genommen, ebenfalls physische Präsenz zu zeigen“, sagt Grosse.

Am liebsten wäre es ihm und seinen Mitstreitern allerdings, auf die Kundgebung verzichten zu können. „Leider müssen wir vorbereitet sein.“ Bleiben die Rechten weg, würde sich der IgR auf Aufrufe und Statements in sozialen Netzwerken und Printmedien beschränken.

Leider müssen wir vorbereitet sein.
Christof Grosse, Sprecher der Initiative gegen Rechts

Im vergangenen Jahr hatte Oberbürgermeister Peter Boch zwei Tage vor dem Gedenktag die Fackelmahnwache des FHD verboten. Nach rassistisch motivierten Anschlägen in Hanau und Halle sowie zweier Bombendrohungen gegen die Pforzheimer Fathi-Moschee hatte der Rathauschef damals als Begründung eine „veränderte Lage“ angeführt. Doch der Verwaltungsgerichtshof Mannheim gab einem Eilantrag des FHD statt und hob das Verbot der Stadt auf.

Laut den aktuellen Lockdown-Regelungen in Baden-Württemberg gehören Versammlungen zu den „triftigen Gründen“, die nach 20 Uhr erlaubt sind; der zwischen 19 und 20 Uhr stattfindende Fackelauftritt wäre also demnach nicht von der nächtlichen Ausgangssperre betroffen.

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