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Mehr als 80 Teilnehmer aus der ganzen Region

Demo gegen Gewerbegebiet Ochsenwäldle: BUND rechnet Pforzheim Verluste vor

Über 80 Leute aus der ganzen Region beteiligen sich an einer Demonstration gegen ein neues Pforzheimer Gewerbegebiet Ochsenwäldle. Sie begegnen dabei auch einer Kalksteinanlage für Eidechsen, die Stuttgart 21 weichen mussten.

Waldeslust statt Waldverlust: Gut 80 Leute brachte der BUND für dieses Ziel am Sonntag ins Ochsenwäldle. Foto: Edith Kopf

Das Ochsenwäldle lässt sich durch noch so viele Ausgleichsmaßnahmen nicht ersetzen: Dieses Fazit nehmen die gut 80 Teilnehmer einer Demonstration des BUND Nordschwarzwald mit, die sich bei bestem Sonntagswetter einen Eindruck von dem verschaffen, was in Pforzheim demnächst zu einem Gewerbegebiet umgewandelt werden könnte.

Bald sollen Ausschuss und Gemeinderat entscheiden

Weichenstellende Entscheidungen dafür sollen in Pforzheim am 19. November im Wirtschaftsförderungsausschuss sowie am 24. November im Gemeinderat fallen. Grundlagen liefern zahlreiche im Kurier bereits vorgestellte Gutachten sowohl zum Ochsenwäldle als auch zum Gebiet Klapfenhardt. Wenn Pforzheim in Richtung Ochsenwäldle streben sollte, steht auch eine Interkommunale Zusammenarbeit in der Diskussion.

Kein Gewerbegebiet Ochsenwäldle: Diese Botschaft gibt die Vorsitzende des BUND Nordschwarzwald, Susanne Duffing, den Demonstranten mit. Foto: Edith Kopf

„Was kaputt ist, wird nicht wieder entstehen“, macht BUND-Vorsitzende Susanne Duffing deutlich, bevor es in zwei Gruppen durch den Wald geht. Vorhandene Brachen zu nutzen, statt Flächenverbrauch, Zersiedelung und eine Gewerbeinsel im Wald zu errichten, sei auch für Pforzheim selbst wirtschaftlich sinnvoller, schwört sie die Teilnehmer aus der ganzen Region darauf ein, den Druck auf Gemeinderäte und andere Entscheider zu erhöhen. Die Berechnungen über „einen Zehn-Millionen-Verlust beim Ochsenwäldle“ seien auf der Homepage der Stadt Pforzheim einsehbar.

Geht es nach den Naturschützern der Region, dann wird es nicht dazu kommen. Dies machen Landesnaturschutzverband, der NABU Engelsbrand, die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, die Naturfreund, die Schutzgemeinschaft Eyachtal, die Jägervereinigung Pforzheim/Enzkreis sowie der BUND im Nachgang zu dem gut besuchten Waldbegang gemeinsam deutlich. Sie setzen sich „für den Stopp aller weiteren Gewerbegebietsplanungen im Wald ein“.

Regionaler Widerstand: An der Demonstration gegen ein Gewerbegebiet Ochsenwäldle beteiligten sich viele Menschen aus angrenzenden Gemeinden. Foto: Edith Kopf

An Argumenten dafür mangelt es Klemens Köberle nicht, der am Sonntag im Ochsenwäldle einer der beiden Gruppen erläutert, was auf dem Spiel steht. Rein optisch kann er dabei auf ein kläglich wirkendes Kalksteingebilde hinter dem Zaun zur ehemaligen Nike-Station der Amerikaner bauen.

Bringt neues Gewerbegebiet wirklich Arbeitsplätze?

Wo im Kalten Krieg Raketenabwehr in Stellung gebracht wurde, tummeln sich jetzt Eidechsen, die für den Bau von Stuttgart 21 umgesiedelt wurden, so erläutert der Stadtrat aus Mühlacker. Diese neuen oder die unabhängig vom Gebäude vorhandenen werden das nicht überleben, zeigt sich Köberle überzeugt. Schließlich passe sich eine derartige Population dem Nahrungsangebot an.

Dem „schönen Mischwald“ und den Tieren dort werde es ähnlich ergehen, wenn ein Gewerbegebiet komme, macht Köberle deutlich. Und der Verlust gehe weit über den puren Holzwert hinaus. Er liege bei einer einzigen 100 Jahre alten Buche bei 66.000 Euro. Dies sei die Summe dessen, was der Baum pro Jahr an volkswirtschaftlichem Ertrag zum Beispiel für Bodenlebewesen, Schattenspender, Aufenthaltsqualität, Feinstaubfilter, Windschutz und Sauerstoff bringe.

Auch auf kommunaler Ebene macht Köberle eine Rechnung auf. „Arbeitsplätze und Gewerbesteuer sind als Argumente für ein Gewerbegebiet nicht haltbar.“ Zum einen siedelten sich in der Regel keine neue Firmen an. Zum anderen bringe jeder Neubau ein Stück mehr Industrie 4.0 mit Robotern ohne Urlaubsanspruch und Krankheitstagen sowie wenigen, hochqualifizierte Mitarbeitern.

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